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Angst vor Putin: Anleitung zum Partisanenkampf - so rüstet Litauen seine Bürger zum Krieg

Im Baltikum wächst die Angst vor Putin und einer möglichen russischen Invasion. Litauen hält die Gefahr für so real, dass die Bürger auf einen Partisanenkrieg vorbereitet werden. 

Soldaten aus Litauen, Lettland und Estland nehmen an einer Militärübung teil

Soldaten aus Litauen, Lettland und Estland nehmen an einer Militärübung teil. Im Baltikum fürchtet man zunehmend eine russische Invasion.

Litauen und Russland verbindet eine lange und blutige Geschichte. 1795 kam das baltische Land unter die russische Herrschaft. Aufstände schlugen die Zaren gnadenlos nieder. Nach wenigen Jahren der Eigenständigkeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg kam Litauen wieder unter die russische Knute. Dieses Mal ließ Stalin seine Armee einmarschieren. Es folgten massenhafte Deportationswellen nach Sibirien.

Als die Sowjetunion schließlich zusammenbrach, konnte Litauen aufatmen und suchte Zuflucht bei der Europäischen Union und der Nato. Doch seit ein paar Jahren wächst wieder die Angst vor dem großen Nachbar. Man fürchtet, dasselbe Schicksal erleiden zu müssen, wie die Ukraine. Schließlich existiert auch in Litauen eine russische Minderheit, die besonders in den letzten Jahren unter massiver Diskriminierung zu leiden hat. Die Furcht, Putin könnte sich zu ihrem Beschützer aufschwingen, wächst zusehends. 

Eine russische Invasion gilt in Litauen inzwischen als ein reales und nicht mehr weit entferntes Szenario. Das litauische Verteidigungsministerium sieht sich daher gezwungen, die Bevölkerung auf einen Partisanenkrieg vorzubereiten. In einer fast 80-seitigen Broschüre, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, schwört die Regierung die Bürger auf einen Guerilla-Kampf ein. "Bereiten Sie sich darauf vor, Notfälle und Krieg zu überleben", appelliert das Ministerium an die Bevölkerung.

Panzer, Minen, Spione

Das Dokument enthält konkrete Anweisungen zum Partisanenkampf. Ausführlich wird die russische Militärtechnik dargestellt. Der Leser wird instruiert, wo die verwundbarsten Stellen eines Panzers sind, wie Raketen und Minen zu gebrauchen und zu entschärfen sind, wie einfache Zivilisten das gegnerische Militär ausspionieren können. 

"Es ist wichtig, dass die Zivilisten vorbereitet sind und den Willen zum Widerstand haben. Wenn dieses Element stark ist, wird es ein Aggressor schwer haben, die Bedingungen für eine Militär-Invasion zu schaffen", heißt es in dem Guerilla-Handbuch. 

Es enthält außerdem Informationen zur Versorgung von Verwundeten und Tipps zum Überleben in der Wildnis. Unter anderem wird erklärt, wie man Kondome zum Transport von Wasser und Essen benutzen kann. 

"Totaler Irrsinn"

Es ist bereits das dritte Werk dieser Art, das seit der Annexion der Krim durch Russland in Umlauf gebracht wird. Auch wenn nüchtern betrachtet eine russische Invasion im Baltikum höchst unwahrscheinlich erscheint, so zeigt das Vorgehen der litauischen Regierung deutlich: Die Angst vor Putin ist real. Auch wenn sich der russische Präsident bemüht, seine Nachbarn zu beruhigen. 

"Aus meiner Sicht verstehen alle vernünftigen Personen, die sich ernsthaft mit Politik auseinandersetzen, dass Berichte über die Bedrohung seitens Russlands in Bezug auf, sagen wir mal, die baltischen Staaten, ein totaler Irrsinn sind", sagte er in einem Interview mit der Agentur Bloomberg. "Wollen wir etwa gegen die Nato kämpfen? Wie viele Menschen leben in den Nato-Ländern? Etwa 600 Millionen, oder? Russland zählt dagegen 146 Millionen. Ja, wir sind die größte Atommacht. Doch nehmen Sie tatsächlich an, dass wir die baltischen Länder mit nuklearen Waffen erobern wollen?", so der Kreml-Chef.

Die Abbildung eines russischen Panzers in der Broschüre des litauischen Verteidigungsministeriums

Die Abbildung eines russischen Panzers in der Broschüre des litauischen Verteidigungsministeriums

Gefährliche Muskelspiele zwischen Russland und Nato

Tatsächlich sieht Russland seinerseits die wachende Nato-Präsenz in Osteuropa als Bedrohung. "An den westlichen Grenzen unserer Staatenunion bauen die USA und andere Nato-Mitglieder aktiv ihr Angriffspotenzial auf", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erst am Mittwoch in Minsk, wie die russische Agentur Interfax berichtete. "Diese Handlungen untergraben die strategische Stabilität in der Region und zwingen Russland, Gegenmaßnahmen zur Verteidigung zu ergreifen", so der Politiker weiter.

Angeblich will Moskau bis zu 30.000 zusätzliche Soldaten entlang seiner Westgrenze positionieren. Die Nato will im Gegenzug 4000 zusätzliche Soldaten ins Baltikum schicken.

ivi
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