NAHOST Wieder Bombenanschlag in Jerusalem


Nur einen Tag nach dem letzten Selbstmordanschlag ist wieder eine Bombe in Jerusalem explodiert. Die Detonation an einer Bushaltestellte forderte mindestens sieben Tote.

Bei einem neuen Selbstmordanschlag in Jerusalem sind nach Angaben des israelischen Fernsehens am Mittwochabend mindestens sechs Israelis und der palästinensische Selbstmordattentäter ums Leben gekommen. Mindestens 35 weitere Personen seien verletzt worden, darunter acht schwer. Zu dem Attentat haben sich die Al-Aksa-Brigaden, der militante Flügel der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, bekannt.

Überreste eines Kinderwagens

Die Haltestelle im Viertel French Hill, das zum 1967 eroberten arabischen Teil Jerusalems gehört, wurde völlig zerstört. Auf dem Boden lagen mehrere abgerissene Körperteile und die Überreste eines Kinderwagens.

Attentäter kam im roten Audi

Ersten Berichten zufolge stieg der Attentäter aus einem roten Audi und zündete den Sprengsatz. Das Auto sei davongerast und in dem arabischen Ostteil der Stadt verschwunden, verlautete aus Polizeikreisen. Ein israelischer Regierungssprecher erklärte: »Die palästinensische Terrorwelle gegen die israelische Zivilbevölkerung dauert an.«

»Wiederbesetzung wird mit jedem Anschlag ausgeweitet«

Die israelische Regierung hatte am Mittwochmorgen die schrittweise Wiederbesetzung palästinensischer Autonomiegebiete angekündigt. Diese werde mit jedem Attentat ausgeweitet und so lange andauern wie der Terror, hieß es als Reaktion auf das Attentat vom Tag zuvor.

Führende Palästinenser warnten, dass diese Maßnahme nur zu neuem Blutvergießen führen werde. Israelische Truppen rückten erneut in drei Städte im Westjordanland ein.

Die Wiederbesetzung autonomer Gebiete werde schon in Kürze erfolgen, hieß es aus dem Büro von Ministerpräsident Ariel Scharon. Regierungssprecher Arieh Mekel erklärte, der palästinensische Präsident Jassir Arafat solle auf diese Weise gezwungen werden, gegen den Terror vorzugehen. Arafats Berater Ahmed Abdel Rahman entgegnete, die Pläne erhöhten nicht die Sicherheit Israels, wohl aber die Gefahr von noch mehr Gewalt. Der palästinensische Sicherheitschef im Westjordanland, Dschibril Radschub, erklärte, unter diesen Bedingungen sei eine Zusammenarbeit mit Israel bei der Festnahme mutmaßlicher Extremisten unmöglich.

Ausgehverbot in Dschenin

Nach dem Selbstmordanschlag vom Dienstag mit 20 Toten und 55 Verletzten rückten israelische Truppen abermals in Dschenin ein und schnitten die Stadt vom angrenzenden Flüchtlingslager ab. Es wurde ein Ausgehverbot verhängt. Augenzeugen zufolge wurden Männer zwischen 15 und 45 Jahren zum Verhör zu einem nahe gelegenen Militärstützpunkt abgeführt. Später drangen Panzer und Soldaten in Nablus ein, wo nach Armeeangaben drei Verdächtige festgenommen wurden. Auch in Kalkilja suchten Truppen nach mutmaßlichen Extremisten. Im Raum Hebron habe es sechs Festnahmen gegeben, hieß es.

Bush-Rede frühestens am Donnerstag

Wegen des jüngsten Anschlags verschob US-Präsident George W. Bush seine mit Spannung erwartete Rede zur Lage im Nahen Osten. Aus dem Weißen Haus verlautete, er werde sich frühestens am Donnerstag äußern und zuvor mit seinen Beratern die Auswirkungen des Attentats erörtern. Zuvor war in Washington bekannt geworden, Bush wolle seinen Außenminister Colin Powell zu einer neuen Nahost-Vermittlungsmission entsenden. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.


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