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Klimagipfel in Paris: Wie die Welt zusammenkommt, um die Erde zu retten

Dieses Jahr war das wärmste aller Zeiten. Schon wieder. Das Klima macht Menschen krank. Dennoch liegen die Positionen in zentralen Punkten zum Auftakt der Klimaverhandlungen in Paris noch weit auseinander.

Der Eiffelturm leuchtet anlässlich des Klimagipfels aktuell waldgrün

Der Eiffelturm leuchtet anlässlich des Klimagipfels aktuell waldgrün

Das Jahr 2015 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Schon wieder. Damit ist 2015 bereits das fünfte Rekordjahr in Folge. Diese erschreckenden Zahlen der Weltorganisation für Meteorologie erscheinen pünktlich zum Weltklimagipfel, bei dem sich ab Montag in Paris mehr als 150 Regierungschefs beraten. 

Die Positionen in zentralen Punkten liegen weit auseinander: Wie ist die weitere Erwärmung der Erde aufzuhalten? Wie lassen sich die Maßnahmen finanzieren? Auf welches Temperaturziel soll man sich einigen? Einige dieser Themen sind so kontrovers, dass sich die Verhandlungen äußerst schwierig gestalten werden. Dennoch zeigt sich die Bundesregierung optimistisch, dass in Paris ein neues, globales Abkommen zum Klimaschutz beschlossen wird. Doch der Schutz des Erdklimas wäre damit noch nicht gewährleistet.

Zur deutschen Delegation gehört auch Professor Schellnhuber, der seit 20 Jahren Bundeskanzlerin Angela Merkel berät. Er gilt als Erfinder der Zwei-Grad-Grenze. Paris sollte beschließen, dass die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzt wird. Mit den bisherigen Zusagen der Staaten zur Senkung der Treibhausgasemissionen lässt sich das aber kaum erreichen.

Die wichtige zwei-Grad-Grenze

Selbst wenn die Länder ihre Treibhausgasemissionen so stark reduzieren, wie in ihren nationalen Klimazielen angekündigt, würde die Erdtemperatur nach UN-Angaben um etwa 2,7 Grad steigen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen geht sogar von einem Anstieg von 3 bis 3,5 Grad Celsius aus.

Viele besonders verwundbare Staaten wie kleine Inseln wollen jedoch höchstens plus 1,5 Grad akzeptieren. Schließlich steigt der Meeresspiegel immer weiter an und droht, Land zu verschlucken. Verhandelt wird daher über einen Revisionsmechanismus, wonach die Zusagen alle fünf Jahre auf ihre Wirksamkeit überprüft werden müssten. Außerdem debattiert wird über weitere Sofortmaßnahmen bis 2020.

 Bislang stehen manche Emissionswerte nur auf dem Papier, errechnete Daten decken sich nicht immer mit dem tatsächlichen Ausstoß. Das gilt auch für Deutschland, wo gerade erst falsche Abgaswerte bei VW-Fahrzeugen entdeckt wurden. Deutlich größer werden die Abweichungen etwa bei chinesischen Daten eingeschätzt. Um die Angleichung von Messverfahren und die Überprüfbarkeit der Ergebnisse wird noch gerungen.

USA wollen nichts Verbindliches zum Klimaschutz unterschreiben

Auch wie verbindlich das Pariser Abkommen sein soll, ist noch strittig. Eine mögliche Lösung könnte sein, nur die Rahmenvereinbarungen für verbindlich zu erklären, die konkreten Emissionszusagen aber in nationaler Verantwortung zu belassen. Im Hintergrund steht dabei auch die Frage, wie sich eine Pflicht zur Ratifizierung durch den US-Kongress umgehen ließe, denn eine Zustimmung der dort dominierenden Republikaner wäre kaum erreichbar. Sanktionen bei Vertragsverletzungen wird es jedenfalls nicht geben. US-Außenminister John Kerry sagte der "Financial Times", die USA würden keine "rechtlich bindenden Klimaziele" unterschreiben.

Im Gastgeberland Frankreich sorgte das Interview für Ärger, dort gilt die klare Linie: Das Abkommen muss verbindlich sein. Präsident François Hollande wirbt vor der Konferenz eindringlich für eine Einigung. Bei der Konferenz gehe es um nichts weniger als das "Schicksal der Menschheit", sagt Hollande der Tageszeitung "20 minutes".

Klar ist: Der Mensch muss weniger CO2 in die Atmosphäre pusten. Doch soll die Weltwirtschaft nun bis Ende des Jahrhunderts ohne CO2-Emissionen auskommen, wie zum Beispiel von den reichen G7-Ländern gefordert? Oder soll der Ausstoß einfach sobald wie möglich den Scheitelpunkt erreichen und dann sinken? Strittig ist zum Beispiel auch, ob das Auffangen und unterirdische Einlagern von CO2 eingerechnet werden darf.

Verdrängung der Gefahr

Der Klimaforscher Schellnhuber warnt vor katastrophalen Folgen der Erderwärmung. "Der Klimawandel ist wie ein Asteroideneinschlag in Super-Zeitlupe. Und deshalb ist er eine riesige psychologische Herausforderung: Wir verdrängen ihn wegen seiner Langsamkeit", sagte der Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der "Bild am Sonntag". "Die Art, wie wir wirtschaften, wie wir Wohlstand erzeugen, muss sich grundlegend verändern. Die Frage ist nur, ob die Bereitschaft dazu schnell genug entsteht."

Im Jahr 2013 habe es auf den Philippinen den stärksten Wirbelsturm der östlichen Hemisphäre gegeben, vor ein paar Wochen mit "Patricia" in Amerika den stärksten jemals gemessenen der westlichen Hemisphäre. "In Deutschland gab es im November Temperaturen bis zu 18 Grad. Das kann kein Zufall sein."  

Schellnhuber warnt unter anderem vor steigenden Flüchtlingszahlen: "Wenn wir weiter ungehemmt Kohle, Öl, Gas verfeuern und damit Treibhausgase ausstoßen, droht etwa die Entstehung unbewohnbarer Regionen mit 60 Grad und mehr." Jeder könne das Klima schützen etwa mit der Wahl des Autos oder geringerem Fleischkonsum. "Sonntagsbraten statt täglich Schnitzel, das schützt die Umwelt und ist gesund. Der Konsument ist mächtig."

Der Klimawandel macht uns krank

Experten und Mediziner sind sich einig: Die Erderwärmung macht krank. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation könnte sie von 2030 bis 2050 fast einer Viertelmillion Menschen den Tod bringen: 38.000 älteren Menschen, die Hitze ausgesetzt sind; 48.000 Menschen durch Diarrhö-Epidemien; 60.000 durch Malaria und 95.000 Kindern durch Unterernährung.

Dabei sind die Gründe nicht immer direkt: Die Klimaerwärmung führt nicht unmittelbar zu einer Cholera-Epidemie, aber sie schafft Bedingungen, die zur Ausbreitung tödlicher Seuchen führen können. "Es ist schwierig, den exakten Anteil zu messen, der auf höhere Temperaturen zurückzuführen ist", sagt Robert Barouki vom französischen Institut Inserm. Zu den direkten Folgen gehören etwa Todesfälle durch Herz-Kreislauf- oder Atemwegskrankheiten bei Hitzewellen. Die Hitzewelle im Sommer 2003 in Europa kostete 70.000 Menschen das Leben. Starke Sonnenstrahlung kann Hautkrebs verursachen. Und der Klimawandel führt zu häufigeren Naturkatastrophen mit Todesopfern.

jen / AFP / DPA