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Komorowski kontra Kaczynski: Stichwahl in Polen läuft

Die erste Runde brachte keine Entscheidung, nun geht's in die Stichwahl: Rund 30 Millionen Polen sind aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu bestimmen: Sie haben die Wahl zwischen Jaroslaw Kaczynski, Zwillingsbruder des tödlich verunglückten Lech, und Parlamentschef Bronislaw Komorowski. Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

In Polen hat am Sonntag die Stichwahl für das Präsidentenamt begonnen. Knapp drei Monate nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von Präsident Lech Kaczynski sind rund 30 Millionen Polen dazu aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu bestimmen. Sie haben die Wahl zwischen Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski und dem Zwillingsbruder des ums Leben gekommenen Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski.

In Umfragen lagen beide zuletzt dicht beieinander - mit einem knappen Vorsprung für Komorowski. Die Wahllokale öffneten am frühen Morgen um 6 Uhr (MESZ) und sollen gegen 20 Uhr schließen. Kurz danach werden erste Nachwahlbefragungen erwartet.

Die Stichwahl war nötig geworden, weil keiner der Bewerber beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen die absolute Mehrheit der Stimmen bekommen hatte. Komorowski war damals auf 41,5 Prozent gekommen, Kaczynski auf 36,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in der ersten Runde bei 54 Prozent.

Deutschlandskeptiker kontra Deutschlandfreund

Der national-konservative Oppositionsführer Kaczynski, 61, strebt einen starken Staat, mehr sozialen Schutz für ärmere Menschen sowie einen Platz für Polen unter den G20-Staaten an. Komorowski, 58, wurde von der liberal-konservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk aufgestellt. In der Außenpolitik setzt Komorowski auf die EU, er gilt - im Gegensatz zu seinem Herausforderer - als deutschfreundlich. Seit dem Tod von Lech Kaczynski führt er kommissarisch die Geschäfte des Staatsoberhauptes.

Der polnische Präsident hat nicht nur repräsentative Aufgaben: Er hat ein Vetorecht gegen Gesetze sowie Mitspracherechte in der Außen- und Sicherheitspolitik. Lech Kaczynski hatte davon kräftig Gebrauch gemacht und unter anderem eine Renten-, Gesundheits- und Medienreform blockiert.

Der neue Präsident wird einem wirtschaftlich angeschlagenen Land vorstehen. Die Finanzmärkte würden nach Einschätzung von Volkswirten und Politikwissenschaftlern einen Sieg Komorowskis begrüßen, weil er wohl eng mit Ministerpräsident Donald Tusk zusammenarbeiten würde. Tusk gilt als unternehmerfreundlich und befürwortet den Euro.

joe/Reuters/DPA / DPA / Reuters