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Trotz Verhandlungen mit Trump: Hat der Westen da etwas falsch verstanden? Nordkorea baut offenbar sein Atomprogramm aus

Donald Trump ist optimistisch, dass Nordkorea seine Atombomben abschafft. Aber offenbar ist das Gegenteil der Fall. Experten diskutieren darüber, ob das Regime den Westen an der Nase herumführt oder wie geplant weitermacht.

Donald Trump und Kim Jong Un

Donald Trump (r.) und Kim Jong Un werden bei ihrem zweiten Gipfel wohl Einiges zu besprechen haben

AFP

Nordkorea treibt nach Informationen der "New York Times" sein Atomwaffenprogramm voran. Das Blatt beruft sich dabei auf eine Untersuchung des US-Think-Tanks CSIS (Zentrum für strategische und internationale Studien). Demnach sollen Satellitenbilder belegen, dass die nordkoreanische Führung an mehr als einem Dutzend verborgenen Standorten an dem Ausbau seines Atomwaffen- und Raketenarsenals arbeite. Nordkorea habe dies nicht offengelegt und täusche die amerikanischen Verhandlungspartner, hieß es. Im Sommer hatten US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Führer Kim Jong Un über die Abrüstung der koreanischen Halbinsel verhandelt.

Keine Abmachung zwischen USA und Nordkorea 

Die Einschätzung, dass die Führung der Diktatur die Welt an der Nase herumführe, teilt allerdings nicht jeder. Der Nuklearexperte Daryl Kimball von der Washingtoner Organisation "Arms Control Association" sagte der US-Seite "Daily Beast": "Pjöngjang macht einfach weiter wie angekündigt. Es hat niemals versprochen, mit der Entwicklung und Aufstellung des Nukleararsenals aufzuhören". Es gebe schlicht keine Abmachung zwischen den USA und Nordkorea über nukleare Abrüstung – anders als Trump seit dem Gipfel in Singapur suggeriert.

Kim hatte zu Beginn des Jahres in einer Rede gesagt, das Atomprogramm sei fertig entwickelt und entsprechende Anlagen würden demontiert. Laut chinesischen Experten sei ein Stollen bei den Atombombentest ohnehin zerstört worden. Kim hatte im Sommer dann seinen Willen zur atomaren Abrüstung bekundet, aber bisher aber keine konkreten Zusagen gemacht, wann und wie sein bestehendes Atomwaffen- und Raketenarsenal abgebaut werden soll. Bislang betrachtet das Regime in Nordkorea ihr nukleares Arsenal als (einzige) Versicherung für das politische Überleben. Zudem hatte die Kim-Familie bereits in der Vergangenheit mehrfach seine Abrüstungsversprechungen gebrochen.

Donald Trump preist Fortschritte

Der US-Präsident dagegen spricht regelmäßig von großen Fortschritten bei den Gesprächen mit Nordkorea. In den nächsten Monaten soll ein zweites Treffen Trumps mit Kim stattfinden. Ursprünglich hatte sich US-Außenminister Mike Pompeo erst vor wenigen Tagen in New York mit Nordkoreas Chefunterhändler Kim Yong Chol treffen wollen, um den zweiten Gipfel vorzubereiten. Das Treffen war jedoch kurzfristig auf ein unbestimmtes Datum verschoben worden.

Trump verkauft seine Nordkorea-Politik seit Monaten als großen Erfolg. Die "New York Times" schrieb unter Berufung auf die neuen Erkenntnisse, die nordkoreanische Führung speise die US-Regierung bewusst mit kleinen Entgegenkommen ab, während sie hinter den Kulissen einen Ausbau des eigenen Raketenarsenals forciere. Die Bilanz des kalifornischen Nuklear-Experten Jeffrey Lewis: "Kim betrügt niemanden. Trump betrügt sich selbst"; so der Forscher in "The Daily Beast".


Quellen: "The New York Times", CSIS, "The Daily Beast"

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nik mit DPA