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Isaf-Bericht zum Angriff von Kundus Das Ziel: Taliban statt Tanker?


Brisante Enthüllung über den Angriff von Kundus: Bislang galt als sicher, dass Oberst Georg Klein die entführten Tanker bombardieren ließ, um Anschläge mit den Fahrzeugen zu verhindern. Laut "Süddeutscher Zeitung" wollte er indes primär Taliban töten. Auch der Verteidigungsexperte der SPD geht dieser Theorie nach.

Warum ließ der deutsche Oberst Georg Klein am 4. September sofort Bomben auf zwei entführte Tanklastwagen werfen? Die offizielle Begründung des Militärs lautete bislang stets: Der Kommandeur wollte verhindern, dass die Taliban die mit Sprit gefüllten Laster später für verheerende Anschläge nutzen können.

Warum aber ging er dann nicht auf das Angebot der US-Piloten ein, die Tanker zunächst in niedriger Höhe zu überfliegen? Die Menschen bei den Lastern hätten gewusst, dass ein Luftschlag unmittelbar bevorsteht und wären geflohen - und die Tanker hätten immer noch vernichtet werden können, denn sie steckten in einer Sandbank fest.

Die "Süddeutsche Zeitung" glaubt, die Antwort auf diese Frage zu kennen. Auf seiner Online-Seite berichtet das Blatt, der Luftschlag sollte vor allem eine große Gruppe von Taliban und ihre Anführer treffen. Das Blatt beruft sich auf den offiziellen Untersuchungsbericht der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf). Dieser geheim gehaltene Bericht halte unmissverständlich fest: "Er (Klein, Anm. d. Red.) wollte die Menschen angreifen, nicht die Fahrzeuge."

Klein wollte Taliban angeblich vernichten

Der Isaf-Bericht gehe ferner von mehr als hundert Toten aus, darunter 60 bis 80 Taliban-Kämpfer und 30 bis 40 getötete oder verletzte Zivilisten. Der Zeitung zufolge machte der deutsche Oberst auch in dem von ihm selbst verfassten Bericht keinen Hehl aus seiner Absicht. Nach Informationen der "Süddeutschen" schrieb Klein, er habe die Taliban "vernichten" wollen. Nach stern.de-Informationen lautet der vollständige Satz, er habe die Tanklastzüge und die Taliban vernichten wollen, was die These etwas abschwächt.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte in der Zeitung keine Stellungnahme zum möglichen Motiv des Obersts abgeben. Es sei Aufgabe des Untersuchungsausschusses, die Umstände des Bombardements zu klären, so das Wehrressort. Zuvor hatte SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels die Frage nach einer gezielten Tötung aufgeworfen. "Es würde uns schon interessieren, ob es dadurch, dass das KSK (Spezialeinheit, Anm. d. Red.) involviert war, möglicherweise auch um anderes ging, als die beiden Tanklastwagen aus dem Verkehr zu ziehen. Möglicherweise waren auch Taliban-Führer im Visier", sagte er am Freitag im Radioeins des RBB und gab zu bedenken: "Das sogenannte Targeting, also Personen durch Bombenangriffe auszuschalten, ist eigentlich nie deutsche Politik gewesen. Das haben wir bei den Amerikanern immer kritisiert." Ähnlich hatte sich auch der Grünen-Verteidungsexperte Omid Nouripour im stern.de-Interview geäußert. Militärs hatten die Variante, dass es vornehmlich um die Ausschaltung von Taliban ging, in Hintergrundgesprächen in den vergangenen Tagen immer wieder angedeutet - weil der Luftangriff dadurch eine gewisse Plausibilität erhält.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Freitag bei einem Blitzbesuch in Kundus betont, bei dem Bombardement habe es Verfahrensfehler gegeben. Dennoch dürfe der anberaumte Untersuchungsausschuss nicht zur Diskreditierung der Soldaten führen, sondern müsse zu mehr Rechtssicherheit beitragen. Am Abend wird der Minister in Berlin zurückerwartet. Der Medienempfang am Flughafen dürfte gewaltig sein.

chs/lk

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