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Nahost-Krieg: Abzug nur bei Stationierung von Friedenssoldaten

Israel macht einen Truppenabzug von der Stationierung internationaler und libanesischer Truppen abhängig. Israel und der Libanon haben Generalsekretär Kofi Annan zugesagt, die Kampfhandlungen ab Montagmorgen einzustellen.

Aber die israelische Armee werde den Süden des Landes erst verlassen, wenn dort gemäß einer UN-Resolution internationale sowie libanesische Truppen stationiert seien, sagte die israelische Außenministerin Zipi Livni am Sonntag vor Journalisten. Israel werde nur parallel zum Vorrücken von UN-Soldaten und libanesischen Kräften abziehen - und nicht etwa, wenn einzelne Soldaten des Libanon die Israelis bei ihrem Eintreffen zum Abzug aufforderten.

Zustimmung der israelischen als der libanesischen Regierung

Gut einen Monat nach Beginn der israelischen Offensive im Libanon sollen ab Montagmorgen die Waffen schweigen. Eine Resolution des Weltsicherheitsrates hat den Weg dafür geebnet. Sowohl die israelische als auch die libanesische Regierung nahmen die UN-Entschließung an. Auch die Hisbollah-Miliz erklärte sich zu einer Waffenruhe bereit. Dennoch gingen die Gefechte am Wochenende mit unverminderter Härte weiter. Mehrere Dutzend Menschen wurden getötet. Der von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenstillstand soll am Montagmorgen um 08.00 Uhr Ortszeit (07.00 Uhr MESZ) beginnen, wie UN-Generalsekretär Kofi Annan mitteilte.

Freilasung der entführten Soldaten

In den darauffolgenden Tagen und Wochen sollen 15.000 libanesische Soldaten und noch einmal so viele UN-Blauhelme zwischen der Grenze und dem Fluss Litani stationiert werden. Die Hisbollah-Kämpfer und die 30.000 eingerückten israelischen Soldaten sollen das Gebiet verlassen. Die am Freitagabend einstimmig verabschiedete Resolution sieht auch eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Das israelische Kabinett billigte die Resolution am Sonntag nach hitziger Debatte ohne Gegenstimme. Lediglich der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofas enthielt sich. Ministerpräsident Ehud Olmert wurde von Teilnehmern der Sitzung zitiert mit den Worten, die schiitische Hisbollah-Miliz werde nicht länger als Staat im Staate existieren. Die israelische Außenministerin Zipi Livni forderte die bedingungslose Freilassung der von der Hisbollah verschleppten Soldaten. Israel werde dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, sagte Livni nach der Sitzung des Kabinetts. Die Entführung der beiden Soldaten am 12. Juli war Anlass für die israelische Offensive im Libanon.

Schwere Gefechte vor der Waffenruhe

Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah signalisierte zwar Zustimmung zu den UN-Beschlüssen, erklärte aber zugleich, seine Miliz werde weiterkämpfen, bis Israel alle Soldaten abgezogen habe. Seit Beginn der Offensive feuerte die Hisbollah mehr als 4.000 Raketen auf Israel ab, wie der israelische Rundfunk meldete. Allein am Sonntag seien mehr als 200 Geschosse eingeschlagen, teilte die Polizei mit. Die israelische Luftwaffe griff am Sonntag erneut den Süden Beiruts an. Innerhalb von nur zwei Minuten erschütterten mindestens 20 gewaltige Explosionen den Vorort Dahije, eine Hochburg der Hisbollah, wie libanesische Fernsehsender meldeten. Mehrere Wohnhäuser wurden zerstört. Zunächst war unklar, wie viele Menschen dabei getötet oder verletzt wurden. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sah, wie die Leiche eines Kindes geborgen wurde.

Bei Angriffen auf die libanesische Hafenstadt Tyrus und andere Gebiete wurden am Sonntag mindestens elf Menschen getötet. Bereits am Samstag waren den Gefechten mindestens 19 Libanesen und 24 israelische Soldaten zum Opfer gefallen. Insgesamt kosteten die Kämpfe in den vergangenen Wochen mehr als 900 Menschen das Leben. Der stellvertretende Ministerpräsident Schimon Peres sagte, Israel müsse einige Lektionen aus dem Krieg lernen. "Meiner Ansicht haben wir aber politisch und militärisch die Oberhand gewonnen", erklärte er. Kritiker in Israel warnten allerdings, weder die libanesischen Streitkräfte noch die UN-Soldaten könnten die Hisbollah in Schach halten und Waffenlieferungen aus dem Iran unterbinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die UN-Resolution am Samstag "ein wichtiges Signal der Entschlossenheit der Staatengemeinschaft, die Kampfhandlungen zu beenden". Jetzt komme es darauf an, die Beschlüsse schnell und konsequent umzusetzen.

AP/Reuters / AP / Reuters