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Klimaschutz: "So kommen wir nicht voran"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) attackiert die CDU: Deren Agieren beim Klimaschutz stelle die Glaubwürdigkeit der gesamten Regierung infrage. Als Hauptschuldigen hat Gabriel Wirtschaftsminister Glos ausgemacht.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Union in der Debatte über den Klimaschutz gemahnt, den Bekenntnissen auch Taten folgen zu lassen. "So lange die deutsche Bundeskanzlerin (Angela Merkel, CDU) mutig Klimaschutz betreibt, aber ihr eigener CSU-Wirtschaftsminister (Michael Glos) versucht, jedes Instrument und jede Maßnahme kaputtzumachen, so lange kommen wir nicht voran", sagte Gabriel der "Financial Times Deutschland". "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit unseres gemeinsamen Regierungshandelns." CDU und CSU dürften der konkreten Umsetzung der beschlossenen Klimaziele nicht im Wege zu stehen.

Bei der Aushandlung des Klimaschutzvertrages für die Jahre nach 2012 erwartet Gabriel nicht, dass große Entwicklungsländer wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika bereits Reduktionsverpflichtungen für ihren Treibhausgasausstoß übernehmen werden. Vielmehr gehe es um die Frage, wie Wachstum und der Ausstoß von CO2 entkoppelt werden könnten. "Wir müssen zeigen, dass das möglich ist."

Dimas fordert Bürger zum Handeln auf

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas forderte andere Staaten und Weltregionen in der "Berliner Zeitung" auf, bald ihre Vorstellungen vom langfristigen Klimaschutz zu konkretisieren. "Sie müssen nun rasch ihre Karten auf den Tisch legen", verlangte er in Anspielung auf die USA, Japan, China und Australien. Die Verhandlungen über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll sollten noch 2007 beginnen. "Der G8-Gipfel im Juni, den Kanzlerin Merkel leitet, könnte für Fortschritte dahin entscheidend sein."

Von den europäischen Bürgern verlangte Dimas mehr Unterstützung beim Klimaschutz. Jeder Einzelne trage zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. "Wenn wir Energiesparlampen verwenden oder den Bereitschaftsmodus beim Fernseher ausschalten, können wir nicht nur den Schadstoffausstoß senken, sondern zudem Geld sparen."

Der EU-Gipfel in Brüssel hatte in der vergangenen Woche unter Merkels Leitung beschlossen, bis 2020 den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um ein Fünftel zu senken. Der Anteil von Öko-Energien soll bis 2020 auf 20 Prozent steigen und damit praktisch verdreifacht werden.

EnBW setzt auf Ökostrom aus Nordafrika

Nach Ansicht des Vorstandschefs des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, könnte Ökostrom aus Nordafrika den Durchbruch zu einer klimafreundlichen Stromversorgung in Europa bringen. In der "Frankfurter Rundschau" kündigte er an, die Entwicklung der notwendigen Technik unterstützen zu wollen. Claassen sprach sich für eine "globale solare Energiewirtschaft" aus. Das Ziel müsse sein, "Solarenergie in der Sahara oder in der Kalahari zu gewinnen und in Stuttgart, Berlin, Tokio oder New York zu verbrauchen".

Claassen unterstützt damit als erster Chef eines großen deutschen Energiekonzerns offensiv das von Wissenschaftlern entwickelte Projekt eines Ökostrom-Verbundes zwischen Nordafrika und Europa. Es sieht vor, dass Hochspannungsleitungen Solar- und Windstrom aus Ländern wie Marokko, Ägypten oder Saudi-Arabien in die europäischen Netze liefern, wo er den Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken Zug um Zug ersetzen könnte.

DPA / DPA