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Libanon-Krieg: Sidon ist das nächste Ziel

Das israelische Militär hat die Einwohner aufgerufen, Sidon zu verlassen - der "übliche" Auftakt für Bombardements. Unterdessen protestierten in London Tausende gegen Krieg, der nun schon mehr als 800 Todesopfer gekostet hat.

Die israelische Luftwaffe hat am Samstag Flugblätter über Sidon abgeworfen und die Bevölkerung aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Man wolle Stellungen der Hisbollah bombardieren, sagte ein Militärsprecher. Sidon ist die drittgrößte Stadt des Libanon, etwa 100.000 Menschen leben dort, Zehntausende sind bereits geflüchtet.

Die laufenden Kämpfe konzententrierten sich am Samstag auf die Hafenstadt Tyrus. Israelische Kampfhubschrauber attackierten Hisbollah-Kämpfer und libanesische Soldaten. Die Hubschrauber sollen auch einen Trupp Spezialisten im Stadtgebiet abgesetzt haben. In der Nacht zum Samstag hatte die Luftwaffe etwa 70 Angeriffsziele im Libanon bombardiert, darunter auch einige Stadtteile von Beirut. Insgesamt hat der Krieg bislang mehr als 800 Todesopfer gefordert.

USA versus Frankreich

Vertreter der USA und Frankreich beraten an diesem Wochenende in New York weiter über mögliche Resolution des UN-Weltsicherheitsrates zum Libanon. Ein Durchbruch ist bislang nicht im Sicht. Beide Seiten wollen einen Waffenstillstand. Die amerikanische Seite beharrt jedoch darauf, dass die Israelis erst dann den Südlibanon räumen müssten, wenn eine UN-Friedenstruppe einrücke. Die französische Regierung hingegen empfiehlt, den Waffenstillstand sofort umzusetzen und zunächst die bereits vor Ort stationierten Unifil-Soldaten als Gebiet kontrollieren sollten. Die Position Frankreichs wird von der Mehrheit der Mitglieder im Sicherheitsrat unterstützt.

Der derzeitige Präsident des Sicherheitsrates, der Ghanaer Nana Effah-Apenteng, sagte, er sei "frustriert und enttäuscht" darüber, dass die Gespräche immer noch nicht abgeschlossen seien. UN-Generalsekretär Kofi Annan ist nach den Worten eines Sprechers "sehr, sehr besorgt darüber, dass es so lange dauert". Jeden Tag kämen in der Kriegsregion wieder Menschen ums Leben: "Wir warten ungeduldig darauf, dass sich der Sicherheitsrat endlich entscheidet", sagte der Sprecher.

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Kindersärge aus Sperrholz

Tausende Demonstranten haben am Samstag in London gegen den Krieg im Libanon protestiert und einen sofortigen Waffenstillstand gefordert. "Die britische Öffentlichkeit ist entsetzt über die Vorgänge im Libanon", sagte Lindsey German von der "Stoppt den Krieg-Koalition". Die Mehrheit sei mit dem Verhalten der britischen Regierung nicht einverstanden. Premierminister Tony Blair hat es bislang abgelehnt, einen sofortigen Waffenstillstand zu fordern.

Einige der Demonstranten trugen Kindersärge aus Sperrholz, um auf die getöteten Kinder aufmerksam zu machen. An einem Mahnmal für Opfer des Ersten Weltkrieges wurden Hunderte von Kinderschuhen niedergelegt. "Viele Menschen hier sind der Ansicht, dass sich Großbritannien und die USA von der Meinung der Weltöffentlichkeit isolieren", sagte Yasmin Ataullah von der "Britisch-Muslimischen Initiative". Unter den Demonstranten war auch eine Gruppe orthodoxer Juden, die gegen das Vorgehen Israels protestierte.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters