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Massaker in Syrien: Rebellen töten mindestens 190 Menschen

Die Opposition in Syrien ist keine geschlossene Front. Bürger begehren ebenso gegen Assad auf wie Extremisten. Human Rights Watch hat ein Dorf besucht, in dem Rebellen ein Massaker verübten.

Syrische Rebellen haben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge ein Massaker an alawitischen Familien verübt und Hunderte Menschen als Geiseln genommen. In der Provinz Latakia wurden im August mindestens 190 Menschen getötet, teilte HRW auf seiner internationalen Homepage mit. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder gewesen. Es handle sich um den ersten Fall von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das von Rebellen verübt wurde, hieß es in dem Bericht.

"Häuser wurden zerstört und niedergebrannt", sagte die Human-Rights-Watch-Mitarbeiterin Lama Fakih, die in dem Gebiet war und mit Überlebenden sprach. "Die meisten Dorfbewohner sind nicht zurückgekehrt." Auf Youtube veröffentlichte HRW ein Video über den Besuch in der betroffenen Region.

Im Morgengrauen des 4. August überrannten Rebellen Stellungen der syrischen Armee in der Provinz Latakia. Sie rückten dann in zehn Dörfer der Alawiten ein, zu deren muslimischer Glaubensrichtung auch der syrische Machthaber Baschar al Assad angehört. In den Ortschaften hätten die Rebellen dann die Massaker verübt, so HRW. Zum Teil seien ganze Familien getötet worden, von denen einige auf der Flucht gewesen seien.

Oppositioneller Rat verurteilt Aktion der Rebellen

Angeführt worden sei die Offensive von islamistischen Rebellengruppen, die zum Teil der Terrororganisation al Kaida nahestehen. Aber auch vom Westen unterstützte Aufständische, der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) seien beteiligt gewesen. Unklar ist jedoch, wie weit diese Beteiligung ging und ob die FSA-Kämpfer auch gemordet haben. Ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats sagte, seine Organisation verurteile alle Menschenrechtsverletzungen. Sollten Rebellen, die mit dem Nationalrat verbunden sind, an entsprechenden Verbrechen beteiligt sein, müssten sie sich dafür verantworten.

Die Operation sei wegen ihres Ausmaßes ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hieß es in dem Bericht von HRW weiter. "Das war nicht das Werk von aggressiven Einzeltätern", sagte ein Sprecher. Menschenrechtler werfen auch den Soldaten von Assad Gewalttaten vor und beschuldigen die Regierung, Brandbomben und Streubomben auf dicht bevölkerte Gebiete zu werfen. Nach Angaben der Vereinten Nationen stehen Regierungstruppen hinter zwei Massakern in überwiegend sunnitischen Regionen im Mai, bei denen 450 Menschen ums Leben kamen. Seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als zwei Jahren wurden mehr als 100.000 Menschen getötet.

Nobelpreis für die Zerstörung von Chemiewaffen

Allein bei einem Giftgaseinsatz nahe Damaskus starben Hunderte Menschen. Auf Druck Russlands und der USA sagte Assad zu, das Chemiewaffenarsenal seines Landes zu zerstören. Derzeit befinden sich Inspektoren der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in dem Land. Für ihre Arbeit wurde die OPCW nun mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Syrische Truppen und mit ihnen vebündete Schiiten-Milizen aus dem Libanon und dem Irak eroberten nach Angaben aus der Opposition im Süden der Hauptstadt Damaskus zwei Vororte. Dabei seien 70 Menschen getötet worden.

ono/Reuters / Reuters