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Völkermord an den Hereros und Nama: Namibia fordert hohe Wiedergutmachung, das junge Volk eine Zukunft

Namibia fordert für den von Deutschland begangenen Völkermord an den Stämmen der Herero und Nama eine sehr hohe Summe zur Wiedergutmachung. Junge Namibier wollen hingegen keine Entschädigung, sondern eine Zukunft. 

Eine Schülerin aus Namibia

Eine Schülerin der deutsch-namibischen Schule in Windhuk. Ihre Vorfahren sind teils deutscher Abstammung. Ihr Onkel war ein wichtiger Vertreter der Herero. Die junge Bevölkerung Namibias möchte eine Zukunft mit guter Bildung.

Namibia und Deutschland befinden sich in Verhandlungen um eine Reperationszahlung der deutschen Regierung wegen des Völkermords an den Herero und Nama. Das deutsche Kaiserreich hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der Kolonialisierung in Deutsch-Südwestafrika (heutiges Namibia) die Stämme nahezu komplett ausgerottet. 

"Die namibischen Erwartungen sind deutlich höher, als das was Deutschland tun kann", sagte der deutsche Verhandlungsführer Ruprecht Polenz. Die Bundesregierung habe zusätzlich zur laufenden Entwicklungshilfe ein "sehr substanzielles materielles Engagement" angeboten, sagte Polenz der Deutschen Presse-Agentur. Um welche Summen es bei den Verhandlungen genau geht, hat bislang keine Seite preisgegeben.

Die Diskussionen fänden in guter Atmosphäre statt, aber bei der Frage des "wie viel" gebe es weiter Gesprächsbedarf, sagte Polenz. Die Verhandlungen gehen inzwischen bereits ins dritte Jahr. "Das macht mir auch ein bisschen Sorge", sagte Polenz, der bis 2013 im Bundestag Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses war. Die Stimmung in Namibia werde gereizter, so Polenz. Die nächste Verhandlungsrunde werde voraussichtlich in den kommenden Wochen stattfinden.

Aufklärung über den Völkermord an den Schulen in Namibia

"In der Schule reden wir über den Völkermord und das Verhältnis zwischen Namibia und Deutschland", sagt Schülerin Muna Muetudhana. Die Familie der 16-Jährigen gehört zur Volksgruppe der Herero, die von deutschen Soldaten vor gut Hundert Jahren fast völlig ausgerottet wurde. Jetzt ist sie eine von rund 1000 Schülern der Deutschen Höheren Privatschule Windhuk, die zu den besten Schulen des Landes gehört. Bei ihren Eltern sei die schwierige Vergangenheit eigentlich kein Thema mehr. "Nur meine Großeltern erzählen manchmal etwas".

"Berlin 11.000 Kilometer" steht auf einem Wegweiser am Eingang der Schule - und das obwohl die meisten Schüler noch nie in Deutschland waren. Gut zwei Drittel der Schüler der Klassen 1-12 sind deutschstämmig, das heißt sie haben mindesten einen Elternteil mit deutschen Wurzeln, wie Schulleiterin Kristin Eichholz erklärt. Ob schwarz oder weiß, die Schule ist nur eine Option für Kinder wohlhabender Eltern: Stipendien gibt es nur ein paar Dutzend und die Schulgebühren liegen etwa bei 3000 bis 4000 Euro pro Jahr.

Junge Namibier wollen eine Zukunft – auch in Deutschland

Für manche Schüler der schwarzen Minderheit an der Schule ist die Vergangenheit nicht nur Geschichte. "Mein Uropa war Deutscher, mein Onkel, Chief Koima Riruako, ein wichtiger Herero-Stammesführer", erzählt die 20-jährige frischgebackene Abiturientin Ngambui Riruako. Als einziges schwarzes Mädchen in der Klasse des deutschsprachigen Zweigs habe sie immer zwischen den Stühlen gesessen. "Reparationen sind für mich nicht so wichtig.

Besser wäre es, Schulen zu bauen, um die Beziehungen zwischen den Volksgruppen zu verbessern", meint sie. Berlin hatte den Begriff "Völkermord" jahrzehntelang vermieden, auch um Forderungen nach Entschädigungszahlungen zu verhindern. Erst 2015 rang sich die Regierung durch, das Schicksal der Herero offiziell als Völkermord zu bezeichnen. Seither laufen Verhandlungen zwischen Berlin und Windhuk, um eine gemeinsame Sprachregelung zu finden und die "Wunden zu heilen".

Namibia hat eine junge Bevölkerung: Gut 40 Prozent der Menschen sind der Weltbank zufolge unter 18. Sie wurden fast ein Jahrhundert nach dem Völkermord geboren. Der Konflikt um Reparationen ist daher auch ein Generationenkonflikt: Den Alten geht es um Besitz und Land, den Jungen um Bildung und Zukunft. Auf dem Pausenhof der deutschen Schule träumen schon jetzt viele von einem Studium in Europa: Riruako will in Deutschland studieren und Journalistin werden, Muetudhana möchte dort Luftfahrttechnik studieren.

fk / DPA