HOME

NICARAGUA: Ortega auf dem »Pfad der Liebe«

In Nicaragua ist ein neuer Präsident gewählt worden. Elf Jahre nach dem Ende der Revolution bemühte sich dabei der frühere sandinistische Präsident Daniel Ortega um einen politischen Neubeginn.

Elf Jahre nach dem Ende der sandinistischen Revolutionsregierung in Nicaragua hat sich Expräsident Daniel Ortega am Sonntag um ein Comeback bemüht. Der 55-Jährige lieferte sich im Wahlkampf bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem 18 Jahre älteren Enrique Bolanos von der Liberalen Verfassungspartei (PLC).

Nach dem Sturz der Somoza-Diktatur im Jahr 1979 führte Ortega die Regierung bis zu seiner Wahlniederlage von 1990. Während dieser Zeit standen die Sandinisten in einem blutigen Bürgerkrieg mit den Contra-Rebellen, die von den USA unterstützt wurden. Im Wahlkampf versprach der ehemalige Guerillaführer eine Politik der Aussöhnung und die Fortsetzung der freien Marktwirtschaft bei verstärkten Maßnahmen gegen die Korruption. Im Mittelpunkt seiner Kampagne stand der Slogan vom »Pfad der Liebe«.

Ortegas konservativer Konkurrent Bolanos war bis zum Sommer Vizepräsident unter dem scheidenden Amtsinhabers Arnoldo Aleman. Bolanos ist einer der schärfsten Kritiker der Sandinisten; während der 80er Jahre wurden sein Unternehmen

verstaatlicht und der größte Teil seines persönlichen Vermögens beschlagnahmt. Keine Erfolgschancen wurden dem dritten Präsidentschaftskandidaten beigemessen, Alberto Saborio von der Konservativen Partei.

2, 9 Millionen Wahlberechtigte

Neben dem Präsidenten hatten die 2,9 Millionen Wahlberechtigten auch die 90 Abgeordneten der Volksversammlung und 20 Vertreter für das Zentralamerikanische Parlament zu bestimmen. Wahl und Stimmenauszählung werden von mehreren tausend in- und ausländischen Beobachtern überwacht, unter ihnen auch der frühere US-Präsident Jimmy Carter.

Trotz eines kräftigen Wachstums der Volkswirtschaft in den vergangenen drei Jahren hat sich an der Armut in Nicaragua kaum etwas geändert. Die Mehrheit der fünf Millionen Nicaraguaner müssen mit einem durchschnittlichen Einkommen von umgerechnet 2,20 Mark am Tag auskommen. Wegen sinkender Kaffeepreise am Weltmarkt hat Nicaragua keine Fortschritte erzielt, um die Auslandsverschuldung von vier Milliarden Dollar abzubauen.