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Möglicher Angriff auf Iran Israel beendet Tests für SMS-Raketenwarnung


Israel hat Tests für ein Warnsystem abgeschlossen, über das Bürger per SMS vor Raketenangriffen gewarnt werden. Das Land rechnet im Falles eines Schlags gegen den Iran mit Gegenattacken.

Vor dem Hintergrund eines möglichen Konflikts mit dem Iran hat Israel am Donnerstag einen Test zur Warnung der Bevölkerung vor Raketenangriffen per Handy-Mitteilung abgeschlossen. Nach Armeeangaben sollte die fünftägige Versuchsreihe mit Tests in den Städten Jerusalem, Arad in der Negev-Wüste, Afula und Hadera im Norden sowie Ober-Nazareth im Laufe des Tages beendet werden.

Die SMS-Nachrichten in hebräischer, arabischer, englischer und russischer Sprache warnen vor einem Raketenbeschuss durch den Iran oder durch die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon. Laut Medienberichten wurde das System zum jetzigen Zeitpunkt eingerichtet, um vor Gegenattacken nach einem möglichen Angriff Israels auf iranische Atomanlagen zu warnen.

Mehrheit der jüdischen Israelis lehnt Angriff ohne USA ab

Die USA und andere westliche Staaten beschuldigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Mit immer schärferen Sanktionen versucht der Westen, Teheran zum Verzicht auf seine Urananreicherung zu zwingen. Der Iran weist die Anschuldigungen zurück und besteht auf seinem Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie.

500 Akademiker und Militärs im Ruhestand unterzeichneten unterdessen eine Petition, in der israelische Luftwaffenpiloten aufgefordert werden, sich nicht an einem einseitigen Angriff zu beteiligen. Einer am Donnerstag veröffentlichten Meinungsumfrage zufolge lehnen 61 Prozent der jüdischen Israelis einen Angriff gegen den Iran ohne Zustimmung der USA ab. Laut der Erhebung des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) äußerten sich außerdem 57 Prozent der Befragten überzeugt, dass mit der von der israelischen Führung angedrohten Attacke gegen den Iran hauptsächlich Druck auf die USA ausgeübt werden solle. 56 Prozent glaubten demnach nicht, dass Israel in naher Zukunft ohne Zusammenarbeit mit den USA angreifen werde.

Es wird zu einer iranischen Gegenreaktion kommen

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, warnte Israel davor, den Iran schon jetzt anzugreifen. In einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" schrieb Stein, auch bei einem erfolgreichen Angriff werde es zu einer iranischen Gegenreaktion kommen. In diesem Fall brauche Israel die internationale politische und militärische Unterstützung. Diese sei aber "nach einem israelischen Alleingang zu diesem Zeitpunkt längst nicht garantiert". Für den Fall, dass US-Präsident Barack Obama im November wiedergewählt werden und es 2013 nicht doch noch zu einer diplomatischen Lösung mit Teheran kommen sollte, müsse Washington zu den Waffen greifen, schrieb Stein. Dies sei erforderlich, "um das Ansehen, die Glaubwürdigkeit und vor allem die Interessen der USA in der Region nicht weiter erodieren zu lassen". Israel bleibe deshalb nichts anderes übrig, als auf die USA zu warten. "Jede andere Entscheidung würde verheerende Konsequenzen nach sich ziehen."

fro/DPA DPA

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