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Italien: Saubere Inszenierung in der Müllstadt Neapel

Längst ist Neapel das Symbol für Italiens Misere: Mülldesaster, Mafia, Korruption und nun auch noch Fremdenhass haben den Ruf der Stadt im Süden des Landes ruiniert. Nur für die neugewählte Regierung wird die "Hölle von Neapel" ausnahmsweise einmal gesäubert.

Von Julius Müller-Meiningen, Neapel

Die Kinder hatten nicht einmal mehr Zeit, ihre Teddybären mitzunehmen. Jetzt liegen die Stofftiere da, halb verkohlt auf dem schwarzen, vom Feuer niedergemähten Boden. Hier noch ein unversehrter violett lackierter Kinderwagen, dort ein abgebrannter Fernseher, das Gerüst eines Kühlschranks, links eine angesengte Matratze. Zwei, drei Hütten stehen noch, hinter ihnen sieht man wenige Kilometer entfernt den in graue Wolken gehüllten Fuß des Vesuvs. Davor erstreckt sich die zurückgebliebene, ärmliche Peripherie Neapels. Überall tummeln sich kleine schwarze Fliegen auf den angesengten Resten des Roma-Lagers von Ponticelli.

Die Menschen sind längst geflohen vor einem wild gewordenen, aus den umliegenden fünf Hochhäusern herbeigeströmten Mob, der sogar den Flammen applaudierte und die Feuerwehrleute am Löschen zu hindern versuchte. Eine junge Roma hatte angeblich versucht, einen Säugling aus einer fremden Wohnung zu entführen. Das nahmen die Anwohner zum Anlass für ihr Pogrom. Unbekannte, manche vermuten es seien Mitglieder der Camorra, einer Verbrecherorganisation in Kampanien, gewesen, warfen Mitte vergangener Woche Molotowcocktails in die Baracken, von denen Dutzende nieder- brannten. Die Sinti und Roma sind nun weg, untergebracht in einer Kirche am anderen Ende der Stadt. Niemand wurde verletzt. Alles ist ruhig. Nur der Brandgeruch liegt noch immer in der feuchten, windigen Luft von Ponticelli und will nicht recht verschwinden.

Berlusconis neue Sicherheitsgesetze machen Angst

Laut ist es heute im Zentrum der Stadt. Neben den alltäglichen Hupsignalen sind von überallher die Trillerpfeifen der Demonstranten zu hören. Zehn Züge sind angemeldet, darunter Kommunisten, Arbeitslose, Umweltschützer, Immigranten. Vasilika Castache, 35, hat sich dem Zug des antirassistischen Netzwerks angeschlossen. Sie trägt ein Kopftuch und hat breite, gebräunte Wangenknochen. Castache ist eine rumänische Roma. Vor zwei Jahren ist sie mit ihrer Familie und den fünf Kindern nach Italien gekommen. "Wir hatten nichts zu essen in Rumänien." Am Wochenende musste sie aus Ponticelli fliehen, als ihre Holzhütte in Flammen aufging. "Wir haben um unser Leben gefürchtet", erzählt sie. Auch wenn sie EU-Bürgerin ist - Berlusconis neue Sicherheitsgesetze machen ihr Angst.

Die Minister der neuen italienischen Regierung von Silvio Berlusconi hatten sich in Neapel versammelt und so den Protest geweckt. Neapels Probleme, vom Müll über die Kriminalität bis zur illegalen Einwanderung, sind zum Symbol für das ganze Land geworden. Deshalb hat der Medienzar Berlusconi, ein Meister der Inszenierung, auch die Hauptstadt Kampaniens als ersten, außerordentlichen Treffpunkt seines Kabinetts gewählt, das sonst nur in Rom berät.

Schauspiel für Ministerkonvoi

Als der Konvoi morgens mit zwei großen Bussen die Minister zum vornehmen Palast der Präfektur an der Piazza del Plebiscito transportierte, war keine einzige Mülltüte auf den engen Gassen des Zentrums zu sehen. Auch die Neapolitaner können inszenieren: Fieberhaft hatte die Müllabfuhr noch in der Nacht an einer perfekten, sauberen Kulisse gearbeitet. Ein Lokalblatt, das auch noch "Roma" heißt, begrüßte die Gäste auf seiner Titelseite dennoch in der "Hölle von Neapel".

Einige der armen Teufel in dieser Hölle haben sich gerade bei der Armenspeisung der Caritas am Hafen, unweit der Piazza del Plebiscito, eingefunden. Zaid sagt, er sei mit 16 aus Marokko gekommen, mit gültigen Papieren, heute ist er 33, ohne Dokumente. Er hat einen matten Blick und dunkel gefärbte Zähne. "Wir saufen, suchen was zu essen und schlafen, wo gerade Platz ist", meint er. Meist ist das auf der Straße, er habe keine Arbeit, weil die Polizei ihm die Dokumente weggenommen habe. "Wir sind nicht kriminell, doch ohne Papiere ist es wirklich schwierig."

Illegale Einwanderung soll schärfer bestraft werden

In Neapel hat die Regierung strenge Gesetze beschlossen, mit denen Kriminalität und illegale Einwanderung bekämpft werden sollen. Innenminister Roberto Maroni setzte durch, dass illegale Einwanderung als Straftat verfolgt wird. Wenn das Parlament für den Vorschlag stimmt und der Staatspräsident das Gesetz unterzeichnet, können fortan illegal Eingewanderte zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und vier Jahren verurteilt werden. "Ich habe keine Angst", sagt Zaid. Bleiben oder gehen, ihm ist beides recht. Er hat sich aufgegeben. Das Geld, das er zum Leben braucht, verdient er am Markt. Zaid verkauft dort Schuhe, die er vorher aus den Müllhaufen fischt. Davon gibt es ja genug.

Wer zum Beispiel von Ponticelli die drei, vier Kilometer ins Stadtzentrum läuft, muss immer wieder den Bürgersteig wechseln, weil sich vor ihm Müllberge aufbauen, die so hoch sind, dass sie sogar Straßenschilder verschlucken. 100 Meter weiter bietet ein Händler frischen Fisch an, dann wieder ein 15 Meter langer, mannshoher Müllhaufen, vor dem eine tote Ratte liegt, und ein paar Meter weiter verkauft ein Gemüsehändler von seinem motorisierten Dreirad Fenchel, Tomaten und Kartoffeln. Es ist ein ewiger Slalom durch die Schätze und den Abschaum einer Stadt. Es scheint, als hätten sich die Neapoletaner in ihrer grundsätzlich sehr freundlichen und toleranten Art längst daran gewöhnt.

Es wird investiert, aber es passiert nichts

Die Regierung versprach am Mittwoch, umgehend drei Deponien zu öffnen und zehn Millionen Euro sofort zur Behebung des Notstandes zu investieren. Der ist gerade wieder ausgebrochen, weil die Staatsanwaltschaft mehrere Deponien schließen ließ. Sie seien für die Gesundheit der Menschen zu gefährlich, hieß es. Eine einzige Verbrennungsanlage ist seit Jahren in Bau und wird nicht fertig. Vier weitere sollen nun in Kampanien gebaut werden. Seit 14 Jahren fließt Geld in die Region und wird die Öffnung neuer Deponien versprochen. Passiert ist wenig.

Eine der bislang geplanten Deponien soll zum Beispiel auf dem Gebiet der Gemeinde Marano im Norden Neapels errichtet werden. Bürgermeister Salvatore Perrotta ist deshalb mit Gefährten aus der Gemeinde nach Neapel zum Demonstrieren gefahren. "Bei uns gibt es viele Krankenhäuser, ein Naturschutzgebiet - das können die doch nicht machen", ruft er auf der Piazza Dante. "Sollen sie doch die großen Militärübungsplätze in der Gegend nehmen!" Die Regierung gab bekannt, die Deponien tatsächlich auf militärischem Gebiet einrichten zu wollen. 14 Jahre lang haben sie hier diese Diskussion geführt." Niemand weiß, wie sie ausgeht. "Wissen Sie", sagt Perrotta schließlich, "die Neapolitaner sind immer ein tolerantes Volk gewesen. Aber jetzt haben wir wirklich keine Geduld mehr."

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(