Menschen, die Mut machen Bibelstunde für den Währungsfonds


In der Adventszeit stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, den sein Engagement für andere oder der Umgang mit dem eigenen Schicksal auszeichnet. Heute: Zephania Kameeta. Das ehrgeizige Projekt des Bischofs aus Namibia: Ein Dorf, in dem alle 900 Einwohner monatlich eine bestimmte Summe für ihren Lebensunterhalt ausgezahlt bekommen - ohne Gegenleistung.
Von Eva Wolfangel

Bei Bischof Zephania Kameeta aus Namibia kommt immer alles auf einmal. Heute steht an: Eine Bischofskonferenz leiten, Konfirmanden betreuen, Internate für mittellose Kinder verwalten und die Auszahlung beim Grundeinkommensprojekt BIG. "Viele Dinge gleichzeitig zu tun, das habe ich von meiner Großmutter gelernt", sagt der Bischof lachend, während er einen Papierstau im Faxgerät behebt. "Die Schere zwischen arm und reich ist in Namibia so groß wie nirgendwo sonst auf der Welt", sagt er. "Aber ich glaube an die direkte Hilfe."

Sein wichtigstes Projekt in diesem Zusammenhang ist das Grundeinkommensprojekt BIG. Mangels staatlicher Unterstützung hat der rührige Bischof vor einigen Jahren beschlossen, das Projekt "einfach selbst durchzuziehen". Er sammelte Unterstützer und Geld und wählte die kleine Gemeinde Omitara, 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Windhoek, als passenden Ort für ein Pilotprojekt aus. Seit Januar 2008 bekommt dort jeder der 900 Einwohner monatlich umgerechnet zehn Euro ausgezahlt. Damit ist das von "Brot für die Welt" geförderte Projekt weltweit die erste Initiative, die die viel diskutierte Idee eines Grundeinkommens für die gesamte Bevölkerung ohne bürokratische Hürden einfach ausprobiert.

"Ich bin sehr stolz auf euch"

Kameeta nutzt seinen Posten, um all jenen unbequem zu werden, die ihm im Kampf für die Gerechtigkeit Steine in den Weg legen. So dürften auch einige Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Bischof gut in Erinnerung haben. Sie hatten ihn getroffen, um ihm das Grundeinkommensprojekt auszureden. "Da hab ich ihnen eine Bibelstunde gehalten", sagt Kameeta und strahlt in der Erinnerung wie ein Junge über einen gelungenen Streich. "Das war sicher das erste Mal in der Geschichte des IWF, dass jemand seinen Abgesandten die Bibel erklärt hat."

Zur Auszahlung des Grundeinkommens versammelt sich die Gemeinde im Schatten eines Baumes. Die 900 Einwohner bilden eine lange Schlange, geben ihre Fingerabdrücke zur Identifikation und nehmen das Geld entgegen. Kameeta stellt sich in die Mitte und begrüßt die Menschen in verschiedenen afrikanischen Sprachen. "Ich bin sehr stolz auf euch", sagt er. Er bedankt sich für die Bereitschaft und den Mut der Menschen, das Pilotprojekt gemeinsam mit ihm zu versuchen. Die Menschen applaudieren.

Der Glaube an das Gute

Kameeta und seine BIG-Koalition aus nichtstaatlichen Organisationen, Kirchen und Gewerkschaften haben das Geld für das erste Jahr zusammen. Danach will Kameeta die Regierung überzeugt haben. "Aber es geht nicht nur um das Geld", sagt er. Es bewegt sich etwas im Dorf, die Wirtschaft kommt langsam in Schwung. Und die Kritik der Regierung, nach deren Meinung Zahlungen ohne Gegenleistung die Menschen zur Faulheit erziehen, ist entkräftet.

Eine Radioreporterin will vom Bischof wissen, was geschieht, wenn die Regierung das Grundeinkommen für alle dennoch ablehnt. "Ach wissen Sie", antwortet der, "ich glaube an die guten Dinge im Leben. Die Schlechten kommen von alleine."


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