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Kein Besuch im Yasukuni-Schrein Bruch mit Tradition ist Schritt zur Versöhnung


Der Besuch japanischer Minister im Yasukuni-Schrein war seit eh und jeh ein Politikum im asiatischen Raum. Mit ihrem Nichterscheinen in der Gedenkstätte hat die Regierung Kan am Sonntag mehr für den Dialog mit China und Südkorea getan, als es tausende Worte vermocht hätten.

65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hat die japanische Regierung mit einer umstrittenen Tradition gebrochen: Am Jahrestag der japanischen Kapitulation besuchte am Sonntag erstmals kein Minister den Yasukuni-Schrein in Tokio, in dem auch als Kriegsverbrecher verurteilte Soldaten geehrt werden. Stattdessen entschuldigte sich Ministerpräsident Naoto Kan bei einer Gedenkveranstaltung für die Rolle Japans während des Weltkriegs.

Kan besuchte gemeinsam mit Kaiser Akihito, dessen Vater Hirohito 1945 die Kapitulation ausgerufen hatte, eine Gedenkveranstaltung in Tokio. "Während des Kriegs hat Japan vielen Ländern bedeutenden Schaden und Schmerz zugefügt, besonders den Menschen asiatischer Länder", sagte der Regierungschef in einer Ansprache. "Ich bedaure dies zutiefst und spreche den Opfern und ihren Angehörigen mein aufrichtiges Beileid aus."

Zuvor hatte Kan auf einem staatlichen Friedhof in Tokio zum Gedenken an die hunderttausenden im Ausland getöteten Soldaten des Landes einen Kranz niedergelegt. Anders als die Vorgängerregierungen besuchten aber weder er noch seine Kabinettsmitglieder den umstrittenen Yasukuni-Schrein. Dieser Schritt wurde jedoch nicht überparteilich getragen: Dutzende Parlamentarier, darunter auch der frühere Regierungschef Shinzo Abe, gedachten dort des Kriegsendes.

Der Yasukuni-Schrein ist ein Denkmal für die etwa 2,5 Millionen getöteten Japaner. Allerdings werden dort auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Offiziellen Angaben zufolge begannen die Besuche von Regierungsmitgliedern an dem Schrein spätestens im Jahr 1985. Demnach war es am Sonntag das erste Mal seit 25 Jahren, dass kein Kabinettsmitglied dort der Opfer gedachte.

Ministerpräsident Kan unterstrich mit diesem Schritt seine Politik der Öffnung gegenüber den asiatischen Ländern. Erst in der vergangenen Woche hatte er sich beim koreanischen Volk für die Kolonialherrschaft entschuldigt, die 1910 begann und mit der Kapitulation Japans 1945 endete.

Die früheren Besuche von Ministern an dem Yasukuni-Schrein hatten regelmäßig heftige Kritik vor allem aus Peking hervorgerufen. China wirft Japan vor, mit dem Denkmal die japanische Aggressionspolitik gegen Peking während des Zweiten Weltkriegs zu glorifizieren. Weil der frühere japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi den Schrein regelmäßig besuchte, verweigerte Peking zwischen 2001 und 2006 jeden diplomatischen Kontakt auf hoher Ebene mit Tokio.

Am Samstag besuchten mehrere rechtsextreme europäische Politiker um den französischen Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen den Schrein. Le Pen wurde dabei von dem Vizechef der britischen Rechtspartei British National Party (BNP), Adam Walker, sowie Gesinnungsgenossen aus Österreich, Belgien, Spanien, Ungarn Portugal und Rumänien begleitet. Die europäischen Rechtsextremen hielten sich auf Einladung der nationalistischen japanischen Bewegung Issuikai in Japan auf, um über die Zukunft nationalistischer Gruppen zu diskutieren.

Le Pen verteidigte den Besuch des Denkmals. Wenn es um Kriegsverbrechen gehe, müssten auch die USA wegen der Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 65 Jahren als Kriegsverbrecher bezeichnet werden, sagte der 82-Jährige.

AFP AFP

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