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Nancy Pelosi Sie ist nun Trumps wichtigste Gegenspielerin - und zugleich das personifizierte Problem der Demokraten

Nancy Pelosi
Nancy Pelosi wird künftig die Demokraten im Repräsentantenhaus anführen
© Brendan Smialowski / AFP
Nancy Pelosi wird qua Amt zur wichtigsten Gegenspielerin von US-Präsident Donald Trump. Doch eine Hoffnungsträgerin ist die Demokratin nicht. Eher das Gegenteil: zu alt, zu unmodern, zu sehr Establishment.

Da ist sie also, die strahlende Zukunft der Demokraten: Alexandria Ocasio-Cortez, mit 29 bislang jüngste Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Oder Jared Polis, erster offen schwul lebender Gouverneur in den USA. Oder Beto O'Rourke, der "weiße Obama". In Texas zwar gescheitert, allerdings so knapp, dass sich seine Niederlage trotzdem wie ein Sieg anfühlt. Und dann ist da Nancy Pelosi - weiß, 78, künftig die mächtigste Gegenspielerin des US-Präsidenten - und das personifizierte Problem der Demokraten.

Kein Hoffnungsträger in Sicht

Dass Donald Trump vor zwei Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, lag auch an seiner Kontrahentin Hillary Clinton. Die ehemalige First Lady, ehemalige Senatorin und ehemalige Außenministerin gehörte nicht nur zur Spitze des Establishments, sondern stammte auch noch aus der Vor-Obama-Zeit, so dass sie selbst für viele Demokraten unwählbar war. Seitdem hat sich bei der Oppositionspartei personell nicht viel getan. Kein Hoffnungsträger in Sicht, der in zwei Jahren das Duell mit dem US-Präsidenten aufnehmen könnte.

Stattdessen will nun, wie gesagt, Nancy Pelosi nach Eroberung der Mehrheit im Repräsentantenhaus, die Partei anführen. Erneut. Wie schon 2007. Seit 32 Jahren sitzt sie ununterbrochen in der Kongresskammer, nicht wenige sprechen davon, dass sie an ihren Posten klebe. Ihre Wählerschaft an der Basis in San Francisco jedoch schwört auf Pelosi: Sie wurde mit 85 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Aber dieser Teil Kaliforniens ist zum einen fest in der Hand der Demokraten und zum anderen ohnehin kaum vergleichbar mit dem Rest der USA. Bestes Beispiel: die Gesundheitsreform von Barack Obama.

Nancy Pelosi - Gesicht der Gesundheitsreform

Trumps Amtsvorgänger hatte die Krankenversicherung für alle in einem Kraftakt eingeführt - unter dem Applaus liberaler Großstädter, aber gegen den Widerstand der Konservativen, die darin einen Akt des "Sozialismus" sahen. Und immer noch sehen. Viele Amerikaner begrüßen die Einführung zwar, leiden aber gleichzeitig unter den zuletzt extrem steigenden Beiträgen. Die Gesundheitsreform spaltet das Land, und eines ihrer prominentesten Gesichter ist: Nancy Pelosi. Ihre Politik, ihre Rolle und ihr Ruf könnten auch schnell zur Bürde für die Demokraten werden.

Dazu kommt, dass Pelosi die Partei beim Blick auf den Nachwuchs noch älter wirken lässt – Teile der jungen Hoffnungsträger aber zu oft zu wenig mehrheitsfähig sind. Alexandria Ocasio-Cortez zum Beispiel ist zwar ein Medienliebling, obwohl oder gerade weil sie sich selbst "demokratische Sozialistin" nennt. Das mag in Metropolen wie New York City vielleicht cool und verheißungsvoll klingen - auf dem platten Land dürfte es Wähler eher abschrecken. Viel mehr als die ganz alte Garde wie Pelosi und einige (oft sehr linke) Shootingsstars haben die Demokraten derzeit nicht zu bieten.

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Donald Trump dürfte sich bei der Präsidentschaftswahl 2020 freuen: Sollten die Demokraten bis dahin keinen moderaten, für die breite Masse wählbaren Kandidaten finden, kann er wieder beherzt über das herziehen, war er den "Washingtoner Sumpf" nennt oder Angst vor den "Radikalen und Sozialisten" schüren - womit er schon vor zwei Jahren erfolgreich war. Wenn also alles schiefgeht, dann wird ereilt Pelosi das gleiche Schicksal wie einst Hillary Clinton - besiegt von Donald J. Trump.

Quellen: "The Daily Beast", Fivethirtyeight, BBC, Associated Press


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