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Neue Veröffentlichung geheimer Dokumente: Pentagon ruft Medien zu Wikileaks-Boykott auf

Nervosität im Pentagon: Nachdem die Internet-Plattform WikiLeaks erneut die Veröffentlichung geheimer US-Kriegsdokumente angekündigt hat, hat die US-Regierung die Medien dazu aufgerufen, WikiLeaks zu boykottieren. Unterdessen lehnte Schweden eine Aufenthaltserlaubnis für Wikileaks-Gründer Asange ab.

Kurz vor einer neuerlich drohenden Wikileaks-Enthüllung hat das Pentagon Medien dazu aufgerufen, Hunderttausende geheime Militärakten zum Irak-Krieg nicht zu veröffentlichen. Nachdem die Internet-Plattform im Juli fast 77.000 Afghanistan-Dokumente ins Netz stellte, rechnet das amerikanische Verteidigungsministerium nun mit einer ähnlichen Aktion.

Das Pentagon sagte, Wikileaks habe bis zu 400.000 Dokumente von einer Militärdatenbank zu Operationen im Irak. Wikileaks-Gründer Julian Assange hingegen spielte am Montag Gerüchte um eine bevorstehende Enthüllung herunter. Via Twitter teilte er mit, die Informationen kämen von einem einzigen Boulevard-Blog, der schon zig Falschinformationen über Wikileaks verbreitet habe. Dennoch ist eine 120 Mann starke Sondereinheit laut Militär in höchster Alarmbereitschaft. Diese überprüft seit Wochen die fraglichen Dokumente auf sensible Informationen.

Afghanistan-Dokumente laut Gates harmlos

Einem Pentagonsprecher zufolge ist sich das Militär nicht sicher, ob Wikileaks bei der erwarteten Enthüllung geheimer Militärakten zum Irak-Krieg mit den Medien kooperiere wie bei der letzten Aktion im Juli, als die "New York Times", der "Guardian" und "Der Spiegel" die Wikileaks-Dokumente zum Afghanistan-Krieg veröffentlichten. Doch die Medien sollten die "gestohlenen" Informationen nicht verbreiten, selbst wenn diese bereits ins Netz gestellt worden seien. Damit machten sie sich zu Handlangern von Wikileaks. Eine Veröffentlichung der Dokumente durch Medienorganisationen mache auch die Enthüllungsplattform glaubwürdiger und begünstige ihr Tun, hieß es aus dem Pentagon weiter.

Verteidigungsminister Robert Gates versuchte derweil, die Veröffentlichungen vom Juli zu bagatellisieren. Die Afghanistan-Dokumente hätten keine hochbrisanten Informationen verraten. Dennoch gefährdeten Enthüllungen dieser Art amerikanische Interessen, nicht zuletzt, weil afghanische Informanten namentlich genannt worden seien.

Schweden: Keine Aufenthaltserlaubnis für Asange

Unterdessen hat die schwedische Einwanderungsbehörde den Antrag des Wikileaks-Gründers auf eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis abgelehnt. Der Australier beabsichtigte, in Schweden die Zentrale von Wikileaks aufzubauen, um dort von dem gesetzlichen Informantenschutz zu profitieren. Wie die Sprecherin der Einwanderungsbehörde, Gunilla Wikstrom, der Nachrichtenagentur AP sagte, wurde der Antrag am Montag abgelehnt. Zu den Gründen machte sie keine weiteren Angaben.

Schwedische Staatsanwälte ermitteln weiterhin gegen Assange wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von zwei Frauen. Assange weist die Vorwürfe zurück.

dho/DAPD / dapd