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Juba im Südsudan: Die junge Haupstadt boomt

Wer in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, unterwegs ist, muss nur die Augen schließen und glaubt sich in Kenia oder Uganda. Denn für viele unternehmungslustige Menschen aus den Nachbarstaaten ist Juba eine Boomtown, in der sich schnell eine Menge Geld machen lässt.

Eigentlich sind Südsudanesen unter ihren afrikanischen Nachbarn leicht auszumachen. Vor allem die Dinka und die Nuer, die größten ethnischen Gruppen des bald jüngsten Staates der Welt, fallen sofort auf: mit ihrem hohen Wuchs, der dunklen Hauptfarbe, mitunter auch den Schmucknarben im Gesicht. Sie werden noch immer vor allem von Menschen aus ländlichen Regionen getragen, auch wenn die Regierung dies schon vor Jahren verboten hat, weil Kinder nur allzu oft schwere Infektionen durch unsaubere Rasierklingen erlitten.

Starke Einflüsse aus den Nachbarländern

Doch wer in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, unterwegs ist, muss nur die Augen schließen und glaubt sich in Kenia oder Uganda. Suaheli, die lingua franca (Verkehrssprache) Ostafrikas ist ebenso allgegenwärtig wie das kenianisch oder ugandisch geprägte Englisch. Auf den Märkten, in Hotels und Kneipen - überall sind Menschen mit ostafrikanischen Gesichtszügen. Kenianische oder äthiopische Banken haben in Juba neue Filialen aufgemacht.

In vielen Hotels wird das äthiopische Fladenbrot Injera oder das beliebte kenianische Tusker-Bier angeboten. Für viele unternehmungslustige Menschen aus den Nachbarstaaten ist Juba eine Boomtown, in der sich schnell eine Menge Geld machen lässt - nicht zuletzt dank der Anwesenheit vieler Hilfsorganisationen und UN-Einrichtungen, die auch bereit sind, überhöhte Preise zu zahlen und auf englischsprachige Mitarbeiter angewiesen sind.

Gutes Geld für harte Arbeit

Margaret, die ihren Nachnamen nicht nennen will, arbeitet in einem der Hotels in Juba, die zahlreiche Zimmer an Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen vermieten. Sie stammt aus Eldoret im zentralkenianischen Rift Valley und leitet zusammen mit ihrem Bruder das Hotel. "Hier lässt sich gutes Geld verdienen", sagt sie. "Aber wir brauchen sudanesische Partner, und wer weiß, ob es nach der Unabhängigkeit nicht doch den Trend gibt, dass nur noch Südsudanesen die Jobs bekommen."

Robert Malikeye aus Uganda hat vorerst keine Zukunftssorgen. Der 30-jährige Ugander arbeitet als Wasserträger. Es ist harte Arbeit. Mit dem Fahrrad fährt er zu einem der Tankwagen, die sauberes Trinkwasser verkaufen. Für vier Pfund pro Zehn-Liter-Kanister kauft er Wasser, jeweils hundert Liter. Wenn er sein Fahrrad durch die Straßen von Juba schiebt, kann er sein klappriges Gefährt mit der schweren Last nur mühsam durch die schlaglochübersäten Straßen schieben.

"Ich verkaufe die Kanister für jeweils zehn Pfund", erzählt er. "Zum Leben brauche ich nur 50 Pfund in der Woche, ich spare, was ich nur kann." Es ist kein sonderlich komfortables Leben. In den Hotels kostet ein Bier vier Pfund, für ein Abendessen müssen mindestens 20 Dollar hingelegt werden. Doch auf dem Markt gibt es - bei den ebenfalls aus Ostafrika stammenden Händlern - Maismehl für Gerichte wie "Posho" oder "Ugali", gelegentlich auch mal ein bisschen Gemüse.

"Wenn ich drei Monate lang Wasser ausgetragen habe, habe ich genug Geld verdient, um zwei Monate nach Uganda zurückzukehren. Und meine Frau und meine vier Kinder haben ein gutes Auskommen", sagt Malikeye. Die Plackerei auf den heißen, staubigen Straßen von Juba lohnt sich für ihn. Zukunftssorgen hat er nicht. "Die Südsudanesen wollen bequeme Jobs, nicht diese harte Arbeit", meint er. "Vielleicht ändert sich das, wenn sie nach der Unabhängigkeit feststellen, dass sie immer noch nicht im Paradies leben. Aber bis dahin mache ich einfach weiter."

Eva Krafczyk/DPA / DPA
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