Österreich Die Erotik der EU


Österreich übernimmt im Januar die EU-Ratspräsidentschaft. Eine Plakataktion weist bereits auf dieses politische Ereignis hin - und sorgt mit erotischen Motiven für Empörung.

Eine als Beitrag zu Österreichs EU-Präsidentschaft gedachte Plakataktion der Wiener Kulturinitiative "euroPART" hat jetzt Entrüstung unter österreichischen Politikern ausgelöst. Ein Poster zeigt drei nackte Akteure in sexuell eindeutiger Position mit den Masken von Jacques Chirac, George W. Bush und der britischen Queen. Die - zumindest öffentlich - geäußerte Empörung geht durch alle politischen Reihen. Nur die Initiatoren der Aktion fühlen sich missverstanden.

Anlass für die unerwartete Aufregung zum Jahresende sind zwei von insgesamt 150 Plakaten mit EU-Motiven. Sie bilden den abschließenden Europa-Schwerpunkt der viel beachteten Aktion "25 Peaces", einer Projektreihe zum österreichischen Jubiläumsjahr 2005. Neben dem "eindeutigen" Sexplakat mit den maskierten (N)akteuren erregen sich die Kritiker vor allem über ein Poster, auf dem der Unterleib einer nur mit einem blauen Slip mit den EU-Sternen bekleideten Frau zu sehen ist.

Kampagne mit Steuermitteln finanziert

"EU-Vorsitz mit wüsten Sexplakaten eröffnet", erzürnte sich Österreichs einziges Massenblatt, die "Kronenzeitung" am Mittwoch. Nicht auszudenken, was die betroffenen Politiker denken könnten, wenn sie in den kommenden Monaten Wien besuchten.... Besonders übel stieß dem Blatt, das stets das gesunde Volksempfinden nachempfindet, auf, dass die gesamte Kampagne mit Steuermitteln in Höhe von einer Million Euro gefördert wurde.

Vor allem Oppositionspolitiker stimmten in die Kritik ein. Der Chef der rechten Freiheitlichen Partei (FPÖ) Heinz-Christian Strache witterte "Gruppensex-Phantasien" hinter den Plakateuren, andere FPÖ-Politiker forderten gleich die Entlassung der Verantwortlichen. Doch auch Österreichs Sozialdemokraten, sonst alles andere als EU-freundlich, kritisierten: Zwar sei man grundsätzlich nicht gegen die Freiheit der Kunst, meinte SPÖ-Geschäftsführer Norbert Darabos, doch bemängelte er, dass es für die Projektreihe eine Förderung von einer Million Euro durch das Kanzleramt gegeben habe. Die Salzburger SPÖ-Ministerpräsidentin Gabi Burgstaller wiederum meinte, sie halte die umstrittenen Sujets für frauenfeindlich und "für Europa nicht gut". So was müsse vermieden werden.

Ein Motiv wird aus dem Verkehr gezogen

Der für die in Österreich insgesamt nicht umstrittene Aktion "25 Peaces" verantwortliche Chef der österreichischen Subventionstheater, Georg Springer, versteht die Aufregung dagegen nicht. Das eine Plakat wende sich "konkret gegen die Globalisierung, das andere ironisiert die EU", verteidigte er sich am Mittwoch. "Es freut mich nicht sehr, dass es diese Aufregung gibt." Immerhin handele es sich lediglich um insgesamt drei Motive von 25 Teilprojekten mit 150 Kunstwerken. Angesichts der allgemeinen Kritik deutete er jedoch bereits den "geordneten Rückzug" an. Eines der Motive werde ab der kommenden Woche nicht mehr zu sehen sein, kündigte Springer an. Welches das sei, sagte er jedoch nicht.

Christian Fürst/DPA DPA

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