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Obamas Antrittsrede: "Wir sind wieder bereit zu führen"

Historische Momente in Washington: Barack Obama ist als 44. Präsident der USA vereidigt worden. In seiner ersten Rede als Präsident schwor der Demokrat seine Landsleute auf harte Zeiten ein, sagte aber, dass die USA wieder eine Führungsrolle übernehmen wollen.

Barack Obama ist am Dienstag als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt worden. Vor dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, John Roberts, sagte Obama: "Ich gelobe feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen will." Bei der Vereidigung legte der neue US-Präsident die Hand auf eine Bibel, die bereits Abraham Lincoln bei seiner Amtseinführung 1861 dafür verwendet hat. Der in der Verfassung verankerten Eidesformel fügte er wie seine Vorgänger den religiösen Zusatz hinzu: "So help me God" (So wahr mir Gott helfe).

In einer mitreißenden und schonungslos offenen Rede hat der Obama die amerikanische Nation zur Erneuerung aufgerufen. Nach acht Jahren unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush rief Obama seinen begeisterten Landsleuten am Dienstag in Washington zu: "Mit dem heutigen Tag müssen wir anfangen, (...) Amerika neu zu gestalten." Auf den Stufen des Kapitols beschwor er vor Millionen jubelnder Menschen die Kraft und die Einheit Amerikas.

Patchwork-Erbe ist eine Stärke

Er machte seinem Volk aber auch Mut. Das Land müsse stolz sein auf seine verschiedenen Kulturen. "Wir wissen, dass unser zusammengewürfeltes Patchwork-Erbe eine Stärke ist, keine Schwäche. Wir sind eine Nation von Christen und Muslimen, Juden und Hindus - und Nicht-Gläubigen", sagte er. "Wir sind geprägt durch jede Sprache und Kultur, aus jedem Winkel dieser Erde." Er erinnerte an seinen in Kenia geborenen Vater, der vor weniger als 60 Jahren wegen der Rassentrennung in einem amerikanischen Restaurant nicht bedient worden war. Nun habe dessen Sohn den Eid für das Amt des Präsidenten abgelegt.

"An diesem Tag kommen wir zusammen, denn wir haben die Hoffnung über die Angst gestellt, das gemeinsame Ziel über Uneinigkeit und Zwietracht." Die Herausforderungen seien ernsthaft und zahlreich, machte der 47-Jährige seinen Landsleuten klar. "Sie werden nicht leicht oder kurzfristig zu meistern sein", warnte er vor übertriebenen Erwartungen. "Aber wisse, Amerika: Wir werden sie meistern." Amerika dürfe keine Zeit verlieren. "Dass wir uns mitten in einer Krise befinden, weiß inzwischen jeder", sagte der energisch auftretende 44. Präsident der Vereinigten Staaten. "Mit dem heutigen Tag müssen wir anfangen, uns alle am Riemen zu reißen und die Ärmel hochzukrempeln."

Der fünftjüngste Präsident in der Geschichte der USA nannte als deutliche Zeichen der Krise die Probleme auf dem Immobilienmarkt, die wachsende Arbeitslosigkeit sowie die Mängel des Gesundheitswesens: "Häuser und Arbeitsplätze gingen verloren, Unternehmen wurden geschlossen. Unsere Gesundheitsversorgung ist zu teuer, unsere Schulen sind nicht gut genug, und jeder Tag bringt den neuen Beweis dafür, dass die Energien, die wir nutzen, unseren Planeten bedrohen." Genauso bedrohlich sei "das schwindende Selbstbewusstsein quer durch unser Land, die nagende Angst, dass Amerikas Niedergang nicht aufzuhalten ist und dass die nächste Generation ihre Erwartungen herunterschrauben muss". Dies allerdings werde nicht eintreten.

Obama kündigte gegenüber der muslimischen Welt einen "neuen Weg nach vorne" an, der begründet sei auf "gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt". Regierungen, die sich mit Korruption, Betrug und der Unterdrückung abweichender Meinungen an der Macht hielten, seien auf "der falschen Seite der Geschichte". Aber Amerika strecke die Hand zu jenen aus, "die bereit sind ihre Faust zu öffnen." Die "Nation sei im Krieg gegen ein weitreichendes Netzwerk von Hass und Gewalt", betonte Obama. Die Wirtschaft sei geschwächt, als Folge von Gier und Verantwortungslosigkeit einiger weniger, "aber auch wegen unseres kollektiven Versagens, harte Entscheidungen zu treffen und das Land auf ein neues Zeitalter vorzubereiten".

Obama will Irak den Irakern übergeben

Als weitere Aufgabe nannte Obama eine neue Irak-Politik. "Wir werden damit beginnen, in verantwortlicher Weise den Irak den Irakern zu übergeben und einen mühsam errungenen Frieden in Afghanistan zu schmieden." Auch sonst setzte Obama auf gemeinsame Anstrengungen statt auf eine Einteilung der Welt in Gut und Böse: "Mit unseren alten Freunden und früheren Feinden werden wir unermüdlich daran arbeiten, die nukleare Bedrohung zu vermindern und das Schreckgespenst der Erderwärmung zurückzudrängen."

Er ermahnte seine Landsleute, die amerikanischen Ideale nicht aufzugeben. Amerikas Gründungsväter hätten "mit ihrem Blut" die Demokratie sowie Bürger- und Menschenrechte erkämpft, die es zu erhalten gelte, sagte Obama. "Wir weisen die Wahl zwischen Sicherheit und unseren Idealen zurück", sagte er. Amerikas Ideale leuchteten noch immer in der Welt. "Und so sage ich zu allen Völkern und Regierungen, die heute hier zusehen, (...) Amerika ist ein Freund jeder Nation und jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes, die nach einer Zukunft in Frieden und Würde suchen - wir sind wieder bereit zu führen".

Eine Stunde nach seiner Vereidigung Obama die offiziellen Inauguration-Papiere unterzeichnet. In einem festlichen Raum des Kapitols signierte er unter Beifall die Dokumente. Vizepräsident Joe Biden wohnte der kurzen Zeremonie stehend bei.

Obamas Vorgänger George W. Bush verließ unterdessen Washington. Gemeinsam mit Frau Laura flog der Ex-Präsident am Dienstag an Bord eines Helikopters der Streitkräfte von einem Platz vor dem Kapitol ab. Obama, Ehefrau Michelle, Vizepräsident Joe Biden und dessen Frau Jill winkten ihnen zum Abschied zu.

Bush wollte noch einen Zwischenstopp auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington einlegen und dann nach Texas weiterfliegen. Die erste Nacht nach dem Ende seiner achtjährigen Amstzeit wollten die Bushs auf ihrer Ranch in Crawford verbringen.

DPA / DPA