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Oppositionelle im Iran: Vergewaltigungen im Gefängnis?

Harte Vorwürfe gegen die iranische Regierung: Viele Oppositionelle seien in Haft misshandelt und vergewaltigt worden, behauptet der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mehdi Karubi. Ein Polizeichef bestätigte, dass es Übergriffe gegeben hat.

Im Iran hat der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mehdi Karubi schwere Vorwurfe gegen die Behörden erhoben. Zahlreiche Regierungskritiker seien im Gefängnis schwer misshandelt und vergewaltigt worden, teilte Karubi auf seiner Internetseite mit. Er berief sich dabei auf Aussagen ranghoher Behördenvertreter. Von den Übergriffen seien Frauen und Männer betroffen.

"Auch einige junge weibliche Inhaftierte wurden dermaßen vergewaltigt, dass sie schwere Verletzungen erlitten", erklärte Karubi weiter. Er habe die "wirklich beschämenden" Vorfälle in einem Brief an den einflussreichen Ex-Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani gemeldet, der als Vorsitzender des Expertenrats eine wichtige Position im iranischen Machtgefüge hält. Unter den Reformpolitikern gilt Rafsandschani als einer der wichtigsten Gegenspieler von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der bei der Wahl offiziell zum Sieger erklärt worden war.

Iranischer Polizeichef räumt Übergriffe ein

Der iranische Polizeichef Ismail Ahmadi-Mokaddam bestätigte, dass es in einem Gefängnis körperlichen Missbrauch von Gefangenen gegeben habe. Einige Beamte hätten sich nicht an die Vorschriften gehalten. Der Polizeichef sagte, der Direktor des Gefängnisses im Süden von Teheran sei festgenommen und entlassen worden. Auch zwei Wärter seien gefeuert worden.

Auch der iranische Generalstaatsanwalt Ghorban-Ali Dorri-Nadschafabadi bestätigte Missbrauch in der Haftanstalt. Er bezeichnete dieses Verhalten als nicht hinnehmbar und verlangte die Bestrafung aller für die Misshandlung von Gefangenen Verantwortlicher.´

Zuvor hatten die Revolutionsgarden Karubi und den ebenfalls unterlegenen Oppositionsführer Mir-Hussein Mussawi offen ins Visier genommen. Beide Kandidaten müssten vor Gericht gestellt und bestraft werden, weil sie die Hauptverdächtigen hinter den Protesten gegen die Wiederwahl von Ahmadinedschad seien, sagte ein hochrangiger Befehlshaber der Revolutionsgarden zu der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Bei Protesten waren mehr als 1000 Demonstranten und Oppositionsanhänger festgenommen worden. Mindestens 26 Menschen kamen laut staatlichen Medien dabei ums Leben. Die Opposition erkennt die Wahl nicht an und spricht von Betrug. Ungeachtet internationaler Proteste wurden am Samstag auch eine Französin sowie zwei iranische Mitarbeiter europäischer Botschaften vor Gericht gestellt. Laut iranischen Medienberichten sollen sie Teil einer westlichen Verschwörung sein, deren Ziel der Sturz der islamischen Führung sei.

Reuters/DPA / DPA / Reuters