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Maduro gegen Capriles: Wahlkampf bis aufs Blut

Die Trauerzeit für Chávez ist noch nicht vorbei, da tobt in Venezuela bereits der Wahlkampf: Die Sozialisten verteidigen das Chávez-Erbe, die geschwächte Opposition will einen Neuanfang.

Der erste Wahlkampf der Nach-Chávez-Ära dürfte der härteste in der Geschichte Venezuelas werden. Die Kampagnenzeit beginnt zwar offiziell erst am 2. April, also zwölf Tage vor der Neuwahl am 14. April. Doch die Schlacht um den Präsidentenpalast Miraflores ist schon im vollen Gange, eigentlich schon seit Wochen. Die politischen Duellanten stehen fest: Interimspräsident Nicolás Maduro geht mit dem Rückenwind eines geerbten Amtsbonus ins Rennen und Henrique Capriles Radonski steigt als Einheitskandidat der Opposition in den Ring. Doch es gibt einen übermächtigen Dritten im Bunde: Beide kämpfen im Schatten des über sein Tod hinaus omnipräsenten Comandante Hugo Chávez.

Wahlkampf in Venezuela ist nichts für sensible Gemüter. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, auf der Straße und in der virtuellen Welt des Internet. Es wird emotional, denn es geht um das nahezu heilige Erbe von Chávez, den seine Anhänger als "Vater der Nation" verehren. Jede Kritik an ihm wird von Chavistas mit Furor zurückgewiesen und die Opposition hat es schwer, das Vermächtnis des als "Befreier Südamerikas" titulierten Chávez zu kritisieren. "Wir waren Gegner, nie Feinde", sagte Capriles, der um Sachlichkeit bemüht ist. Seine Aufgabe wird es sein, klar zu machen, dass er am 14. April nicht gegen Chávez antritt, auch wenn den Venzolanern dessen Leichnam einbalsamiert in einem gläsernen Sarg vor Augen geführt wird.

"Nicolás (Maduro) ist nicht Chávez", sagt der 40-Jährige, der bei der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober 2012 ein sehr gutes Ergebnis von 44,13 Prozent einfuhr. Gegen den Comandante reichte es nicht, denn Chávez wurde klar und demokratisch mit über 55 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Die Venezolaner wählten wieder in ihrer Mehrheit rot und die Regierung ist überzeugt, dass sie dies auch am 14. April tun werden. Die Opposition geht geschwächt und demoralisiert in den Wahlkampf, denn sie erlitt auch bei den wichtigen Gouverneurswahlen am 16. Dezember eine herbe Schlappe.

"Maduro hat dieses Land belogen, er hat gelogen"

Maduro sucht auch posthum die unverbrüchliche Nähe zu seinem Ziehvater Chávez. Bei der Staatstrauerfeier am vergangenen Freitag war er im Mittelpunkt, saß in der ersten Reihe und schwor mit einer Handvoll verlesener Gesinnungsgenossen über dem Sarg von Chávez einen Pakt. Die Bolivarische Revolution soll weitergehen und die Gegner keine Chance haben. Nur so ist es zu verstehen, mit welcher brachialen Wucht der 50-jährige Ex-Außenminister und einige Minister auf die Kritik von Capriles reagieren.

Der Oppositionsführer habe mit seinen despektierlichen Äußerungen über Chávez, "das in seinem Schmerz versunkene Volk verletzt", donnerte Maduro, der mit seinem Gepolter seinem Mentor Chávez in nichts nachsteht. Seinen designierten Gegenkandidaten bezeichnete er als "kümmerlich", "infam" und "verantwortungslos". Und er beschimpfte wie Chávez im Wahlkampf 2012 Capriles als "Faschisten". Und die für Haftanstalten zuständige Ministerin Iris Varela assistierte: "Dieser Herr ist ein Elender und ein Feigling. ... Dieses menschliche Wesen tut mir leid, weil es die immense Liebe nicht kennt, die das Volk Chávez gezeigt hat."

Capriles muss wie 2012 im Wahlkampf gegen einen Apparat antreten, der nicht nur die Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV), sondern auch die Regierung und die Staatskonzerne umfasst. Er hatte Maduro vorgeworfen, er habe das Volk seit Wochen über den wirklichen Gesundheitszustand von Chávez getäuscht, um Zeit zu gewinnen, die Weichen zu stellen. Chávez habe in den vergangenen Wochen nie wie behauptet irgendein Dekret unterschrieben, und er sei auch nie auf dem Weg der Genesung gewesen. "Nicolás (Maduro) hat dieses Land belogen, er hat gelogen."

Helmut Reuter, DPA / DPA