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Venezuela: Nicolas Maduro als Interimspräsident vereidigt

Nach dem Tod des venezulanischen Präsidenten Hugo Chávez hat das Land übergangsweise wieder eine Führung. Die Opposition bezeichnet die Vereidungung des Interimspräsidenten Maduro als illegitim.

Wenige Stunden nach dem Staatsbegräbnis für den verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez ist sein Stellvertreter Nicolas Maduro als Interimspräsident des lateinamerikanischen Landes vereidigt worden. In seiner Antrittsrede kündigte Maduro baldige Neuwahlen an. Die Opposition boykottierte die Amtseinführung Maduros.

Maduro legte am Freitagabend in Caracas vor Parlamentspräsident Diosdado Cabello den Amtseid ab. Er schwor "im Namen absoluter Loyalität zu Kommandeur Hugo Chávez" die "Bolivarische Verfassung" Venezuelas zu verteidigen. Die von der Opposition boykottierte Zeremonie wurde im Fernsehen übertragen. Chávez' Schwiegersohn, Forschungsminister Jorge Arreaza, wurde neuer Vizepräsident.

Oppositionsführer Henrique Capriles bezeichnete die Interimspräsidentschaft Maduros als illegitim. "Niemand hat Nicolas gewählt", sagte Capriles vor Anhängern in Caracas. Die Entscheidung des obersten Gerichts, dass Maduro bis zur Wahl als Übergangspräsident eingesetzt werden soll, sei "Missbrauch". Das Gericht hatte zuvor ein entsprechendes Urteil gefällt.

Vereidigung nach Trauerfeier

Laut Verfassung muss Maduro binnen 30 Tagen Neuwahlen ansetzen. In seiner Antrittsrede fordert er die nationalen Wahlkommission auf, "unverzüglich" Präsidentschaftswahlen anzusetzen.

Zuvor war in Anwesenheit dutzender Staats- und Regierungschefs in Caracas des verstorbenen Staatschefs Chávez gedacht worden. Zehntausende Menschen versammelten sich am Zugang zum Platz vor der Militärakademie in der venezolanischen Hauptstadt, um Chávez die letzte Ehre zu erweisen.

Die Trauerfeier begann mit dem Verlesen der Namen der angereisten Staatschefs. Maduro platzierte auf dem Sarg, der in die Flagge Venezuelas gehüllt war, eine Replik des goldenen Schwerts des lateinamerikanischen Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar.

Der Großteil des Vorplatzes der Militärakademie wurde von Soldaten aus Sicherheitsgründen abgesperrt, sodass die Öffentlichkeit keinen direkten Zugang zur Trauerfeier hatte. Die Schlange von Menschen, die darauf warteten, sich vor dem aufgebahrten Leichnam des Verstorbenen zu verbeugen, erstreckte sich über mehrere Kilometer.

Umstrittener Staatsbesuch bei Trauerzeremonie

Unter den 32 Staats- und Regierungschefs waren im Westen umstrittene Verbündete Venezuelas wie Kubas Präsident Raúl Castro, Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und der weißrussische Machthaber Alexander Lukaschenko. Lukaschenko hob die linke Faust zur Begrüßung der Menge, Ahmadinedschad reckte beide Fäuste in die Höhe. Beide wischten sich bei der Trauerzeremonie Tränen weg, als Chávez' Lieblingslieder gespielt wurden.

Auch die Präsidenten der meisten lateinamerikanischen Länder nahmen teil. Die Präsidentinnen Brasiliens und Argentiniens, Dilma Rousseff und Cristina Kirchner, erwiesen Chávez in Caracas zwar die letzte Ehre, reisten aber vor der Trauerfeier wieder ab. Die USA und die Europäer entsandten lediglich Delegationen zweiten Rangs. Spanien schickte des Protokolls wegen Kronprinz Felipe.

Wie Maduro am Donnerstag ankündigte, soll die Leiche Chávez' einbalsamiert werden - ebenso "wie Ho Chi Minh, wie Lenin, wie Mao Tse-tung". Dies sei entschieden worden, "damit er ewig sichtbar bleibt, damit das Volk ihn in seinem Revolutionsmuseum bei sich haben kann". Chávez war am Dienstag einem Krebsleiden erlegen. Er hatte das Land 14 Jahre lang sozialistisch regiert.

mme/AFP / AFP