Nahost Vier Palästinenser im Gazastreifen getötet


Das Blutvergießen im Nahen Osten nimmt kein Ende. Im Gazastreifen wurden vier militante Palästinenser getötet. Über die Todesumstände gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Das Blutvergießen im Nahen Osten nimmt kein Ende. Am späten Sonntagabend wurden im Gazastreifen vier militante Palästinenser getötet. Über die Todesumstände gibt unterschiedliche Darstellungen. Nach palästinensischen Angaben wurden sie von der israelischen Armee erschossen. Israelischen Medienangaben zufolge detonierte dagegen eine selbst gebaute Bombe. Drei Menschen wurden bei dem Zwischenfall nahe der Ortschaft Beit Chanun schwer verletzt. Bei den Getöteten habe es sich Bewaffnete der "Al-Aksa-Märtyrer- Brigaden" gehandelt. Sie hätten möglicherweise einen Anschlag auf israelische Ziele geplant, hieß es.

Jeder Hamas-Führer ein Angriffsziel

Zuvor hatte Israel ungeachtet der internationalen Kritik erneut erklärt, es wolle weiter gezielt gegen die Anführer der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vorgehen. Am Rande einer Sonderkonferenz des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Jordanien sagte der israelische Außenminister Silwan Schalom am Sonntag: "Jeder Hamas-Führer ist ein Angriffsziel für Israel." US-Außenminister Colin Powell bedauerte dagegen die jüngsten Tötungen von Hamas-Anführern durch Israel. Nach Ansicht des so genannten Nahost-Quartetts behindern sowohl Israel als auch die Palästinenser die Verwirklichung des internationalen Friedensplans durch neue Gewalt.

Hamas kündigt Vergeltung an

Eine israelische Spezialeinheit hatte am Samstagabend einen Hamas- Führer in Hebron unter umstrittenen Umständen getötet. Nach israelischen Angaben wurde Abdallah Kawasmeh erschossen, als er versuchte, sich seiner Verhaftung zu widersetzen. Die Palästinenser sprachen von einem Attentat. Die Hamas kündigte Vergeltung an. Israel beschuldigte Kawasmeh, Drahtzieher einer Terrorserie zu sein, bei der mehr als 40 Israelis umkamen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon lobte die Militäraktion in Hebron als "erfolgreiche und sehr wichtige Operation".

Powell: Hamas torpediert Zwei-Staaten-Lösung

Powell sagte auf einer Pressekonferenz in Jordanien, Washington bedauere, dass derartige Aktionen fortgesetzt würden. Zugleich warf er der Hamas und der militanten Palästinenser-Gruppe Dschihad aber vor, die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung für Israel und die Palästinenser zu torpedieren. Die Schuld liege eindeutig bei "Terrororganisationen wie Hamas oder Dschihad", betonte er.

Nahost-Quartett fordert Israel zur Mäßigung auf

In einer gemeinsamen Erklärung des Nahost-Quartetts, zu dem die USA, die EU, Russland und die Vereinten Nationen gehören, wurde Israel aufgefordert, "Aktionen, die zum Tod palästinensischer Zivilisten führen", zu beenden. Diese zerstörten das gegenseitige Vertrauen und die Aussichten auf eine Zusammenarbeit beider Seiten. "Damit der Friedensplan verwirklicht werden kann, muss das darin enthaltene Prinzip der parallelen Schritte beibehalten werden", erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan, der die Erklärung verlas. Das Nahost-Quartett traf sich am Rande des Weltwirtschaftsforums im jordanischen Badeort Schuneh am Toten Meer.

Schalom sprach auf dem Forum auch mit seinen jordanischen und ägyptischen Kollegen Marwan Muascher und Ahmed Maher sowie dem bahrainischen Kronprinzen Scheich Salman Bin Hamad Al Chalifa. Das Treffen mit dem bahrainischen Kronprinzen löste bei arabischen Beobachtern Erstaunen aus. Bahrain unterhält, wie die meisten arabischen Staaten, keine diplomatischen Beziehungen mit Israel.

Fischer: Starke Rolle von Europa erwartet

Von Europa wird nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer eine starke Rolle im Nahost-Friedensprozess erwartet. Er begrüßte, dass die USA als Hauptvermittler zwischen Israel und den Palästinensern in den "Fahrersitz" zurückgekehrt seien. "Aber die USA allein sind nicht genug." Es seien gemeinsame internationale Bemühungen notwendig. Europa habe einen "besser ausgestatteten Werkzeugkasten als die USA", sagte Fischer. Er warnte vor Gefahren für Europa, wenn die Region weiter destabilisiert werde.

Rau spricht sich für Beendigung der Gewalt aus

Die regionale Einbettung von Libanon und Syrien müsse die nächste Etappe der Friedensbemühungen sein, sagte Fischer. Von Jordanien reiste der Minister am Sonntag weiter in die libanesische Hauptstadt Beirut, um bei der dortigen Regierung für die Unterstützung des internationalen Friedensplans für Israel und die Palästinenser werben. Bundespräsident Johannes Rau sprach sich unterdessen in Jerusalem eindringlich für eine Beendigung der Gewalt im Nahen Osten aus. Nach einem Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav sagte Rau, "eine Beendigung der Attentate, für die es keinerlei menschliche Begründung gibt, ist gegenwärtig das Wichtigste". Rau war am Morgen aus Jordanien angereist, wo er an der Eröffnung der Sonderkonferenz des Weltwirtschaftsforums teilgenommen hatte.


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