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Krise in Griechenland: Die Nacht der Gewalt

In Athen hat sich der Protest in blutigen Krawallen entladen. Steine und Molotowcocktails flogen, hunderte Menschen wurden verletzt. Das Parlament stimmt derweil über weitere Spargesetze ab.

Nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket der Regierung sind die gewalttätigen Proteste in Athen eskaliert. Rund um den Syntagmaplatz im Stadtzentrum der griechischen Hauptstadt lieferten sich hunderte größtenteils vermummte Randalierer bis in den frühen Morgen Straßenschlachten mit der Polizei. Sie schleuderten Steine und andere Wurfgeschosse auf die Beamten und warfen Molotowcocktails auf Bankfilialen und die Post. Die Polizei setzte weiter massiv Tränengas ein.

Rund 150 Verletzte wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Krankenhaus behandelt, darunter auch 31 Polizisten. Die Zeitung "Kathimerini" sprach auf ihrer Website dagegen von mindestens 500 Verletzten. Laut Rundfunkangaben wurden mehr als 40 gewalttätige Randalierer festgenommen.

Syntagmaplatz gleicht einem Schlachtfeld

Hunderte Demonstranten flüchteten sich in die U-Bahnstation, wurden von der Polizei aber wieder auf den Platz zurückgetrieben. Der Platz selbst glich einem Schlachtfeld, mit rauchenden Mülleimern, zu Barrikaden angehäuften Bürostühlen und eingeschmissenen Schaufensterscheiben.

Reegelrecht in letzter Minute konnte die Feuerwehr sieben Menschen aus einem brennenden Gebäude retten und das Feuer löschen, wie das griechische Fernsehen berichtete.

Abstimmung, zweiter Teil

Vor dem Hintergrund der blutigen Krawalle am Syntagma-Platz tritt das griechische Parlament am heutigen Donnerstag zu den Abstimmungen über diverse Einzelgesetze ab, die zur Umsetzung des 28 Milliarden Euro schweren Sparpakets nötig sind. Finanzminister Evangelos Venizelos geht davon aus, dass eine Mehrheit zustande kommt. Diese ist wie bereits wie bei dem Votum am Mittwoch über die Sparpläne Voraussetzung für weitere Milliarden-Hilfen von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Mit den Abstimmungen wird am Nachmittag gerechnet. Allerdings ist unklar, wie lange die Debatten dauern werden. Die einzelnen Gesetze, über die votiert wird, beinhalten unter anderen die Schaffung einer Privatisierungsbehörde, Einstellungsbeschränkungen im öffentlichen Dienst und Regulierung des Arbeitsmarkts. Bei den einzelnen Punkten könnte die Abstimmung knapp ausgehen. Vor allem beim Thema Steuern geht die Opposition auf Konfrontationskurs zur Regierung.

kng/Reuters/DPA / DPA / Reuters