Nahost Eiszeit in Israel


Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas will gegen radikale palästinensische Organisationen wie Hamas und islamischer Dschihad vorgehen. Israel plant angegblich eine massive Militäraktion.

Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag in Jerusalem will der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas massiv gegen die Drahtzieher des Attentats vorgehen. Auch die Regierung in Jerusalem plant nach dem Anschlag, bei dem 20 Israelis getötet und mehr als 100 verletzt wurden, eine schwere Militäraktion in den Palästinensergebieten, wie israelische Medien am Mittwoch berichteten. Ministerpräsident Ariel Scharon habe eine entsprechende Empfehlung der Armee und der Geheimdienste angenommen.

Rache für getöteten Dschihad-Kommandeur

Zu dem Anschlag auf einen mit ultraorthodoxen Juden voll besetzten Linienbus am Dienstagabend in der Jerusalemer Innenstadt bekannten sich die radikale Hamas-Organisation und der extremistische Islamische Dschihad. Sie begründeten die Tat, die von einem 29-jährigen Lehrer und Prediger aus Hebron (Westjordanland) begangen wurde, mit einer israelischen Armeeaktion, bei der am vergangenen Donnerstag der örtliche Kommandant des Dschihad getötet wurde. Unter den Opfern des Anschlags, bei dem über 50 Menschen zum Teil schwerst verletzt wurden, befanden sich ungewöhnlich viele Kinder.

Unmittelbar nach dem Attentat brach der palästinensische Regierungschef Abbas alle Kontakte zu den Extremistengruppen ab. Er gab Sicherheitsminister Mohammed Dachlan den Auftrag, gegen die Drahtzieher der Tat vorzugehen. Nach einer Sondersitzung Dachlans mit seinen Sicherheitschefs hieß es in einer ungewöhnlich scharf formulierten Erklärung, Israel sei wegen einer "andauernden Verstöße" gegen die Waffenruhe zwar zu einem Teil für die Verschlechterung der Lage verantwortlich, "aber gleichzeitig sehen wir Hamas und den Islamischen Dschihad als in einem größeren Maße verantwortlich für diese Eskalation. Alle israelischen Verstöße können niemals das rechtfertigen, was in Jerusalem geschehen ist." Die Extremisten hätten Israel nur den Vorwand gegeben, die "Forderungen aus dem Internationalen Nahostfriedensplans nicht umzusetzen".

Alle Gespräche gestoppt

Israel stoppte nach dem Attentat alle Gespräche mit der palästinensischen Regierung und schloss alle Zufahrtswege zum Westjordanland. Die Armee nahm inzwischen in Hebron im Westjordanland 17 Männer fest, die mit dem Selbstmordattentäter in Verbindung gestanden haben sollen. Ministerpräsident Scharon beriet den ganzen Tag mit Sicherheitschefs über mögliche israelische Aktionen in den Palästinensergebieten. Am Nachmittag hieß es, Scharon sei zu einem schweren militärischen Schlag entschlossen, wolle jedoch darauf verzichten, Palästinenserpräsident Jassir Arafat ins Exil zu schicken. Für Mittwochabend berief Scharon seine wichtigsten Minister zu einer Sondersitzung ein. In Gaza kündigte auch Abbas eine Kabinettssitzung an.

Abbas hatte bereits am Dienstagabend Konsequenzen aus dem Anschlag angekündigt. Am Mittwoch hieß es in Gaza, die Autonomiebehörde werden «jeden, der der Beteiligung an diesem Anschlag verdächtig ist, festnehmen und vor Gericht bringen". Die Täter hätten mit dem Attentat "die höchsten Interessen des palästinensischen Volkes verletzt". Elias Zananiri, Sprecher von Sicherheitsminister Mohammed Dachlan, sagte, der Regierungschef habe der Polizeiführung "klare Anweisungen gegeben".

DPA

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