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Neues Sparpaket: Griechenland will zwei Jahre mehr Zeit

Die griechische Regierung will für die Erfüllung ihrer Sparziele einen Aufschub aushandeln. Auch deutsche Ökonomen sprechen sich dafür aus, Geduld mit Athen zu haben. Der Wandel brauche ein Jahrzehnt.

Griechenland will für die Erfüllung seiner neuen Sparpläne im Umfang von rund 11,5 Milliarden Euro zwei Jahre mehr Zeit als bisher geplant aushandeln. Er fände es "am besten", wenn vier statt zwei Jahre vereinbart würden, sagte Regierungschef Antonis Samaras der US-Tageszeitung "Washington Post" vom Samstag. "Wir reden über eine Ausweitung bis zum Jahr 2016", führte er aus.

Die Finanzminister der Eurozone hatten bei einem Treffen im zyprischen Nikosia am Freitag über den weiteren Umgang mit Griechenland beraten. Konkrete Ergebnisse gab es nicht, jedoch schien die Bereitschaft durch, Athen bei den Zeitplänen für die geforderten Spar- und Reformmaßnahmen entgegenzukommen. Dabei geht es auch um bereits vereinbarte Maßnahmen. Entscheidungen über das weitere Vorgehen werden beim EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober in Brüssel erwartet.

Intensivere Aufsicht Athens diskutiert

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wirbt für mehr Geduld mit Athen. Die Aufgabe, vor der Griechenland stehe, brauche ein Jahrzehnt, sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts, Michael Hüther, der "Wirtschaftswoche". "Das hat man bei der Transformation osteuropäischer Länder gesehen. Im Grunde geht es hier um einen ähnlichen Entwicklungsprozess."

Die Sparziele für Griechenland seien riesig, sagte Hüther. Auf Deutschland umgerechnet, entsprächen die verlangten Einsparungen 180 Milliarden Euro. Allerdings brachte Hüther im Gegenzug zu zeitlichen Zugeständnissen eine intensivere Aufsicht Athens ins Gespräch. Dabei würden EU-Beamte permanent in Athen die Regierung überwachen und für die Durchsetzung von Sparbeschlüssen sorgen.

Sparpaket in der Regierung umstritten

Griechenland hängt seit mehr als zwei Jahren am internationalen Finanztropf und hat schon zwei Hilfsprogramme zugesagt bekommen. Nach dem ersten Hilfsprogramm in Höhe von 110 Milliarden Euro aus dem Jahr 2010 sieht das zweite Paket von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Eurozone Notkredite im Umfang von 130 Milliarden Euro bis Ende 2014 vor. Im Gegenzug muss Athen Spar- und Reformauflagen erfüllen, deren Umsetzung jedoch wegen der Neuwahlen im Frühjahr ins Stocken geriet. Um eine weitere Hilfstranche von 31 Milliarden Euro zu erhalten, muss das neue 11,5-Milliarden-Euro-Sparpaket stehen.

Griechenlands Finanzminister Giannis Stournaras sagte in Nikosia, das Paket solle in etwa "zehn Tagen" geschnürt sein. Derzeit werde noch über darin enthaltene Maßnahmen mit einem Volumen von vier Milliarden Euro verhandelt. Verhandlungspartner Griechenlands sind die Experten der sogenannten Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB), die sich derzeit zur Überprüfung der Fortschritte in Athen aufhalten.

Widerstand gegen die geforderten Einsparungen regt sich allerdings nicht nur unter den Bürgern, das jüngste Sparpaket ist auch in der Regierungskoalition umstritten. Wegen des innenpolitischen Gerangels werden die Griechen noch mehr als einen Monat auf neue Hilfskredite warten müssen, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Freitag in Nikosia. Zudem denken die Europartner und der IWF inzwischen über eine Streckung der Sparziele nach. Damit würden sie dem Wunsch von Ministerpräsident Antonis Samaras entgegenkommen.

lea/AFP/DPA / DPA