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Myanmar: Offenbar fünf Tote bei Aufstand

In Myanmar eskaliert der Konflikt zwischen Demonstranten und der Militärjunta. Laut einem Rundfunkbericht sind bei Zusammenstößen offenbar fünf Menschen getötet worden - durch Schüsse der Militärs. Den Angaben zufolge sind mindestens 20 Menschen verletzt worden.

Nach tagelangen Massendemonstrationen für mehr Demokratie hatte die Militärjunta in Myanmar nächtliche Ausgangsperren von 21.00 bis 05.00 Uhr über die beiden größten Städte des Landes, Rangun und Mandalay, verhängt. Außerdem wurden für die Metropole Rangun und die Stadt Mandalay Versammlungen von mehr als fünf Personen verboten.

Erste Gewaltakte

Mit Warnschüssen hat die Polizei am Mittwoch versucht, eine Versammlung von rund 100 protestierenden Mönchen aufzulösen, die das von der Militärregierung verhängte Versammlungsverbot ignorierten. Sie kamen in der Nähe eines Tores der Shwedagon-Pagode in Rangun zusammen, deren Gelände von Soldaten abgeriegelt wurde. Etwa 200 Passanten applaudierten, als die Mönche versuchten, das Heiligtum durch das östliche Tor zu betreten. Die Behörden forderten die Menge auf, auseinander zu gehen.

Bei den Demonstrationen in Myanmar sind am Mittwoch nach Angaben von buddhistischen Mönchen fünf Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der Rundfunksender Democratic Voice of Burma in Oslo mit. Alle fünf seien durch Schüsse der Militärs auf Demonstranten ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten bewege sich bei 20. Der täglich sieben Stunden nach Birma ausstrahlende Sender gab weiter an, dass in den beiden größten Städten Rangun und Mandalay jeweils wieder tausende Demonstranten auf der Straße seien. Die fünf Mönche seien alle in unmittelbarer Nähe der Shwedagon-Pagode erschossen worden.

Nach Berichten von Augenzeugen hatte das Militär schon zuvor Mönche verprügelt und Tränengas eingesetzt. Etwa 80 Personen seien festgenommen worden, erklärten die Beobachter. Nach Augenzeugenberichten seien etwa zehn Mönchen geschlagen worden, als sie versuchten, die Kette der Spezialkräfte zu durchbrechen, um in das Heiligtum zu gelangen. Die Lage sei sehr angespannt. Viele Passanten in der Nähe hätten sehr aufgebracht reagiert.

Wie die britische BBC und andere westliche Medien aus dem südostasiatischen Land berichteten, verstärkten die Sicherheitskräfte ihre Präsenz in Rangun. Nach Berichten von Augenzeugen wurden zudem die Krankenhäuser der Stadt in Bereitschaft versetzt.

Unterstützung aus dem Ausland

"Wir haben den Eindruck, dass die Sicherheitskräfte am Mittwoch vorrücken", hieß es in Oppositionskreisen. Zuvor waren am Dienstag erneut zehntausende Mönche und Zivilisten trotz Gewaltdrohungen und eines Demonstrationsverbotes auf die Straße gegangen und hatten offener als je zuvor ihre Verachtung für das Militärregime gezeigt. Die Proteste hatten sich an drastischen Preiserhöhungen entzündet und werden von buddhistischen Mönchen angeführt, die in Myanmar höchstes Ansehen genießen.

US-Präsident George W. Bush kündigte an, die Freiheitsbestrebungen der Bevölkerung mit verschärften Wirtschaftssanktionen zu unterstützen. "Die Amerikaner sind empört über die Situation in Myanmar, wo eine Militärjunta bereits seit 19 Jahren ein Regime der Einschüchterung führt", sagte er vor der UN-Vollversammlung in New York. China, einer der Hauptverbündeten Myanmars, mahnte einem "angemessenen" Umgang mit den Demonstranten an. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an die Machthaber, nicht gewaltsam gegen die Proteste vorzugehen.

Demonstranten forder mehr Demokratie

Nach Angaben von Augenzeugen beteiligten sich allein in Rangun am Dienstag mehr als 50.000 Menschen an den Protesten. Sie skandierten "Demokratie!" und "Der Wille des Volks muss erfüllt werden!". Einige Demonstranten trugen Fotos der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Die Demonstrationen waren aber kleiner als am Montag mit schätzungsweise 100.000 Teilnehmern. Beobachter führten das auf erste Drohgebärden des Regimes zurück. Am Dienstagmorgen waren Militärfahrzeuge mit Lautsprecheranlagen durch die Straßen gerollt. Die Menschen wurden davor gewarnt, sich an Protesten zu beteiligen. Schon das Zuschauen werde mit Gefängnis bestraft. Exil-Birmanen berichteten nach Gesprächen mit Verwandten, viele Landsleute fürchteten ein Blutbad wie 1988. Damals schlug das Militär eine Demokratiebewegung brutal nieder. Rund 3000 Menschen kamen dabei ums Leben.

DPA/AP/Reuters

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
Die Redaktion