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Ölpest im Golf von Mexiko Sturm verzögert Entlastungsbohrungen


Wegen eines aufziehenden Sturms in der Karibik hat der Ölkonzern BP vorübergehend eine Entlastungsbohrung an der sprudelnden Ölquelle im Golf von Mexiko gestoppt. Die Arbeiten seien ausgesetzt und der Bohrschacht verschlossen worden, da man kein Risiko eingehen wolle, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells am Mittwoch.

Ein aufziehender Sturm verzögert die Bemühungen im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko. Der Konzern BP setzte eine Entlastungsbohrung an der sprudelnden Ölquelle aus und verschloss den Bohrschacht vorläufig, um kein Risiko einzugehen, wie BP-Vizepräsident Kent Wells mitteilte. Nach Angaben des Sonderbeauftragten der Regierung, Thad Allen, muss möglicherweise auch die riesige Verschlusskappe wieder geöffnet werden, die das austretende Öl seit Ende vergangener Woche auffängt.

Die Entlastungsbohrung sollte eigentlich Ende des Monats fertiggestellt sein. Sie soll genutzt werden, um Schlamm und Zement in die Ölquelle zu pumpen und sie so dauerhaft zum Versiegen zu bringen. Zuletzt war vorgesehen, das Leck so Anfang August zu schließen. Falls die Einsatzkräfte abgezogen werden müssen, kann die Arbeit aber erst in etwa zwei Wochen wieder aufgenommen werden.

Laut Wetterbericht könnte am Wochenende ein Tropensturm in das Gebiet ziehen. Allen erklärte, die Verschlusskappe müsse geöffnet werden, wenn BP wegen des Sturms die Lage unter Wasser am defekten Bohrloch nicht mehr unter Beobachtung halten könne. Dann flösse erneut tagelang Öl ins Meer.

Die Besatzung Dutzender Boote, die BP zum Abschöpfen des Öls anheuerte, bereiteten sich am Donnerstag darauf vor, in die Häfen zurückzukehren. In Florida entfernten Arbeiter am Mittwoch Ölsperren aus dem Wasser, da sie vom Wind in sensible Feuchtgebiete getrieben werden könnten.

Vier Ölkonzerne einigten sich unterdessen am Mittwoch auf die Bildung eines neuen Unternehmens zur Bekämpfung von Öllecks bei Unterwasserbohrungen. Dafür wollen sie insgesamt eine Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) bereitstellen. Nach Angaben des Amerikanischen Petroleum-Instituts soll die neue Firma innerhalb von 24 Stunden nach einem Zwischenfall einsatzbereit sein und Lecks bis in 3.000 Meter Tiefe eindämmen können. BP gehört nicht zu den beteiligten Unternehmen.

Gericht stoppt Erschließung von Ölfeldern vor Alaska

Ein US-Bundesrichter untersagte am Mittwoch Ölfirmen vorerst die Erschließung von Öl- und Gasfeldern vor der Nordwestküste Alaskas. Bezirksrichter Ralph Beistline erklärte zur Begründung, die frühere US-Regierung von Präsident George W. Bush habe Umweltrecht missachtet, als sie die Bohrrechte im Februar 2008 verkaufte. Der Verkauf der Bohrrechte in der Tschutkschen-See brachte seinerzeit fast 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) ein.

Der Dienst für Mineralien-Management habe es versäumt, die Umweltfolgen einer Erschließung der Erdgasfelder zu untersuchen, erklärte Richter Beistline. Er untersagte jegliches weitere Vorgehen im Rahmen der Bohrrechte, so lange weitere Untersuchungen zu den Umweltfolgen noch ausstehen. Der Konzern Royal Dutch Shell wollte ursprünglich in diesem Sommer drei Probebohrungen in dem Gebiet vornehmen. US-Präsident Barack Obama hatte aber bereits im Mai unter dem Eindruck der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Unterwasserbohrungen im Nordpolarmeer bis mindestens 2011 ausgesetzt.

Harry Weber und Colleen Long, APN (mit DPA)

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