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Manchester: Wie lässt sich eine Konzerthalle schützen? Das sagen Veranstalter aus Deutschland

Das Konzert ist vorbei, die Besucher strömen aus der Halle, da zündet ein Mann einen Sprengsatz. Ein Anschlag wie in Manchester – könnte er auch in Deutschland passieren? Der stern hat sich umgehört. Derweil häufen sich in England die Vorwürfe: Der Zutritt zur Arena sei nicht ausreichend kontrolliert worden.

Nach dem Anschlag auf die Konzertarena in Manchester erheben Besucher schwere Vorwürfe.

Nach dem Anschlag auf die Konzertarena in Manchester erheben Besucher schwere Vorwürfe

Nach Terror-Anschlägen wie in Manchester stellen sich Betroffene wie Nicht-Betroffene die eine Frage: Warum? Die Betreiber von Veranstaltungsstätten in Deutschland stellten sich am Dienstag noch eine weitere: Wo?

Denn auch mehrere Stunden nach dem Terroranschlag stand nicht eindeutig fest, wo genau der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet und so mindestens 22 Menschen in den Tod gerissen hatte. Die britische Premierministerin Theresa May sprach am späten Dienstagvormittag von einem Terrorangriff, ließ aber weitestgehend offen, wo genau sich dieser zugetragen hatte. War es im Foyer der Arena oder außerhalb der Veranstaltungsstätte? May sagte lediglich, der Attentäter habe den Sprengsatz "in der Nähe des Ausgangs" gezündet.

Sicherheitskontrollen "wie am Flughafen"

Für die Betreiber von Veranstaltungsstätten ist die Frage nach dem Wo keine Detailfrage am Rande, sondern elementar. Der Zugang zur Veranstaltung ist bereits durch strenge Sicherheitskontrollen gekennzeichnet. Kontrollen mit Metalldetektoren an jedem Eingang, mit Taschenkontrollen, Szenen "wie am Flughafen", sagt Moritz Hillebrand.  

Hillebrand ist Unternehmenssprecher der Anschutz Entertainment Group, ein Unternehmen, das diverse Arenen weltweit betreibt und besitzt. Über 100 sind es insgesamt – darunter die O2-Arena in London –, in Deutschland sind es zwei: die Barclaycard Arena in Hamburg und die Mercedes Benz Arena in Berlin. Die Arena in Hamburg kann bei Konzerten bis zu 16.000 Zuschauer fassen, 17.000 sind es in Berlin. Menschenmassen, die der Einwohnerzahl einer Kleinstadt entsprechen und für deren Sicherheit die Anschutz Entertainment Group garantieren will und muss. 

Deshalb erstelle man für jede Veranstaltung ein eigenes Sicherheitskonzept, in enger Absprache mit dem Veranstalter sowie Polizei und Behörden, sagt Hillebrand. Ein Konzept abgestimmt auf die Besuchergruppen, die erwartet werden, sowie auf die Zahl der Konzertbesucher. Zudem werde ein Ordnungsdienst eingerichtet.

"Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht"

Ganz ähnlich die Sicherheitskontrollen im Olympiapark in München:  Im großen Olympiastadion, das 70.000 Personen fassen kann, und in der Olympiahalle mit einer Kapazität bis zu 14.000 Menschen sind Taschen teilweise gar nicht mehr erlaubt. Dazu kämen Personenkontrollen, sagt Marion Schöne, Geschäftsführerin. Sie betont: "Unser Sicherheitskonzept ist vorbildlich – und das war es schon, bevor Veranstaltungsstätten ins Visier der Attentäter gerieten."

Und trotzdem sagt Schöne: "Wir hoffen natürlich nicht, dass so ein Anschlag jemals hierzulande passiert. Aber er kann passieren. Wir tun, was wir können, aber so etwas lässt sich nicht verhindern." Denn wenn die Besucher wie in Manchester nach dem Konzert nach außen strömten, sich die Türen der Veranstaltungsstätte von außen öffneten, dann könne ein Attentäter unter Umständen in die Stätte gelangen. Auch habe man keine Kontrolle, wenn der Attentäter den Sprengsatz in der Warteschlage vor der Veranstaltungsstätte zünde. "Wir können nicht jeden zur gleichen Zeit kontrollieren", fasst Schöne zusammen. Darüber hinaus sei der Olympiapark, insofern dort keine zahlpflichtige Veranstaltung stattfindet, eine öffentlich zugängliche Anlage – ohne Kontrollen. "Was wir tun können, das machen wir auch", sagt sie deshalb. "Aber die hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht."

Manchester: Fans erheben schwere Vorwürfe

Sicherheitskontrollen mit Metalldetektoren und Taschenkontrollen hätten am Montagabend Berichten zufolge auch in Manchester stattfinden sollen – doch wurden sie offenbar nur halbherzig durchgeführt. Konzertbesucher kritisierten nach dem Anschlag mangelnde Sicherheitskontrollen am Eingang der Arena. Taschen seien nicht angemessen untersucht worden, von fehlenden Kontrollen mit Metalldetektoren war die Rede. Eine tschechische Besucherin sagte laut "Independent": "Es gab fast keine Kontrollen. Fast nichts. Sie ließen uns hinein, ohne zu kontrollieren, ob wir irgendetwas bei uns trugen."

pg