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Persischer Golf: Iran will britische Soldaten möglicherweise austauschen

Medienberichten zufolge will die iranische Regierung die festgenommenen britischen Marinesoldaten nutzen, um sie gegen fünf Iraner einzutauschen, die sich US-Haft befinden. Bitten britischer Diplomaten um Kontaktaufnahme, wurden abgewiesen.

Der Iran will 15 gefangen genommene britische Soldaten möglicherweise gegen iranische Staatsbürger in US-Gewahrsam austauschen. Britische und arabische Medien berichteten, Teheran wolle fünf Iraner freibekommen, die vor einigen Monaten in der irakischen Stadt Erbil von US-Soldaten festgenommen worden waren.

Die iranische Regierung übermittelte dem britischen Botschafter am Sonntag ihren Protest gegen die angebliche Grenzverletzung durch die Soldaten. Der britische Botschafter Geoffrey Adams sprach mehrere Stunden mit iranischen Regierungsvertretern, wie das Außenministerium in London erklärte. Er forderte dabei die umgehende Freilassung aller 15 Soldaten, unter ihnen eine Frau. Bitten um Kontakt zu den Gefangenen wurden abgewiesen.

Keine Hinweise auf Aufenthaltsort

Der Staatssekretär im Außenministerium, Lord Triesman, sagte, man habe keine Hinweise auf den Aufenthaltsort der Soldaten. Er betonte, die britischen Streitkräfte würden niemals bewusst in iranisches Hoheitsgebiet eindringen. Außerdem gebe es Beweise, dass sich die Soldaten zum Zeitpunkt der Festnahme in irakischen Gewässern aufgehalten hätten.

Auch die EU forderte den Iran zur Freilassung der britischen Soldaten auf. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft erklärte, sie stehe in der Angelegenheit in enger Abstimmung mit der britischen Regierung. Der deutsche Botschafter in Teheran habe bei der iranischen Regierung vorgesprochen. Die Soldaten sollen laut offiziellen Angaben aus Teheran einen illegalen Grenzübertritt gestanden haben. Bei dem Zwischenfall am Freitag habe es sich um einen Akt der Aggression gehandelt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA General Ali Resa Afschar. Was mit den Soldaten weiter geschehen soll, sagte er nicht.

Konservative Studentengruppen riefen die iranische Regierung auf, die Soldaten erst dann freizulassen, wenn fünf seit Januar von US-Truppen im Irak festgehaltene Iraner freikämen und die UN ihre Sanktionspläne fallen ließen.

Der Zwischenfall ereignete sich im Schatt el Arab im Norden des Persischen Golfs, wo der exakte Verlauf der Grenzlinie umstritten ist. Die 15 Soldaten der Fregatte "HMS Cornwall" gehörten zu einer Einheit der Royal Navy, die unter UN-Mandat die Sicherheit der irakischen Ölterminals und der irakischen Hoheitsgewässer gewährleisten soll. Die internationale Staatengemeinschaft hatte am Samstag mit einer zweiten UN-Resolution ihren Widerstand gegen das iranische Atomprogramm ausgeweitet. Der Sicherheitsrat folgte dem Votum der fünf ständigen Ratsmitglieder und Deutschlands und beschloss neue Sanktionen. Die iranische Regierung bekräftigte jedoch ihre Absicht, an der Urananreicherung festzuhalten. Die USA kündigten für diesen Fall eine weitere Resolution an.

AP / AP
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