Marokko Verhaftungswelle unter Islamisten nach Anschlagserie


Nach den Selbstmordanschlägen in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca mit mindestens 41 Toten sollen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen und Parteien Dutzende Islamisten festgenommen worden sein.

Allein in Casablanca habe es um die 40 Festnahmen gegeben, in Kénitra in der Nähe der Hauptstadt Rabat etwa 20, hieß es am Samstagabend. Eine Bestätigung der Regierung gab es dafür nicht. Aus dem marokkanischen Innenministerium verlautete, die Selbstmordanschläge seien von einer aus 14 Mitgliedern bestehenden Terrorzelle verübt worden, die sich in fünf Kommandos aufgeteilt habe.

Drei der Attentäter angeblich gefasst

Bei den fünf Attentaten in Casablanca wurden fast 100 Menschen verletzt. Unter den Toten seien auch zehn der aus Marokko stammenden Attentäter, sagte Innenminister Mustafa Sahel in Rabat. Drei der mutmaßlichen Terroristen seien festgenommen worden. Die Anschläge trügen die gleiche Handschrift wie die in Riad, die dem Terrornetzwerk El Kaida zugeschrieben wurden. Dort starben in der Nacht zum Dienstag 34 Menschen.

Mindestens zwei Spanier und ein Franzose tot

Die meisten Opfer der Anschläge in Casablanca seien Marokkaner, hieß es. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen starben aber auch mindestens zwei Spanier und ein Franzose. Hinweise auf deutsche Opfer gab es nicht. "Die Attentate wurden von Feinden nicht nur Marokkos, sondern der Demokratie und des Fortschritts verübt", sagte Regierungssprecher Nabil Benabdellah. Es waren die blutigsten Anschläge in der Geschichte des nordafrikanischen Königreichs.

Allein in Restaurant 20 Tote

Die Terroristen hatten am späten Freitagabend im Vergnügungs- und Finanzzentrum der Wirtschaftsmetropole zeitgleich mehrere Autobomben gezündet oder sich vor westlichen und jüdischen Einrichtungen in die Luft gesprengt. Die meisten Toten - bis zu 20 - waren in einem spanischen Kulturhaus zu beklagen. Drei Attentäter hätten das gut besuchte Restaurant des Kulturhauses gestürmt und mitten unter den rund 150 Gästen die umgeschnallten Sprengladungen gezündet.

Keine jüdischen Opfer

Die Explosionen trafen aber auch ein jüdisches Zentrum, einen jüdischen Friedhof, das Konsulat Belgiens und das Luxushotel "Safir", wo ein Treffen amerikanischer und marokkanischer Experten über den Kampf gegen den Terrorismus stattfand. Vor dem Hotel ging eine Autobombe hoch. Mindestens acht Menschen sollen dabei getötet worden sein. Bei den Anschlägen auf jüdische Einrichtungen habe es keine jüdischen Todesopfer gegeben, teilte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums mit. Zu den Todesopfern gehörten auch zwei Polizisten, die das belgische Konsulat bewachten. Die Wucht der Detonationen zersplitterte Fenster, beschädigte Häuserfassaden und ließ Autos in Flammen aufgehen. Als die Bomben explodierten, waren die Straßen und Restaurants in der Drei-Millionen-Stadt noch voller Menschen. Es seien Panik und Chaos ausbrochen, berichteten Augenzeugen.

Zusammenahng zu US-freundlicher Haltung?

Beobachter schlossen einen Zusammenhang mit der Haltung Marokkos während des Irak-Krieges nicht aus. Das als USA-freundlich geltende Land hatte die US-Militärintervention im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten nicht kritisiert, obwohl es auch in Marokko Massenproteste gegen den Krieg gab. Die Regierung in Marokko war stets bedacht, die Islamisten im Land unter Kontrolle zu halten. Denkbar sei auch ein Zusammenhang mit einem Prozess, bei dem im Februar in Casablanca drei saudische Staatsbürger wegen Zugehörigkeit zu El Kaida zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Fünf weitere Angeklagte waren zu Haftstrafen zwischen vier Monaten und einem Jahr verurteilt worden.


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