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Nord- und Südkorea: Feinde in Friedenslaune

Völkerrechtlich gesehen befinden sich beide Staaten immer noch im Kriegszustand. 60 Jahre nach dem Weltkriegsende in Asien gedenken Nord- und Südkorea der Befreiung von Japan dennoch erstmals gemeinsam.

In einer Geste der Annäherung ist eine Delegation aus dem kommunistischen Norden in Südkorea eingetroffen, wo beide Staaten den 60. Jahrestag der Befreiung von japanischer Kolonialherrschaft gemeinsam begehen. Japan hatte am 15. August 1945, fünf Tage nach dem Abwurf der Atombombe auf Nagasaki, seine Niederlage erklärt. In Korea wird das Datum als "Tag der Befreiung" gefeiert. Die insgesamt vier Tage dauernden Feierlichkeiten sind Anzeichen einer Entspannungspolitik beider Staaten trotz des noch immer ungelösten Streits um Nordkoreas Atomprogramm.Gegen die Besucher aus dem Norden protestierten indes vor dem Gelände zahlreiche Demonstranten, die jedoch von der Polizei abgeführt wurden. Sie forderten unter anderem, Pjöngjang solle anerkennen, dass Nordkorea den Krieg begonnen hat.

Die Delegation unter Führung des hohen kommunistischen Parteifunktionärs Kim Ki-Nam besuchte am Sonntag unter anderem den südkoreanischen Nationalfriedhof in Seoul und ein Ehrenmal für die im Koreakrieg Gefallenen. Den in der Geschichte der verfeindeten Staaten beispiellosen Besuch betrachtet die Regierung in Seoul als besondere Geste des Nordens, der nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) keinen Friedensvertrag mit dem Süden geschlossen hat. "Das ist der Beginn, sich der unglückseligen Vergangenheit zu stellen, in der sich die Angehörigen des eigenen Volkes gegenseitig getötet haben", sage der stellvertretende südkoreanische Vereinigungsminister Rhee Bong Jo. Nam erklärte laut Medienberichten: "Wir haben den Besuch vorgeschlagen, um der vielen zu gedenken, die für Koreas Befreiung gestorben sind."

Fußball für den Frieden

Zwei nordkoreanische Passagierflugzeuge hatten die 182-köpfige Delegation aus Pjöngjang nach Inchon in der Nähe von Seoul gebracht. Auf dem Programm stand auch ein Fußballspiel zwischen den beiden koreanischen Staaten. In dem "Vereinigungsspiel" schlug Südkorea Nordkorea mit 3:0 (2:0). Die zweite Begegnung beider Teams in nur zehn Tagen fand vor mehr als 60.000 Zuschauern im WM-Stadion von Seoul statt. Auf den Zuschauerrängen herrschten "neutrale" Vereinigungsfahnen mit dem Abbild einer koreanischen Halbinsel in blau auf weißem Hintergrund vor. Das Zeigen der südkoreanischen Fahne oder das Rufen des eigenen Landesnamens als Anfeuerung für die Spieler waren untersagt. Der südkoreanische Fanclub "Red Devils" boykottierte allerdings das Freundschaftsspiel.

Südkoreas Außenminister Ban Ki Moon hat angekündigt, seine Regierung wolle mit der Delegation auch Gespräche über die ins Stocken geratene internationale Korea-Konferenz führen. Bei den Verhandlungen suchen die beiden Länder zusammen mit Japan, China, Russland und den USA nach einer Lösung im Atomstreit. Zuletzt waren die Gespräche in Peking am 7. August nach zwei Wochen unterbrochen worden. Sie sollen Ende des Monats fortgesetzt werden.

Streit über Vergangenheitsbewältigung

Japan hatte Korea von 1910 bis 1945 besetzt und die Kolonie in dieser Zeit mit eiserner Hand beherrscht. Die Schmach der 35 Jahre langen Besetzung sitzt in beiden Teilen der koreanischen Halbinsel noch immer tief. Noch heute gibt es Streit zwischen Südkorea und Japan über die Vergangenheitsbewältigung der führenden Wirtschaftsmacht Asiens. Die Regierung in Seoul wirft Japan vor, insbesondere in Schulbüchern Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg ebenso zu verharmlosen wie die Kolonialherrschaft.

Jack Kim/Reuters / Reuters