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Polen wählen Präsidenten: Kaczynski und Komorowski ringen um das höchste Amt

Die Polen bestimmen am Sonntag in einer Stichwahl ihren künftigen Präsidenten. Der nationalkonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski tritt gegen Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski von der rechtsliberalen Regierungspartei PO an.

In Polen hat am Sonntag die Stichwahl für das Präsidentenamt begonnen. Knapp drei Monate nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von Präsident Lech Kaczynski sind rund 30 Millionen Polen dazu aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu bestimmen. Sie haben die Wahl zwischen Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski von der regierenden liberal-konservativen Bürgerplattform und dem Zwillingsbruder des ums Leben gekommenen Präsidenten, dem rechts-nationalem Kandidaten Jaroslaw Kaczynski. In Umfragen lagen beide zuletzt dicht beieinander - mit einem knappen Vorsprung für Komorowski. Die Wahllokale öffneten am frühen Sonntagmorgen um 06.00 Uhr (MESZ) und sollten gegen 20.00 Uhr schließen. Kurz danach wurden erste Nachwahlbefragungen erwartet.

Die Stichwahl war nötig geworden, weil keiner der Bewerber beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen die absolute Mehrheit der Stimmen bekommen hatte. Komorowski war damals auf 41,5 Prozent gekommen, Kaczynski auf 36,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in der ersten Runde bei 54 Prozent.

Der polnische Präsident hat nicht nur repräsentative Aufgaben: Er hat ein Vetorecht gegen Gesetze sowie Mitspracherechte in der Außen- und Sicherheitspolitik. Lech Kaczynski hatte davon kräftig Gebrauch gemacht und unter anderem eine Renten-, Gesundheits- und Medienreform blockiert.

Der neue Präsident wird einem wirtschaftlich angeschlagenem Land vorstehen. Die Finanzmärkte würden nach Einschätzung von Volkswirten und Politikwissenschaftlern einen Sieg Komorowskis begrüßen, weil er wohl eng mit Ministerpräsident Donald Tusk zusammenarbeiten würde. Tusk gilt als unternehmerfreundlich und befürwortet den Euro.

Reuters/APN / Reuters