Palästinenser-Präsident Arafats letzte Ruhestätte


Palästinenser wollen ihren Präsidenten in Jerusalem begraben. Israelis schließen das jedoch aus. Nach ihrem Willen soll Arafat auf dem Friedhof in Chan Junis im Gaza-Streifen begraben werden, dort wo auch seine Familie ruht.

Nur die alten Leute in Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen erinnern sich daran, wo die Grabstätte der Familie des todkranken Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat liegt. Am Eingang des kleinen, von einer Betonmauer umschlossenen Friedhofs steht ein riesiger Baum, der einigen der etwa 30 Gräber etwas Schatten spendet. Der 70 Jahre alte Gemüsehändler Ibrahim al Astal führt Besucher durch eine quietschende Eisentür zu der Parzelle am östlichen Rand der Anlage, wo der Vater und die 1999 verstorbene ältere Schwester des legendären Führers ruhen.

Neugierige Kinder und Jugendliche sind gekommen, um den Ort zu begutachten, an dem nach dem Willen Israels ihr Präsident begraben werden könnte. Zwischen den vernachlässigt wirkenden Gräbern wuchert Gras, auf der Straße neben dem Friedhof häuft sich der Unrat. "Dies ist gewiss kein passender Ort für ein Staatsbegräbnis mit Präsidenten aus aller Welt", meint einer der Besucher traurig.

"Arafat muss in Jerusalem begraben werden", meint der 30 Jahre alte Ahmed Inabba, der in Chan Junis wohnt. Wenn die palästinensische Führung dies jedoch nicht durchsetzen könne, solle er in Chan Junis seine letzte Ruhestätte finden, "wo sein Volk und seine Familie ihn immer geliebt haben".

Israel hat im Falle eines Begräbnisses im Gazastreifen angekündigt, es wolle die Sicherheitskontrollen für aus Ägypten einreisende Trauergäste auf ein Minimum reduzieren. Arafat selbst hatte sich gewünscht, nach einem Tod in der Nähe der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem auf dem Tempelberg begraben zu werden, den Muslime als "Haram el Scharif" (Edles Heiligtum) verehren. Noch vor vier Monaten habe Arafat ihm dies bei einem Treffen gesagt, sagte der Mufti von Jerusalem, Scheich Ekrema Sabri.

Dies ist jedoch aus israelischer Sicht ausgeschlossen. Der Tempelberg, die heiligste Stätte des Judentums, gilt als gefährliches "Pulverfass" in Nahost und war schon in der Vergangenheit immer wieder Auslöser blutiger Zusammenstöße. Israel fürchtet ein Desaster mit nicht abzusehenden regionalen Auswirkungen, sollten dort bei einem Begräbnis die Emotionen der Massen außer Kontrolle geraten.

Außerdem hat der Ort des im Jahre 70 christlicher Zeitrechnung von den Römern zerstörten zweiten jüdischen Tempels für Israelis und Palästinenser großen religiösen und politisch-nationalen Symbolwert. Für Muslime ist der Komplex mit dem Felsendom die drittheiligste Stätte nach Mekka und Medina und Symbol von Jerusalem, das sie sich als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates wünschen.

Der Tempelberg sei eine Stätte, an der "jüdische Könige begraben werden und nicht arabische Terroristen", sagte der israelische Justizminister Josef Lapid schroff. Raanan Gissin, Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, wünschte Arafat mit ironischem Unterton, er möge auf dem Friedhof in Chan Junis "in Frieden mit seinen Vorfahren und seiner Familie ruhen".

Sara Lemel und Saud Abu Ramadan/DPA DPA

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