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Nachricht nach Zahlen: Warum die USA 350 Milliarden Dollar für Atomwaffen ausgeben

Die gute Nachricht: Die Zahl der Atombomben sinkt. Die nicht ganz so gute Nachricht: Trotz Abrüstung werden die USA in den nächsten Jahren 350 Milliarden Dollar für Kernwaffen ausgeben. Warum?

Von Niels Kruse

Bikini-Atoll 1946: erster Atombomben-Test der USA

Bikini-Atoll 1946: erster Atombomben-Test der USA

Vor 69 Jahren testeten die USA den ersten Atomsprengkopf - seitdem sind schätzungsweise 2000 Atombomben explodiert, zwei davon im echten Einsatz, abgeworfen 1945 über Hiroshima und Nagasaki. Zum Höhepunkt des Wettrüstens zwischen den USA und der Sowjetunion in den 80er Jahren gab es weltweit 70.000 Kernwaffen, aktuell existieren noch rund 16.300, wie das Stockholmer Friedensinstitut Sipri für seine jährliche Bestandsaufnahme ermittelt hat. Allerdings sind davon nur verhältnismäßig wenige Sprengköpfe sofort einsatzbereit (USA 1920, Russland 1600). Der weitaus größere Teil dient als Reserve oder muss in absehbarer Zeit ausgemustert werden.

Eigentlich sieht das Abrüstungsabkommen "New Start" vor, dass die beiden Supermächte USA und Russland die Zahl ihrer Massenvernichtungswaffen weiter reduzieren. Ein Grund dafür sind auch die exorbitanten Kosten des Waffenarsenals. Allein die Instandhaltung einer B61-Bombe (von dem veralteten Modell existieren immer noch 400 Stück) kostet jährlich 25 Millionen Dollar. Insgesamt werden die USA in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise 350 Milliarden Dollar für Unterhalt, Pflege und Ausbau ihrer Atomwaffen und ihrer Trägersysteme ausgeben.

Zum Vergleich: 350 Milliarden Dollar sind etwas weniger als der gesamte deutsche Bundeshaushalt für 2014. Diese enorme Summe dient allein dem Erhalt und der Modernisierung der Kernwaffenkammer. Laut einer Studie des US-Fachinstituts CNS fallen etwa 80 bis 100 Milliarden für Bau und Wartung von Langstreckenbombern an, für Atom-U-Boote 1,5 Milliarden und 124 Milliarden für neue Langstreckenraketen. Insgesamt, so die Nuklearrüstungsexperten, müssen die USA mit Atomwaffen-Kosten von mindestens einer Billion Dollar für die nächsten 30 Jahre rechnen. Sehr viel Geld, nicht nur für die notorisch klammen Vereinigten Staaten - und vielleicht ein weiteres Argument, die Abrüstung voranzutreiben.

Mehr Hintergründe zu Atomwaffen und Abrüstung

Sämtliche Atombombenexplosionen bis 1998 in einem Animationsvideo:

Hier finden Sie mehr Hintergründe zu Atomwaffen (die Seite steht in Verbindung mit der Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs").

Themenseite des Auswärtigen Amts zu Abrüstung und Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen