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Freund spricht über Rettungsversuch Opferte sich IS-Geisel Kayla Mueller aus Liebe?


Nothelferin Kayla Mueller starb in Gefangenschaft der IS. Ihr Freund hat nun erstmals erzählt, wie er versuchte, sie zu befreien. Doch die Amerikanerin wollte ihn lieber schützen.

Sie ging ins Krisengebiet, um anderen Menschen zu helfen. In Syrien geriet die Nothelferin Kayla Mueller dabei in die Fänge der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS). Dort wurde die Amerikanerin anderthalb Jahre festgehalten, bis sie vor einigen Wochen bei einem Angriff eines jordanischen Kampfflugzeuges ums Leben gekommen ist. Das berichtet zumindest der IS.

Nun hat sich ihr Lebensgefährte Omar Alkhani bei der amerikanischen Nachrichtenagentur AP zu Wort gemeldet und erzählt, wie er versuchte, die 26-Jährige zu befreien. Er sei sogar in ihre Zelle vorgedrungen, doch sie wollte ihn lieber schützen, als sich helfen zu lassen.

"Vergiss die Amerikanerin"

Mueller und Alkhani waren im August 2013 gemeinsam aus der Türkei in ein Krankenhaus der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" im syrischen Aleppo gereist. Alkhani sollte dort eine Internet-Leitung reparieren. Einen Tag später wollte das Paar wieder zurück in die Türkei reisen. Doch sie wurden in einem Taxi gestoppt und von IS-Anhängern gefangengenommen.

Mueller und Alkhani sind in getrennte Zellen gesteckt worden. Der gebürtige Syrer wurde 20 Tage lang gefoltert, dann aber von der Dschihadistengruppe wieder freigelassen. "Vergiss die Amerikanerin und deine Kamera", sagten sie, wie Alkhani der amerikanischen Nachrichtenagentur AP berichtete. Alkhani wusste, dass der IS Mueller wegen ihrer Nationalität nicht freilassen würden. Er verließ das Land und informierte Muellers Eltern.

Doch der Syrer entschied sich nach einiger Zeit gegen den Rat seiner Freunde um und kehrte nach Aleppo zurück, um Mueller zu befreien. "Ich schaffte es bis in ihre Zelle", sagte er der amerikanischen Nachrichtenagentur AP. "Die Wärter nahmen ihr für ein paar Sekunden die Kapuze ab, damit ich sie erkennen konnte."

Alkhani überlegte sich eine Lüge

Um Mueller zu retten, hat Alkhani die IS-Entführer sogar angelogen und erzählt, er sei mit ihr verheiratet. "Ich bat sie, sie freizulassen. Ich hoffte, dass sie nachgeben würden, wenn sie glaubten, dass wir verheiratet seien." Doch die IS-Anhänger hegten Zweifel und fragten Mueller nach der Wahrheit. "Sie sagten ihr, dass mir nichts geschehen würde, wenn sie die Wahrheit sagen würde. Und so tat sie es. Ich nehme an, sie wollte mich schützen. Das war typisch für sie", sagte Alkhani weiter.

Der Syrer wurde erneut freigelassen und reiste zurück in die Türkei. Von dort aus blieb er mit Muellers Familie in Arizona in ständigem Kontakt. Sie sprachen sich gegenseitig Mut zu, dass die IS Mueller irgendwann freilassen wird. Doch es kam bekanntlich anders.

tob

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