Medien US-Fernsehsender spielen Krieg


Wenn es nach den amerikanischen Fernsehsendern geht, ist der Krieg schon ausgebrochen: Mit Schlagzeilen wie "Zielscheibe Irak" oder "Showdown Irak" berichten CNN, Fox News oder NBC von Truppenübungen und möglichen Zielen im Irak.

In den amerikanischen Fernsehsendern ist der Krieg schon ausgebrochen: Tag für Tag berichten CNN, Fox News oder NBC unter Schlagzeilen wie "Zielscheibe Irak" und "Showdown Irak" über Truppenübungen, mögliche Ziele im Irak und "unsere Jungs an der Front". Die Sender tun so, als sei der Krieg bereits beschlossen und es sei ihre Aufgabe, die amerikanische Öffentlichkeit auf die Kämpfe vorzubereiten, kritisierte die "New York Times".

Begründung für einen Krieg wird nicht in Frage gestellt

Der "New York Times"-Kommentator Paul Krugman glaubt auch den Grund für die Jubelberichterstattung zu wissen: "Einige Medien - die in einer Atmosphäre operieren, in der jeder, der die Außenpolitik der Regierung kritisiert, als unpatriotisch kritisiert wird, haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Krieg zu verkaufen." Die Begründung für einen Krieg werde einfach nicht mehr in Frage gestellt.

Auch der Medienexperte Danny Schechter erklärt, die meisten Fernsehsender und viele Journalisten hätten seit den Anschlägen vom 11. September 2001 Angst, mit zu kritischen Fragen an die Regierung als unpatriotisch zu gelten. So übernehmen sie oft die Version des Weißen Hauses, das berühmt für seine Medienkontrolle und Diskretion ist. Im Gegensatz zu früheren Regierungen hält das Weiße Haus von Präsident George W. Bush dicht. Informationen, die nicht nach außen gelangen sollen, sickern auch fast nie durch.

"Boot camps" für Journalisten

Der Buchautor Lance Bennett bemängelt, es gebe in weit geringerem Umfang eine öffentliche Debatte über die Gründe für einen Krieg als dies noch beim Golfkrieg von 1991 der Fall gewesen sei. Schuld daran seien aber nicht nur die Medien sondern auch die oppositionellen Demokraten, die sich ebenfalls lange nicht getraut hätten, die Außenpolitik der Regierung zu kritisieren.

Auch das Pentagon trägt nach Ansicht von Kritikern zu der unkritischen Haltung von Journalisten bei. Seit Monaten bietet das Militär in so genannten boot camps Journalisten eine Grundausbildung für die Kriegsberichterstattung. Viele dieser Journalisten dürfen dann mit US-Einheiten an die Front reisen und von dort berichten. Kritiker merken an, dass es für die Korrespondenten schwierig werden könnte, kritisch über die Truppenverbände zu berichten, von denen sie gastlich aufgenommen wurden.

Auf der anderen Seite wurden die Proteste der Kriegsgegner in den USA vor allem von den Fernsehsendern lange ignoriert. "Die Medien haben die Antikriegsproteste in beklagenswerter Weise bis vor kurzem ignoriert", stellt der Herausgeber des Fachblattes "Editor & Publisher", Greg Mitchell, in der Zeitung "USA Today" fest. Selbst bei den großen Friedensdemonstrationen Mitte des Monats hatten die amerikanischen Fernsehsender vor allem nach Europa geblickt, und die Kriegsgegner im eigenen Lande weit gehend ignoriert. Der konservative Sender Fox News sprach auch angesichts Zehntausender protestierender Amerikaner nur von den "üblichen Demonstranten".

Sheryl Crow setzt auf stillen Protest

Angesichts dieses Desinteresses setzen die Kriegsgegner nun auf neue Wege. Die Gruppe "Win Without War" schaltete teure Werbekampagnen im Fernsehen, und die von Hollywoodstars wie Martin Sheen unterstützte Organisation Moveon.org rief zum virtuellen Marsch auf Washington auf. Nach einer im Internet organisierten Kampagne bombardierten Zehntausende Protestler die Senatoren und das Weiße Haus mit Anrufen, Faxen und E-Mails - eine Aktion von der sich die Organisatoren mehr Medieninteresse erwarteten.

Die Sorge der Fernsehsender vor einer kritischen Berichterstattung wurde auch bei der Grammy-Verleihung am Wochenende deutlich. Nach Medienberichten hatte der Fernsehsender CBS alle Künstler ermahnt, sich nicht kritisch zum Krieg zu äußern. Rockerin Sheryl Crow setzte deshalb auf stillen Protest. Auf dem Gurt ihrer Gitarre stand "No War".

Thomas Müller DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker