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Letzte TV-Debatte: Gordon Brown kann bei den Wählern nicht punkten

Eine Woche vor den britischen Parlamentswahlen hat der Chef der oppositionellen Konservativen die letzte TV-Debatte zur Festigung seines Vorsprungs genutzt. In fünf Blitzumfragen nach dem Auftritt am Donnerstagabend lag David Cameron durchschnittlich über zehn Prozent vor dem britischen Premier Gordon Brown, dem Chef der Labour-Partei.

Eine Woche vor den britischen Parlamentswahlen hat der Chef der oppositionellen Konservativen die letzte TV-Debatte zur Festigung seines Vorsprungs genutzt. In fünf Blitzumfragen nach dem Auftritt am Donnerstagabend lag David Cameron durchschnittlich über zehn Prozent vor dem britischen Premier Gordon Brown, dem Chef der Labour-Partei. Besser als Brown schnitt demnach auch der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Nick Clegg, ab.

Beobachter hatten eigentlich erwartet, dass sich Brown bei der letzten von drei TV-Debatten besonders profilieren werde. Thema der von der BBC live aus Birmingham übertragenen Sendung war die Wirtschaftspolitik, bei der sich Brown gegenüber seinen jungen Herausforderern im Vorteil sah. Allerdings landete er nur bei einer der fünf Blitzumfragen nicht auf dem letzten Platz. Durchschnittlich kam Cameron auf 37 Prozent, Clegg auf 32 Prozent und Brown auf 25,6 Prozent.

Gleich zu Beginn der Debatte forderte Brown die Wähler auf, ihn nach seinen Leistungen in der Wirtschaftspolitik zu beurteilen. "Dieser Job stellt hohe Ansprüche und Sie haben gestern gesehen, dass ich sie nicht alle erfülle", sagte der 59-Jährige in Anspielung auf seinen Patzer vom Mittwoch, wo er eine Labour-Wählerin als "verbohrt" bezeichnet hatte. "Aber ich weiß, wie die Wirtschaft geführt werden muss, in guten und in schlechten Zeiten". Er habe nach dem Zusammenbruch der Banken sofort gehandelt. "Als Resultat daraus ist dieses Land nun auf dem Weg der Erholung."

Seinem Rivalen Cameron warf Brown vor, mit drastischen Sparplänen zur Bekämpfung des Rekorddefizits die Erholung des Landes aufs Spiel zu setzen. Großbritannien wurde besonders schwer von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen und machte die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg durch. Brown war unter seinem Vorgänger Tony Blair zehn Jahre lang Finanzminister. Cameron warf Brown seinerseits vor, die britische Wirtschaft zu abhängig von dem Finanzsektor gemacht zu haben. Der 43-jährige Vorsitzende der Konservativen versprach, er werde nicht zulassen, dass die Banken noch einmal so "unverantwortlich" handeln könnten.

Der Chef der Liberaldemokraten, Clegg, konnte bei der dritten TV-Debatte nicht so deutlich glänzen wie zuvor. In den ersten beiden Runden zur Innen- und zur Außenpolitik an den vorvergangenen Donnerstagen war der 43-Jährige als der Überraschungssieger gewertet worden. In einigen Umfragen steht seine Mitte-links-Partei auf Platz zwei vor Browns Labour. Die Konservativen liegen vorne, können sich aber einer absoluten Mehrheit im Londoner Unterhaus nicht sicher sein. Die Parlamentswahl findet am kommenden Donnerstag statt.

Brown hatte sich beim Wahlkampf am Mittwoch einen Patzer geleistet. Nach der Begegnung mit einer Witwe im nordwestenglischen Rochdale ereiferte er sich über deren Äußerungen zu Einwanderungsfragen. Seine Äußerung, die Frau sei "verbohrt" gewesen, wurde von einem noch nicht abgeschalteten Mikrofon übertragen und landesweit gesendet. Brown entschuldigte sich öffentlich und dann auch persönlich bei einem Besuch bei der 66-Jährigen zuhause.

AFP / AFP