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Neuer Eklat in Italien: Silvio Berlusconi rastet in Fernsehshow aus

Stellen Sie sich vor, Angela Merkel ruft live in einer "Panorama"-Sendung an und beschimpft die Moderatorin. Gibt's nicht? Gibt's doch – in Italien. Dort hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor laufender Kamera für einen Eklat gesorgt.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat in einer Live-Sendung komplett die Nerven verloren. Der 74-Jährige, der wegen Begünstigung der Prostitution im Visier der Mailänder Staatsanwälte steht, rastete am späten Montagabend in einer kritischen TV-Show aus und belegte den Moderator mit wüsten Schimpfworten.

Berlusconi hatte sich per Telefon in die von dem TV-Kanal La 7 live ausgestrahlte Talkshow "L'Infedele" (Der Untreue) zuschalten lassen. Thema der Sendung war die jüngste Sex-Affäre des Regierungschefs. Am Telefon ließ er seinen Gefühlen freien Lauf. Er nannte das Programm ein "ekelhaftes Fernsehbordell". Insbesondere Moderator Gad Lerner bekam sein Fett weg. "Ich bin Zeuge einer widerwärtigen Talkshow unter einer verächtlichen, unflätigen und scheußlichen Moderation", wetterte Berlusconi. Der TV-Talker ließ sich nicht lange bitten, nannte den Ministerpräsidenten einen "unerzogenen Proleten" und Rüpel.

Der 74-jährige Medienmogul und Regierungschef wird von der Staatsanwaltschaft in Mailand verdächtigt, eine Reihe junger Mädchen gegen Bezahlung zu orgienhaften Parties in seine Villa Arcore bei Mailand eingeladen zu haben. Zu diesem Harem soll unter anderem die damals noch minderjährige Marokkanerin Karima El-Marough alias "Ruby" gehört haben.

Mit seinem Anruf wollte Berlusconi dabei vor allem Nicole Minetti Rückendeckung geben. Die 26-jährige ehemalige Dentalhygienikerin des Ministerpräsidenten war im vergangenen Jahr dank Berlusconis Unterstützung zur Regionalabgeordneten in der Lombardei gewählt worden. Inzwischen wird sie von den Mailänder Staatsanwälten der Beihilfe zur Prostitution bezichtigt. Sie soll es gewesen sein, die die jungen Frauen für Berlusconi ausgesucht und kontrolliert hat.

Der Regierungschef sprach empört von einer Verleumdungskampagne gegen Minetti, die er als "intelligente und ernsthafte Person" bezeichnete - was er von den zu der Show eingeladenen Prostituierten nicht behaupten könne.

kng/AFP/DPA / DPA
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