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Kämpfe: Explosion in Geschäftsstraße - Mindestens 15 Tote

Bei einer Explosion in einer belebten Geschäftsstraße in Nordosten von Bagdad sind am Mittwochmittag nach Augenzeugenberichten mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen.

Bei einem Raketenangriff auf Bagdad sind am Mittwoch nach irakischen Angaben 15 Menschen getötet und 30 verletzt worden. Zwei Marschflugkörper seien gegen Mittag im dicht besiedelten nördlichen Stadtteil El Schaab eingeschlagen, teilte das Verteidigungsministerium in Bagdad mit. Dort gibt es zahlreiche Wohnhäuser und Geschäfte. Mehrere Geschäfte und Autos brannten aus oder wurden vollständig zerstört. Es handelt sich um die bislang größte Tragödie mit zivilen Opfern in Bagdad seit Beginn des Krieges vor einer Woche. Der Ort des Angriffs wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt. Das US-Zentralkommando Mitte erklärte, der Bericht werde geprüft.

Der Leiter der Zivilverteidigung in der Gegend, Oberstleutnant Hamad Abdullah, sagte, 17 Autos seien bei dem Angriff zerstört worden. Filmaufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigten einen großen Krater in der Mitte einer Straße und Zerstörungen an einem Gebäude. Mehrere in Plastikplanen eingehüllte Körper lagen auf einem Lastwagen. Wegen geborstener Rohre standen die Straßen in der Gegend unter Wasser. Straßenlampen und Bäume stürzten um.

Um den Ort der Explosionen standen ausgebrannte Autowracks, Fahrzeugteile lagen weit verstreut. Männer trugen die Leichen getöteter Iraker weg. Anwohnern stand noch nach Stunden die Angst ins Gesicht geschrieben. Andere hielten Schuhe oder Kleidungsstücke von Getöteten in die Höhe und skandierten: "Lang lebe Saddam Hussein." Jugendliche machten mit zwei Fingern das V-Siegeszeichen und skandierten "Allahu akbar" (Gott ist groß). Andere riefen: "Unser Blut opfern wir Dir, Saddam."

US-Regierungskreise räumen möglichen Fehler ein

"Ist es möglich, dass eine verirrte Rakete oder etwas wie eine 'Tomahawk' oder etwas Ähnliches von ihrem Ziel abkommt? Ja", verlautete aus den Verteidigungskreisen. "Tomahawks" sind über Satelliten gesteuerte Marschflugkörper. Zugleich hieß es in den Kreisen, eine Überprüfung des Militärs habe ergeben, dass keine Waffen in der Nähe des Wohngebiets abgeworfen worden seien, in dem sich die Explosionen am Mittag ereignet hatten.

"Wir wissen nicht genau, ob es die USA oder Iraker waren (,die die Zivilisten getötet haben). (...) Wir werden weiterhin untersuchen, ob wir etwas übersehen haben", sagte ein Sprecher des US-Militärs in Washington. Eine mögliche Erklärung sei jedoch, dass irakische Luftabwehrgranaten oder -raketen ihr Ziel verfehlt hätten und auf dem Marktplatz eingeschlagen seien, sagte er.

USA bombardieren Elitetruppen und Staatssender

Die USA haben am Mittwoch ihre massiven Bombardements auf die irakischen Eliteeinheiten um Bagdad fortgesetzt und mit Luftangriffen auf das staatliche Fernsehen versucht, ein entscheidendes Kontrollinstrument von Präsident Saddam Hussein auszuschalten. Drei Stunden nach dem Beschuss mit Lenkwaffen nahm der Sender seinen Betrieb aber wieder auf.

Angriff auf Fernsehsender

"Kurz vor Tagesanbruch haben die Verbündeten den irakischen Haupt-Fernsehsender sowie einen Schlüssel-Telekommunikationsraum und Bagdads Mobilfunknetz getroffen, wobei die Kommando- und Kontrollfähigkeiten des Regimes beeinträchtigt wurden", verlautete aus US-Regierungskreisen. Bei den Angriffen seien Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und weitere Präzisionswaffen eingesetzt worden. Der ins Visier genommene Fernsehsender strahlte am Vormittag aber wieder Verse aus dem Koran aus. Das Fernsehen sendet nicht rund um die Uhr und war während der Angriffe in der Nacht nicht auf Sendung. Die irakische Führung nutzt das Massenmedium unter anderem, um das Volk gegen die Invasionsarmee der USA und ihrer Verbündeten zu mobilisieren.

Explosionen in der Hauptstadt

Reuters-Korrespondent Nadim Ladki berichtete, es seien am Morgen drei Stunden lang Explosionen in der Hauptstadt zu hören gewesen. "Sie haben das Gebiet wirklich unter Beschuss", fügte er hinzu. Aus den südlichen Außenbezirken der Stadt, wo Teile der irakischen Elitetruppe Republikanische Garden zur Verteidigung Bagdads zusammengezogen wurden, waren rund 40 größere Explosionen zu vernehmen. Wenige Stunden später berichtete seine Kollegin Samia Nakhoul von einer neuen Angriffswelle auf Stellungen im Süden der Hauptstadt. Wegen eines Sandsturms war die Sicht in der Stadt sehr stark eingeschränkt. Durch die Wucht des Sturms wurden Bäume am Tigris entwurzelt.

US-Langstreckenbomber vom Typ B-52

Am Morgen starteten vom englischen Luftwaffenstützpunkt Fairford aus erneut US-Langstreckenbomber vom Typ B-52. Die Bomber können bis zu 20 Marschflugkörper transportieren und sind bereits mehrfach seit Kriegsausbruch bei massiven Luftangriffen auf die irakische Hauptstadt eingesetzt worden.

Widerstand bei Nassirija

Bei ihrem Marsch auf Bagdad wurden US-Bodentruppen nördlich von Nassirija in Südirak erneut durch irakischen Widerstand aufgehalten. Der Vormarsch sei rund 40 Kilometer nördlich der Stadt gestoppt worden, berichtete Reuters-Korrespondent Sean Maguire, der die Truppen begleitet. Ein zweiter Stoßkeil der US-geführten Soldaten hatte sich am Dienstag rund 160 Kilometer südlich Bagdads schwere Gefechte mit irakischen Truppen geliefert. Wie der britische Verteidigungsministers Geoff Hoon sagt, steht ein Teil der Streitkräfte weiter rund 100 Kilometer vor Bagdad.

Irakische Verbände zerstörten nach Angaben des Staatsfernsehens bei Gegenangriffen auf amerikanisch-britische Truppen mehr als 20 Panzer und gepanzerte Transporter. Die paramilitärische Truppe "Fedajin Saddam", Eliteeinheiten der Republikanischen Garden und Armeesoldaten hätten die Invasionstruppen bei Kerbela und Nadschaf attackiert und feindliche Soldaten getötet. Nach US-Angaben waren dort bei schweren Gefechten am Dienstag bis zu 200 Iraker getötet worden.

Unklarheit über die Lage in Basra

"Die Straßen von Basra sind sehr ruhig, und es gibt keine Anzeichen von Gewalt oder Unruhen", meldete unterdessen ein Korrespondent des in Katar ansässigen Senders El Dschasira aus der von Invasionstruppen umstellten Hafenstadt im Süden Iraks. Das britische Militär hatte auf der Basis von Medienberichten einen Aufstand in Basra nicht ausgeschlossen. Der britische Premierminister Blair sprach inzwischen von einem "Aufstand in begrenzter Form". Dagegen berichtete der Sender El Dschasira, der ein Team in der Stadt hat, es gebe keine Anzeichen einer Rebellion. Auch der irakische Informationsminister El Sahhaf dementierte die Aufstandsmeldungen.In der zweitgrößten Stadt Iraks leben vornehmlich Schiiten, die sich nach dem Golfkrieg 1991 gegen die sunnitisch dominierte Regierung des Präsidenten Saddam Hussein aufgelehnt hatten. Da Unterstützung der USA und ihrer Verbündeten für die Aufständischen ausblieb, wurde die Revolte niedergeschlagen.