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ISRAEL: Sechs Tote nach israelischem Raketenangriff

Der israelische Rakentenangriff im Gaza-Sreifen, bei dem sechs mutmaßliche Palästinenser starben, erfolgte nach dem Ausbau der Militäroffensive im Westjordanland.

Israelische Kampfhubschrauber haben am Montag im Gaza-Streifen nach Informationen aus palästinensischen Sicherheitskreisen Fahrzeuge, in denen sich mutmaßliche militante Palästinenser befanden, mit Raketen beschossen.Nach Krankenhaus-Angaben wurden bei den Raketenangriffen auf zwei Fahrzeuge sechs Männer getötet. Zehn Personen darunter auch Kinder seien verwundet worden. Israel kommentierte den gezielten Angriff zunächst nicht.

Der Angriff ereignete sich den Angaben zufolge bei Rafah am Rande eines palästinensischen Flüchtlingslagers unweit der Grenze zu Ägypten. Die Fahrzeuge seien völlig zerstört worden, berichteten Augenzeugen. Über die Identität der Toten wurde zunächst nichts bekannt.

Israelische Armee in Ramallah eingerückt

Der gezielte israelische Luftangriff folgte kurz nach der Besetzung von Ramallah im Westjordanland in der Nacht zum Montag. Nach palästinensischen Angaben fuhren rund 130 Panzer in die autonome Stadt ein, von denen etwa 17 das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat umrundeten. Dieser hielt sich zurzeit der Invasion in dem Gebäude auf. Unterdessen wurde in Washington eine kurzfristige Entscheidung über den Zeitpunkt der geplanten Nahost-Rede von US-Präsident George W. Bush erwartet.

Das Hauptquartier Arafats war zu Beginn dieses Jahres mehrere Monate lang von der israelischen Armee belagert worden, so dass der palästinensische Präsident praktisch unter Hausarrest gestanden hatte. Erst nach einer internationalen Vereinbarung zogen die Panzer wieder ab, woraufhin Arafat seine Bewegungfreiheit wieder erhielt. Die jüngste Militäraktion wurde von zwei Kampfhubschraubern unterstützt, die den Invasionstruppen Deckung aus der Luft gaben. Des weiteren fuhren israelische Streifenfahrzeuge vor dem nahe gelegenen Flüchtlingslager El Amari auf.

Hamas-Gründer unter Hausarrest

Israel hat damit seine Militäroperationen im Westjordanland weiter ausgebaut. In den letzten Tagen waren bereits die Städte Dschenin, Nablus, Tulkarem und Bethlehem besetzt worden. Kurz vor der Invasion in Ramallah hatte die palästinensische Polizei erklärt, der Gründer der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas, Scheich Ahmed Jassin, sei unter Hausarrest gestellt worden. Die Anordnung dazu habe Palästinenser-Präsident Jassir Arafat selbst gegeben, verlautete aus den Kreisen. Auf diese Weise sollten »die nationalen Interessen des palästinensischen Volkes geschützt werden«. Nach zwei palästinensischen Selbstmordanschlägen und einem Überfall von Palästinensern auf eine jüdische Siedlung in der vergangenen Woche mit insgesamt 31 Toten hatte sich der internationale Druck auf Arafat erhöht, gegen militante Palästinenser vorzugehen.

Ein Sohn Scheich Jassins sagte, seine Familie sei nicht im Voraus über den Beschluss der Palästinenser-Regierung informiert worden. Palästinensische Sicherheitskräfte hätten zwei Positionen im Umkreis von 200 Metern um das Haus Jassins in Gaza-Stadt bezogen. Jassin, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, war bereits im Dezember vorübergehend unter Hausarrest gestellt worden. Auch damals war der internationale Druck auf Arafat infolge einer Reihe palästinensischer Selbstmordattentate gewachsen. Hamas wird für zahlreiche Anschläge in Israel verantwortlich gemacht. Zuletzt hatte sie sich zu einem Anschlag bekannt, bei dem sich ein Selbstmordattentäter in der vergangenen Woche in einem Bus in Südjerusalem in die Luft gesprengt hatte. Er riss 18 Menschen mit in den Tod. Die Organisation erkennt das Existenzrecht Israels nicht an.

Voraussichtlich keine Gewaltreaktionen

Jassins Büro-Chef Ismail Hanieah sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Hamas werde voraussichtlich nicht mit Gewalt auf den Hausarrest reagieren. Er forderte die Palästinenser-Regierung auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Bereits am Sonntag waren nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen rund ein Dutzend Hamas-Mitglieder im Gaza-Streifen festgenommen worden.