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ISRAEL: Feuergefechte: Waffenruhe bröckelt

Die am Samstag von Bundesaußenminister Joschka Fischer vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern droht bereits wieder zu zerbrechen.

Die am Samstag von Bundesaußenminister Joschka Fischer vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern droht bereits wieder zu zerbrechen. Während Fischer seinen Aufenthalt in der Krisenregion nach dem blutigen Selbstmordanschlag von Tel Aviv verlängerte, um die gefährliche Lage zu entspannen, wurden aus dem Gazastreifen erneut Zusammenstöße zwischen der israelischen Armee und bewaffneten Palästinensern gemeldet. Dabei versuchten nach palästinensischen Angaben erstmals palästinensische Polizisten, eine Eskalation zu verhindern. Dennoch wurden bei der Schießerei 18 Palästinenser und zwei Israelis zum Teil schwer verletzt.

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Der Anschlag und seine Folgen

stern.de: Fischer verhandelt weiter

stern.de: Israel greift palästinensische Gruppen an

stern.de: Israel legt Angriffsziele fest

stern.de: »Sie wollten nur tanzen und Spaß haben«

stern.de: Totale Blockade der Palästinensergebiete

stern.de: Scharon sagt Deutschland-Besuch ab

stern.de: Chronologie des Grauens

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Internationale Reaktionen

Bei dem Anschlag vor einer Discothek am Strand von Tel Aviv, zu dem sich am Sonntag die radikal-islamische Hamas-Bewegung bekannte, hatte am Freitagabend ein palästinensischer Selbstmordattentäter 20 junge Israelis mit in den Tod gerissen. Die Bluttat löste weltweit Entsetzen aus. US-Präsident George W. Bush, UN-Generalsekretär Kofi Annan, der EU-Beauftragte für Außenpolitik, Javier Solana, und mehrere europäische Regierungschefs verurteilten den Terrorakt scharf. Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich tief erschüttert, forderte Israels Regierungschef Ariel Scharon aber zugleich zum Festhalten am Friedensprozess auf.

Waffenruhe auf Bestreben Fischers

Außenminister Fischer brachte Arafat am Samstag nach intensiven Kontakten mit der israelischen Führung dazu, eine »bedingungslose, sofortige Waffenruhe« auszurufen. Arafat kam damit offenbar einem massiven Vergeltungsschlag der israelischen Armee zuvor. Israel riegelte noch am Samstag die Palästinensergebiete ab und stoppte alle Treibstofftransporte in den Gazastreifen. Alle Palästinenser in Israel wurden aufgefordert, in ihre Gebiete zurückzukehren.

Sicherheitszone soll Israel schützen

Am Montag stimmten offenbar auch die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und »Islamischer Dschihad« (»Heiliger Krieg«) der Waffenruhe zu. Noch am Sonntag hatten diese Gruppen Arafats Anordnungen, keine Israelis mehr anzugreifen, zurückgewiesen.

Scharon kündigte nach dem Terroranschlag am Sonntag einen »Operationsplan« an, nach dem Israel durch eine »Sicherheitszone« vom Westjordanland getrennt werden soll. Nach israelischen Presseberichten will die Armee einen etwa einen Kilometer breiten Streifen schaffen, in dem sich Palästinenser nicht aufhalten dürfen. Damit solle für die israelische Bevölkerung größere Sicherheit vor neuen Terroranschlägen geschaffen werden. Anderen Berichten zufolge soll auch das Westjordanland in mehrere Sektoren getrennt werden. Scharon sprach sich dennoch gegen eine von immer mehr Israelis geforderte »einseitige Trennung« Israels von den Palästinensergebieten aus.

Trotz wachsender Skepsis über die Chancen für eine andauernde Waffenruhe setzte Bundesaußenminister Fischer seine Vermittlungsbemühungen fort. »Ich hoffe, dass die Israelis die Kraft haben, auf Rache zu verzichten«, sagte er in Jerusalem. Die vergangenen 24 Stunden hätten große Fortschritte gebracht. Fischer traf erneut mit Israels Außenminister Schimon Peres zusammen und telefonierte vor seiner für Montagabend vorgesehenen Weitereise nach Ägypten unter anderem mit US-Außenminister Colin Powell.

Blockade aufheben

Der palästinensische Minister und ehemalige Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit Israel, Sajeb Erekat, forderte am Montag die Europäische Union auf, Israel zur Beendigung seiner Zwangsmaßnahmen gegen die Palästinenser zu drängen. Die Blockade der Palästinensergebiete und die wirtschaftlichen Sanktionen drohten die palästinensische Bevölkerung »zu ersticken«.