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Getötete IS-Geisel Kayla Mueller Zu Hause kannten nur wenige den Grund für ihr Verschwinden


Der Tod der IS-Geisel Kayla Mueller kam für Freunde und Nachbarn völlig überraschend. Gemeinsam trauern sie mit zahlreichen Menschen in ihrer Heimatstadt.

Nach dem Tod der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entführten US-Geisel Kayla Mueller ist die Bestürzung in ihrer Heimatstadt Prescott in Arizona groß. Enge Freunde und Nachbarn waren davon ausgegangen, dass die junge Amerikanerin wegen eines Studiums oder neuen Jobs aus der Stadt verschwunden war. Dass sie sich seit August 2013 in den Fängen der IS befand, wusste kaum einer.

Nach IS-Darstellung starb Mueller bei einem Angriff jordanischer Kampfflugzeuge auf Ziele im nordsyrischen Al-Rakka. Die Stadt ist eine Hochburg der Extremistenmiliz.

"Unsere Herzen brechen wegen unserer einzigen Tochter, aber wir werden in Frieden, Würde und Liebe für sie weiterleben", ließen Muellers Eltern in einem Statement mitteilen. Sie veröffentlichten auch einen handschriftlichen Brief, den ihre Tochter offenbar im Frühjahr vergangenen Jahres während ihrer Gefangenschaft verfasst haben soll.

"Werden Terroristen zur Rechenschaft ziehen"

Präsident Barack Obama sprach Muellers Familie sein Beileid aus, nannte aber keine Details der Todesumstände. "Egal wie lang es dauert, die Vereinigten Staaten werden die Terroristen finden und zur Rechenschaft ziehen, die für Kaylas Entführung und Tod verantwortlich sind", teilte Obama mit.

In ihrer Heimatstadt Prescott galt Mueller als hingebungsvolle Humanistin, die ihr gesamtes junges Leben dafür aufgeopfert hat, bedürftigen Menschen zu helfen. Zahlreiche Menschen strömten in die Innenstadt, um gemeinsam zu trauern. Vor einer Traube von TV-Teams sprach Kathleen Day von der Northern Arizona University, bei der Mueller studiert hatte, in einer emotionalen Rede über die beliebte 26-Jährige. "Sie ist gewöhnliche Dinge mit außergewöhnlichem Maß angegangen", sagte sie nach Angaben des "Guardian".

Muellers Tante, Lori Lyon, versagte die Stimme, als sie davon sprach, dass sich viele Menschen nicht vorstellen können, was Mueller in ihren jungen Jahren schon alles getan hat. "Sie wusste schon früh, was sie tat und dass es ihre Berufung ist. Kayla berührt das Herz der Welt", sagte sie unter Tränen, wie der "Guardian" weiter berichtet.

Mueller hatte bemerkenswerte Fähigkeit

Mueller habe eine bemerkenswerte Fähigkeit mit Menschen umzugehen, sagte Eryn Street, ein Freund von ihr. "Kayla hatte ein so großes Einfühlungsvermögen. Es ist schwer, dass in dieser Welt zu finden. Es ist wirklich selten."

"Die Welt ist vereint darin, die anhaltenden Morde und Inhaftierung Unschuldiger durch den IS zu verurteilen", teilte Verteidigungsminister Chuck Hagel mit. Außenminister John Kerry lobte Muellers Idealismus und drohte den Extremisten: "Wie bei unseren Freunden in Jordanien ist unsere Entschlossenheit unumstößlich, diese niederträchtige und unsäglich hässliche Beleidigung gegen die zivilisierte Welt zu besiegen."

Auch die EU äußerte sich bestürzt über den Tod Muellers. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Angelegenheiten, Christos Stylianides, lobten in einer am Dienstagabend in Brüssel veröffentlichten Mitteilung Kayla Muellers "humanitären Geist, ihren Einsatz und ihre Selbstaufopferung".

Obama verteidigt Verweigerung von Lösegeldzahlungen

Obama hat unterdessen die Entscheidung Washingtons verteidigt, grundsätzlich kein Lösegeld an Extremistengruppen zu zahlen. "Sobald wird dies täten, würden wir nicht nur das Abschlachten unschuldiger Menschen finanzieren und ihre Organisation stärken, sondern US-Bürger zu noch größeren Zielen für künftige Geiselnahmen machen", sagte Obama der Internetplattform BuzzFeed.

Anders als mehrere europäische Regierungen zahlen die USA niemals Lösegeld. In jüngster Zeit waren mehrere europäische Geiseln freigekommen, nachdem finanzielle Forderungen der Kidnapper offenbar erfüllt worden waren. Obama sagte, die USA hätten auf anderem Wege versucht, Mueller und andere IS-Gefangene zu befreien, unter anderem mit einem Spezialkommando in Syrien. "Ich habe unter enormem Risiko eine Operation eingesetzt, um sie und andere Geiseln zu befreien", sagte Obama. "Vermutlich verpassten wir sie um ein oder zwei Tage."

tob/DPA/AFP DPA

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