HOME

Prozess gegen Wikileaks-Gründer: "In die USA geschickt zu werden, ist ein Todesurteil": Assanges Vater fürchtet Auslieferung seines Sohnes

Julian Assange wartet in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis auf die Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA, die nächste Woche beginnen soll. Sein Vater John Shipton zeigt sich im BBC-Interview in großer Sorge um seinen Sohn.

John Shipton (l.) sorgt sich um seinen Sohn, den inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange

John Shipton (l.) sorgt sich um seinen Sohn, den inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange

DPA

Nach Jahren in der ecuadorianischen Botschaft wartet Wikileaks-Gründer Julian Assange derzeit im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh auf eine Entscheidung über seine mögliche Auslieferung in die USA. Die Gerichtsverhandlung darüber soll am 24. Februar beginnen. Die Vereinigten Staaten werfen dem 48-Jährigen vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning, die damals noch Bradley Manning hieß, im Jahr 2010 geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dadurch waren auch Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten bekannt geworden. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange 175 Jahre Haft.

"Er wird wirklich besorgt sein"

Assanges Vater, John Shipton, schätzt die Konsequenzen einer Auslieferung seines Sohnes an die USA sogar noch deutlich dramatischer ein. "Die unaufhörliche Angst, unter der Julian seit nunmehr zehn Jahren leidet, hat eine zutiefst schädigende Wirkung gehabt", sagte Shipton in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. "Ich kann nicht über seinen Geisteszustand spekulieren, aber ich kann mir vorstellen, dass er wirklich besorgt sein wird, denn in die Vereinigten Staaten geschickt zu werden, ist ein Todesurteil."

Günter Wallraff kämpft für Julian Assange Freiheit – und für die Pressefreiheit

Shipton befürchtet, dass das Urteil von Bezirksrichterin Vanessa Baraitser im Auslieferungsverfahren vor dem Woolwich Crown Court bereits feststeht: "Es ist ein Gericht auf niedriger Ebene, so dass ich - meine Vermutung wäre, dass Richterin Baraitser wirklich nicht in der Position ist, eine andere Entscheidung als die Auslieferung zu treffen", sagte er der BBC. Sollte dies geschehen, werde beim Obersten Gerichtshof Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Ärzte fordern Ende der "Folter" von Julian Assange

Unterdessen haben knapp 120 Ärzte und Psychologen gefordert, die "psychologische Folter und medizinische Vernachlässigung" von Assange zu beenden. Der Wikileaks-Gründer leide unter den Folgen des Aufenthalts in der ecuadorianischen Botschaft und in Belmarsh, schrieben die Experten in einem Brief, den die Medizin-Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht hat. 

Sollte Assange in der Zelle sterben, dann sei er "effektiv zu Tode gefoltert worden", heißt es in dem Schreiben weiter. "Ein Großteil dieser Folter wird in einer medizinischen Abteilung des Gefängnisses unter ärztlicher Aufsicht stattgefunden haben." Die Ärzteschaft dürfe dies nicht stillschweigend hinnehmen. Die Folterung des 48-Jährigen müsse eingestellt und ihm müsse Zugang zur "bestmöglichen Gesundheitsversorgung gewährt werden, bevor es zu spät ist".

Quellen: BBC"The Lancet"

mad