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Unabhängigkeit von Südsudan: Ein Staat beginnt die Arbeit

An diesem Wochenende wurde Südsudan offiziell zum autonomen Staat. Einen ersten Schritt, die Konflikte zu beenden, scheinen Nord- und Südsudan damit gegangen zu sein. Doch bis zum Frieden ist es noch ein langer Weg.

Die Jubelfeiern sind noch nicht ganz beendet, da beginnt die südsudanesische Regierung bereits mit der Arbeit: Der Südsudan hat sich am Samstag offiziell vom Norden des Landes abgespalten und seine Unabhängigkeit erklärt. Unmittelbar danach nahm die Regierung in Juba diplomatische Beziehungen zu den USA, Frankreich, Deutschland und anderen Staaten auf. Bereits in dieser Woche will der jüngste Staat der Welt Mitglied der Vereinten Nationen werden.

Deutschland ist für den Antrag des neuen Staates verantwortlich: Als vorsitzendes Land im Weltsicherheitsrat muss es der Generalversammlung der UN die Aufnahme des neuen Mitglied 153 empfehlen. Kanzlerin Angela Merkel kündigte an, der Sudan werde im Sicherheitsrat ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Das Gremium hatte am Freitag beschlossen, 7000 Friedenshüter in das jüngste afrikanische Land zu entsenden.

Internationale Gemeinschaft jubelt und mahnt

Nach der Staatsgründung beglückwünschten Politiker in aller Welt die Regierungen in Khartum und Juba, beschworen sie aber auch Frieden zu wahren und für Stabilität in der von Konflikten erschütterten Region zu sorgen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich beunruhigt über die anhaltenden Grenzkonflikte.

US-Präsident Barack Obama begrüßte die "Geburt einer neuen Nation". Die Unabhängigkeit zeige wieder, dass ein neuer Anfang nach Kriegen möglich sei. Anders als von der Regierung in Khartum erhofft kündigte Obama aber kein unmittelbares Ende der amerikanischen Sanktionen gegen den Sudan an. Seit 1997 gilt ein US-Handelsembargo gegen das Land, das die Regierung in Washington als Unterstützer von Terroristen brandmarkt. Obama rief beide Staaten zudem dazu auf, die bittere Vergangenheit hinter sich zu lassen und das Friedensabkommen von 2005 vollständig umzusetzen.

Auch China gratulierte und bot dem Land enge Beziehungen an. China unterhält zwar ein enges Verhältnis zum Nordsudan, ist allerdings auch an guten Beziehungen zum Süden interessiert, da sich dort ein Großteil der Rohölvorkommen befinden und China als wichtiger Käufer seine weitere Versorgung sicherstellen will.

Konflikte schwelen weiter

Die Teilung des bisher größten Landes Afrikas zieht einen Schlussstrich unter den jahrzehntelangen blutigen Konflikt zwischen dem arabisch geprägten Norden und dem überwiegend von Schwarzafrikanern bewohnten Süden. In einer Volksabstimmung hatten sich im Januar fast 99 Prozent der Südsudanesen für die Abspaltung ausgesprochen.

Umstritten zwischen Nord und Süd sind aber weiterhin der genaue Grenzverlauf und die Verteilung der Öleinkünfte. Der Südsudan verfügt zwar über reiche Ölvorkommen, ist aber auf Pipelines, Raffinerien und Ölhäfen des Nordens angewiesen. Die Regierung im Norden hat bereits angekündigt, dass sie ethnische Südsudanesen im Norden nicht weiter als Beamte beschäftigen will. Auch in der Privatwirtschaft fürchten Südsudanesen nun Entlassungen. Deshalb hat schon vor Monaten ein Exodus aus dem Norden begonnen. Allein in diesem Jahr werden etwa 100000 Rückkehrer im Süden erwartet.

EHCO: 40 Prozent der Kinder sind unterernährt

Die Welthungerhilfe (EHCO) warnte vor der weiter bestehenden Gefahr eines Bürgerkriegs im Südsudan. Die Lage im Südsudan sei trotz seiner Unabhängigkeit immernoch sehr angespannt, sagte Präsidentin Bärbel Dieckmann in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Unsere Mitarbeiter berichten von abgemagerten Menschen, die zum Teil schon Saatgut essen." Das werde zu Ausfällen bei der nächsten Ernte führen. Schätzungsweise 40 Prozent der Kinder im Südsudan seien unterernährt.

liri/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters