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Nordkorea: Kim Jong-un drückt die Hand einer Verletzten: Warum dieses Foto eine Sensation ist

Wie ein Oberarzt beugt sich Diktator Kim Jong-un über das Krankenbett und hält die Hand einer Verletzten. Ein Fotograf drückt auf den Auslöser. Das Bild erscheint auf dem Titelblatt einer Zeitung. So geht Sensation in Nordkorea.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Krankenhaus

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Krankenhaus: Ein Händedruck, ein Blick. Ein Bild, das es so noch nie gab.

AFP

Kim Jong-un, wie die Welt ihn bisher von Fotos kennt: Er guckt grimmig, hinter ihm hängen rote Flaggen mit Hammer und Sichel. Er beobachtet einen Raketentest, dann lacht er. Er klatscht in die Hände, hinter ihm ein stramm stehendes Militär. Und meistens trägt er schwarz - und, ab und an, mutige Kopfbedeckungen.

Nun aber neue Bilder: Plötzlich trägt Jong-Un weiß, es ist ein Arztkittel. Etwas befremdlich beugt er sich über ein Krankenbett in einer nordkoreanischen Klinik und drückt die Hand der Verletzten im Bett. Jong-Un besucht die Überlebenden eines Busunglücks in Nordkorea, das zeigen Videoaufnahmen, die unter anderem der britischen "Guardian" veröffentlichte. Der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge war der Bus am Sonntag von einer Brücke abgekommen und in die Tiefe gestürzt. 36 Personen starben, darunter 32 Chinesen und vier Nordkoreaner.

Kim Jong-un empfinde darüber "bitteren Schmerz", heißt es nun, am Tag zuvor war von "unkontrollierbarer Trauer" die Rede. Mit dem weißen Kittel, den er vorne nicht geschlossen hat, sieht man Kim Jong-un in den Videoberichten im Krankenhaus sitzen, eine Gruppe Ärzte sitzt ihm offenbar gegenüber. Die Fachleute reden nicht. Kim Jong-un redet. Nordkoreas Parteizeitung "Rodong Sinmun" berichtet über den Klinikbesuch auf der Titelseite.

Nordkorea: Schlechte Nachrichten gibt es nicht

An diesem Geschehen überrascht so einiges. Zum Beispiel, dass der Vorfall überhaupt bekannt geworden ist. In den nordkoreanischen Staatsmedien sind Berichte über negative Ereignisse äußerst selten. Genauso selten wie überraschend: Kim, der über das Unglück spricht. Und: Fotos von Kim ohne Flaggen oder Militärtrupps im Hintergrund. Der Machthaber wird in der Regel nur bei offiziellen Treffen und bei Besuchen bei Arbeitern oder Soldaten fotografiert.

"Diese Zurschaustellung ist ein weiteres Zeichen dafür, wie Kim versucht, sich als konventionellen Führer darzustellen", schreibt dazu der "Guardian". "Als jemanden, der sowohl den Opfern einer Tragödie sein Mitleid ausdrücken als auch starke Erklärungen abgeben kann." Angesichts der wichtigen Termine, die demnächst auf den nordkoreanischen Diktator warten, wohl eine gezielt lancierte Botschaft: Am Freitag treffe sich Kim mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, heißt es in dem Bericht, das Treffen mit Donald Trump finde wohl Ende Mai oder Anfang Juni statt. 

Kim Jong-uns Klinikbesuch: Warum diese Bilder?

Man wolle alles daran setzen, den Schmerz der Hinterbliebenen zu lindern, wird Kim Jong-un von der staatlichen Nachrichtenagentur zitiert. Bei Chinas Botschafter in Nordkorea stießen diese Worte auf Wohlwollen. Li Jinjun bedankte sich bei Kim und sprach laut Berichten von einer "unzerbrechlichen und großartigen Freundschaft", das die beiden Länder verbinde. Die britische BBC schlägt deshalb eine weitere Lesart der Geschehnisse vor: "Kims rascher Besuch der Verletzen - und die Berichterstattung darüber - kann man wohl als Maßnahme verstehen, sein Image in der chinesischen Bevölkerung schützen zu wollen."

China ist Nordkoreas wichtigster Verbündeter, auch die große Mehrheit der Touristen in dem abgeschotteten Land stammt aus China. Die beiden Länder haben eine lange gemeinsame Landgrenze, zudem gibt es Flüge zwischen beiden Staaten. Zehntausende chinesische Touristen sollen Nordkorea jedes Jahr besuchen, viele reisen per Zug in das Nachbarland. 

Cheerleader Nordkoreas bei Olympia
pg