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Fake-News-Schreiber "Ich glaube, Trump ist meinetwegen im Weißen Haus"

Ein doppelter Trump - für viele keine schöne Vorstellung
Ein doppelter Trump - für viele keine schöne Vorstellung
© AFP
Er postete Satire-News, doch es wurde bitterer Ernst: Der Fake-News-Schreiber Paul Horner lieferte Trump-Anhängern fleißig erfundenen Stoff für ihre Theorien. Nun bereut er es - und glaubt, er sei mitverantwortlich für dessen Sieg.

Es waren aufregende Meldungen, die da durch die sozialen Medien gingen und fleißig geteilt wurden: Ein Anti-Trump-Demonstrant erzählt, dass er bezahlt werde, um gegen den Milliardär auf die Straße zu gehen. Barack Obama lässt die Nationalhymne bei allen nationalen Sportveranstaltungen und den Treueschwur "Pledge of Allegiance" in allen Schulen verbieten. Barack Obama finanziert aus eigener Tasche ein Museum für muslimische Kultur.

Hunderttausendfach wurden diese Nachrichten im Internet weiterverbreitet und schafften es auch auf die Seiten seriöser Medien. Das Blöde nur: Sie stimmten nicht.

Hinter den Meldungen steckt laut "Washington Post" der 38-jährige Paul Horner. Er macht sein Geld mit Fake-Nachrichten und schrieb unter anderem für den "National Report". Seine Falschmeldungen verraten sich öfter mal dadurch, dass er darin Protagonisten mit seinem eigenen Namen auftreten lässt.

"Sie haben es wirklich geglaubt"

Immer wieder postete Horner während des Wahlkampfs Nachrichten, die die Vorstellungen und Verschwörungstheorien der Trump-Anhänger überzeichnen und karikieren sollten. "Ich fand es verrückt, dass seine Anhänger geglaubt haben, Leute würden bezahlt, um gegen Trump zu demonstrieren", sagte er nun im Blog "The Intersect" der Washington Post. "Ich wollte mich darüber lustig machen. Aber sie haben es wirklich geglaubt."

Den Beitrag in kompletter Länge finden Sie auf dbate.de

Fake News sind ein einträgliches Geschäft

Mit Fake News lässt sich viel Geld verdienen. Sie sind schnell zu produzieren, spielen den Lesern ins Weltbild und werden gern geteilt, was auch den Verbreitungsplattformen enorme Werbeerlöse bringt. Auf Facebook und Google haben Falschmeldungen es bisher nahezu ungefiltert an die Öffentlichkeit geschafft. In den Monaten vor der US-Wahl wurden sie laut einer Auswertung von Buzzfeed besonders oft weitergeleitet und kommentiert - am Ende sogar mehr als die Nachrichten seriöser Medien.

Was also harmlos aus der Perspekive Horners begann, verselbständigte sich rasch. Je weiter der US-Wahlkampf voranschritt, je tiefer die Gräben und je schmutziger die Schlammschacht wurde, desto schneller wurden seine Artikel verbreitet. Zu gut lasen sich die Falschmeldungen, als dass sie nicht von dem ein oder anderen Medium aufgegriffen worden wären. Zu gut passten sie ins Weltbild vieler Trump-Anhänger, als dass sie von ihnen nicht geteilt worden wären. Immer wieder wurden die Hoaxes weiterverbreitet und erschienen teilweise sogar auf Google als "News". Auch Donald Trumps Sohn Eric und sein Wahlkampfmanager Corey Lewandowski retweeteten begeistert den Link zur Meldung über den angeblich bezahlten Demonstranten.

"Ich dachte, es würde sie schlecht aussehen lassen", versucht sich Horner nun zu rechtfertigen. "Normalerweise läuft es so: Jemand postet meinen Artikel, es kommt heraus, dass es ein Fake ist, und dann sehen sie aus wie Idioten. Aber die Anhänger Trumps halten einfach daran fest. Im Rückblick merke ich, dass ich seiner Kampagne genutzt statt geschadet habe."

Horner selbst erklärt in dem Interview, er hasse Trump. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass er die Wahl gewinne. "Meine Meldungen wurden von Trump-Unterstützern ständig aufgegriffen", sagt er. "Ich glaube, er ist meinetwegen im Weißen Haus."  

car

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