Papst-Besuch in Brasilien "Das Leben ist ein Geschenk"


Papst Benedikt XVI. ist bei seiner Ankunft in Brasilien von tausenden Gläubigen jubelnd empfangen worden. Zuvor hatte er in einer Pressekonferenz lateinamerikanische Politiker scharf kritisiert und mit deren Exkommunikation gedroht. Brasilien und Mexiko wollen ihre Gesetze zur Abtreibung lockern.

Papst Benedikt XVI. ist in Brasilien zum Auftakt seiner ersten Überseereise im größten katholischen Land der Erde ein warmer Empfang bereitet worden. Bei kühlem Herbstwetter und Nieselregen jubelten rund 10 000 Menschen dem Papst im Zentrum der Wirtschaftsmetropole São Paulo zu. Vom Balkon des Klosters São Bento (Sankt Benedikt) aus versprach der deutsche Papst den begeisterten Brasilianern «aufregende und fröhliche Tage» während seines Aufenthalts.

In einer Begrüßungsrede nach der Landung in São Paulo hatte der Pontifex zuvor versichert, sein Besuch werde grenzüberschreitende Bedeutung für ganz Lateinamerika haben. Die lateinamerikanische Bischofskonferenz, die er am letzten Besuchstag eröffnen wird, werde Vorschläge unterbreiten, die, "so Gott will, dem Kontinent neuen Schwung und missionarischen Impuls geben werden".

Das Thema Abtreibung

Unter anderem steht während seiner Reise ein Treffen mit dem brasilianischen Staatspräsident Luiz Lula da Silva auf dem Programm. Das Gespräch ist von einem innenpolitischen Streit um eine Abtreibungsregelung überschattet. Nachdem Lula und sein Gesundheitsminister José Temporao sich für eine Lockerung des Abtreibungsrechts ausgesprochen hatten, protestierten in der Hauptstadt Brasilia mehr als 2000 Abtreibungsgegner. Und die Kirche erklärte, die Regierung dürfe sich nicht "in den Dienst des Todes stellen".

Regierungssprecher meinten, das Thema Abtreibung solle beim Treffen im Prinzip nicht angesprochen werden. Auf der Tagesordnung seien vielmehr Themen wie Familie, Jugend und Armut. Bereits auf dem Weg in das größte Land Lateinamerikas hatte der Papst Stellung zur Liberalisierung des Abtreibungsrechtes in Mexiko-Stadt genommen und die Exkommunikation mexikanischer Parlamentarier verteidigt.

Die Tötung eines Kindes sei mit der Teilnahme an der Eucharistie-Feier unvereinbar, betonte das katholische Kirchenoberhaupt in einer ungewöhnlich langen Pressekonferenz im Flugzeug: "Das Leben ist ein Geschenk und keine Bedrohung." Die katholische Kirche von Mexiko hatte Ende April auf das Gesetz zur Freigabe der Abtreibung in Mexiko-Stadt reagiert und die Politiker, die das Gesetz beschlossen haben, exkommuniziert. Auf brasilianischem Boden betonte der Papst wenig später, die Kirche werde immer das Leben schützen.

Die Regeln der römisch-katholischen Kirche schrieben vor, "dass das Töten eines unschuldigen Kindes unvereinbar mit der Kommunion ist“. "Egoismus und Angst sind an der Wurzel der (Pro-Abtreibungs)-Gesetzgebung“, ergänzte der aus Bayern stammende Papst in der Stadt Sao Paulo. Es war das erste Mal, dass Benedikt sich ausführlich in der Öffentlichkeit zu dem umstrittenen Thema äußerte.

Kampf gegen Armut und Hunger

Die Alitalia-Maschine mit dem katholischen Kirchenoberhaupt war etwa eine halbe Stunde vor der vorgesehenen Ankunftszeit auf dem internationalen Flughafen von São Paulo eingetroffen. "Wir empfangen den Papst mit riesiger Freude", sagte Lula, der sich beim Vatikan für die Unterstützung im internationalen Kampf gegen Armut und Hunger bedankte.

In klarem Portugiesisch antwortete Ratzinger, Brasilien habe einen besonderen Platz im Herzen des Papstes. "Nicht nur, weil es christlich geboren wurde und die größte Katholikenzahl hat, sondern auch, weil es reich an Potenzial und christlicher Präsenz ist, die Grund für Freude und Hoffnung für die gesamte Kirche sind". Jeder Katholik müsse sich in seinem Bereich darum bemühen, "eine Zukunft des Friedens und der Hoffnung für alle zu konstruieren".

Per Hubschrauber flog der Papst nach der Begrüßung zum Flugplatz Campo de Marte zur Entgegennahme der Schlüssel der Stadt, bevor er im gepanzerten Papstmobil und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen zur Nachtruhe zum Kloster fuhr. Nach der Zusammenkunft mit Lula will sich der Papst im Fußballstadion Pacaembu mit Jugendlichen treffen. Anschließend reist Benedikt zum Wallfahrtsort Aparecida weiter. Dort eröffnet er die Sitzung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Zum Abschluss des Besuchs ist eine Messe mit den lateinamerikanischen Bischöfen in Aparecida vorgesehen.

Benedikt will auf seiner fünftägigen Reise die Brasilianer wieder mehr für die katholische Kirche begeistern. In Lateinamerika lebt fast die Hälfte der weltweit 1,1 Milliarden Katholiken, in Brasilien sind es etwa 125 Millionen - so viele wie in keinem anderen Land. Allerdings verliert die Kirche in der Region seit einiger Zeit Millionen von Anhängern etwa an evangelikale Kirchen.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker